Mittwoch, 25. November 2020
Navigation öffnen
Anzeige:
Ozempic

Medizin

31. August 2018 hATTR-Amyloidose: EU-Zulassung für RNAi-Therapeutikum Patisiran

Die Europäische Kommission hat die Marktzulassung für Patisiran (OnpattroTM) zur Behandlung der erblichen Transthyretin-vermittelten (hATTR)-Amyloidose bei Erwachsenen mit Polyneuropathie Stadium 1 oder 2 erteilt hat. Patisiran basiert auf einer mit dem Nobelpreis ausgezeichneten Wissenschaft und ist das erste RNA-Interferenz-(RNAi)-Therapeutikum, das in der Europäischen Union zugelassen wird.
Anzeige:
Symbicort AB0824756
Symbicort AB0824756
„Die Zulassung ist das Ergebnis jahrelangen Engagements und markiert den nächsten Schritt in dem Bemühen, Patienten mit hATTR-Amyloidose und ihren Familien eine potenziell lebensverändernde Behandlung zu ermöglichen. Patisiran hat gezeigt, dass es die Polyneuropathie verbessert und bei der Mehrheit der Patienten sogar eine Umkehr der Neuropathie-bedingten Beeinträchtigung bewirkt und die Aktivitäten des täglichen Lebens sowie die Lebensqualität verbessert”, so Theresa Heggie, Head of Europe, Alnylam Pharmaceuticals. „Dies ist der Beginn eines neuen Kapitels in der Behandlung dieser seltenen, schnell fortschreitenden, tödlichen Krankheit. Wir danken den Patienten, die an den klinischen Studien zu Patisiran teilnahmen, ihren Betreuern und ihren Familien sowie den Forschern, ohne die dieser wichtige Meilenstein nicht erreicht worden wäre. Wir freuen uns darauf, mit unserem innovativen therapeutischen Ansatz auch Patienten mit anderen seltenen Krankheiten in der Zukunft zu helfen.”

„Bis vor kurzem sahen Patienten, bei denen eine erbliche ATTR-Amyloidose diagnostiziert wurde, einer ungewissen Zukunft entgegen. Es fehlten Therapien, um das Fortschreiten der Krankheit aufzuhalten oder gar rückgängig zu machen. Dies führte zu einer allmählichen und zwangsläufigen Abnahme der täglichen Funktionsfähigkeit, was nicht nur die Patienten selbst, sondern auch ihre Partner und Familien stark belastete und viele schließlich zu Vollzeitpflegern machte”, so Prof. Philip N. Hawkins, Ph.D, FRCP, FRCPath, FMedSci, National Amyloidosis Centre, Division of Medicine, und University College London Medical School, Royal Free Hospital, UK. „Patisiran hat das Potenzial, nicht nur das Leben dieser Patienten zu verändern, sondern auch die Art und Weise, wie wir über die erbliche ATTR-Amyloidose denken und sie behandeln.”

Viele schwere, chronische und lebensbedrohliche Krankheiten, wie die hATTR-Amyloidose, werden durch einen Defekt oder eine Mutation verursacht, die die Herstellung von Proteinen durch den Körper beeinträchtigt. RNAi bietet einen völlig neuen Ansatz zur Behandlung dieser Art von Krankheiten, der auf das fehlerhafte Protein, das die Krankheit verursacht, abzielt, anstatt nur die Symptome zu behandeln. RNAi-Therapeutika stellen daher eine völlig neue Klasse von Medikamenten dar.

Die Entscheidung der Europäischen Kommission basierte auf der Beurteilung der Wirkung von Patisiran bei Patienten mit hATTR-Amyloidose und Polyneuropathie und seinem Sicherheitsprofil, wie in der Phase-III-Studie APOLLO nachgewiesen wurde. Der Zusammenfassung der Produkteigenschaften (SmPC) lassen sich Daten aus APOLLO zu den primären und sekundären Endpunkten sowie zu den explorativen kardialen Endpunkten entnehmen. Die Europäische Arzneimittelagentur hat Patisiran im Rahmen des beschleunigten Beurteilungsverfahrens überprüft, das für Arzneimittel gewährt wird, die für die öffentliche Gesundheit und die therapeutische Innovation als von großem Interesse eingeschätzt werden.

APOLLO-Studie

Die Marktzulassung für Patisiran basierte auf positiven Ergebnissen der randomisierten, doppelblinden, Placebo-kontrollierten, globalen Phase-III-Studie APOLLO, der bisher größten Studie von Patienten mit hATTR-Amyloidose und Polyneuropathie. Die Ergebnisse der APOLLO-Studie wurden in der Ausgabe vom 5. Juli 2018 des New England Journal of Medicine veröffentlicht (1).
 
In der APOLLO-Studie wurden die Sicherheit und Wirksamkeit von Patisiran in einer vielfältigen, globalen Population von Patienten mit hATTR-Amyloidose in 19 Ländern mit insgesamt 39 TTR-Mutationen untersucht. Die Patienten wurden im Verhältnis 2:1 randomisiert, um intravenöses Patisiran (0,3 mg pro kg Körpergewicht) oder Placebo 1x alle 3 Wochen 18 Monate lang zu erhalten. Die Studie zeigte, dass Patisiran die Messwerte der Polyneuropathie, Lebensqualität, Aktivitäten des täglichen Lebens, Gehfähigkeit, des Ernährungszustands und der autonomen Symptome im Vergleich zu Placebo bei erwachsenen Patienten mit hATTR Amyloidose verbesserte. Der primäre Endpunkt bei der APOLLO-Studie war der modifizierte Neuropathie-Beeinträchtigungs-Score +7 (mNIS+7), der die motorische Stärke, Reflexe, Empfindung, Nervenleitung und den posturalen Blutdruck misst.
 
  • Mit Patisiran behandelte Patienten hatten eine mittlere Abnahme (Verbesserung) von 6,0 Punkten beim mNIS+7-Score gegenüber Baseline im Vergleich zu einem mittleren Anstieg (Verschlechterung) von 28,0 Punkten bei Patienten in der Placebo-Gruppe, was zu einer Mittelwertveränderung von 34,0 Punkten im Vergleich zu Placebo nach 18 Monaten der Behandlung führte.
  • Während fast alle mit Patisiran behandelten Patienten einen Behandlungsnutzen im Vergleich zu Placebo verzeichneten, kam es bei 56% der mit Patisiran behandelten Patienten nach 18 Monaten Therapie zur Verbesserung der Neuropathie-bedingten Beeinträchtigungen (gemäß dem mNIS+7-Score) im Vergleich zu 4% der Patienten, die Placebo erhielten.
  • Mit Patisiran behandelte Patienten hatten eine mittlere Abnahme (Verbesserung) von 6,7 Punkten in Bezug auf den Score für Lebensqualität bei diabetischer Neuropathie (Norfolk Quality of Life Diabetic Neuropathy, QoL-DN) gegenüber Baseline im Vergleich zu einem mittleren Anstieg (Verschlechterung) von 14,4 Punkten bei Patienten in der Placebo-Gruppe, was zu einer Mittelwertveränderung von 21,1 Punkten im Vergleich zu Placebo nach 18 Monaten der Behandlung führte.
  • Gemäß dem Norfolk-QoL-DN-Score kam es bei 51% der mit Patisiran behandelten Patienten zu einer Verbesserung der Lebensqualität nach 18 Monaten gegenüber ihrer Baseline, verglichen mit 10% bei den mit Placebo behandelten Patienten.
  • Während der 18-monatigen Behandlung verzeichneten mit Patisiran behandelte Patienten einen erheblichen Nutzen gegenüber Placebo bei allen anderen sekundären Wirksamkeitsendpunkten, einschließlich Messwerten für die Aktivitäten des täglichen Lebens, die Gehfähigkeit, den Ernährungszustand und die autonomen Symptome.
  • Patisiran wurde mit positiven Auswirkungen auf die explorativen Endpunkte im Zusammenhang mit Herzstruktur und -funktion in der präspezifizierten Subpopulation von Patienten mit kardialer Beteiligung assoziiert.
  • Das Auftreten und die Schwere unerwünschter Ereignisse waren bei mit Patisiran und Placebo behandelten Patienten ähnlich. Die häufigsten unerwünschten Ereignisse, die bei Patisiran öfter auftraten als bei Placebo, waren periphere Ödeme und infusionsbedingte Reaktionen. Um das Risiko von infusionsbedingten Reaktionen zu verringern, erhielten die Patienten vor der Infusion eine Prämedikation.

Für Patisiran-Verschreibungsinformationen in der EU besuchen Sie bitte die EMA Summary of Opinion.

Quelle: Alnylam Pharmaceuticals

Literatur:

(1) Adams D, Gonzalez-Duarte A, O'Riordan WD et al.
Patisiran, an RNAi Therapeutic, for Hereditary Transthyretin Amyloidosis.
N Engl J Med 2018;379(1):11-21. doi:10.1056/NEJMoa1716153.


Anzeige:
Pneumovax
Pneumovax

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"hATTR-Amyloidose: EU-Zulassung für RNAi-Therapeutikum Patisiran "

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.


EILMELDUNGEN zu SARS-CoV-2 und COVID-19
  • Neue S2k-Leitlinie zur stationären Behandlung von COVID-19 Patienten (23.11., DGIIN, DIVI, DGP)
  • Neue S2k-Leitlinie zur stationären Behandlung von COVID-19 Patienten (23.11., DGIIN, DIVI, DGP)