Sonntag, 26. Juni 2022
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Medizin

Herzinsuffizienz: Neue Behandlungsempfehlungen der Europäischen Kardiologen-Gesellschaft

„In den letzten Jahren ist es gelungen, die Prognose und Lebensqualität der Patienten mit Herzinsuffizienz zu verbessern. Die Neuerungen in Diagnostik und Therapie der HI schlagen sich in den aktualisierten Leitlinien der Europäischen Kardiologengesellschaft ESC nieder“, so Prof. Dr. Stefan Störk, Würzburg, auf einer Pressekonferenz anlässlich der Herbsttagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) in Hamburg. Vergleicht man die Sterblichkeit nach der Diagnose Herzinsuffizienz (HI) mit jener bei verschiedenen Krebserkrankungen, so schneidet die HI schlechter ab als die meisten Karzinome.

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Prof. Störk: „Die ESC Leitlinien von 2012 betonen die Bedeutung des Herz-Ultraschalls zur Diagnosestellung. Darüber hinaus sollte bei allen Patienten mit Verdacht auf HI auch ein EKG und eine Labor-Untersuchung durchgeführt werden.“ Ist ein Ultraschall nicht in akzeptabler Zeit verfügbar, kann die Bestimmung der natriuretischen Peptide aus dem Blut hilfreich sein.

Neuerungen bei der Therapie

Auch im Hinblick auf die Behandlung der HI haben sich Neuerungen ergeben. Prof. Störk nennt vor allem eine Aufwertung der Mineralokortikoid-Rezeptor-Antagonisten (MR-Antagonisten). Diese Wirkstoffe (Spironolacton oder Eplerenon) sollen nun nicht mehr erst bei fortgeschrittener, sondern bereits bei mäßiger HI (NYHA II) zum Einsatz kommen: Studien haben eine Verbesserung der Prognose durch den frühen Einsatz von MR-Antagonisten gezeigt.

„Das Prinzip der Therapie bleibt jedoch gleich und heißt neurohumorale Blockade. Das bedeutet, dass der Stress, der durch verschiedene Botenstoffe auf das kranke Herz ausgeübt wird, reduziert werden soll“, erklärt Prof. Störk. Daher sind die drei Säulen der medikamentösen Therapie ACE-Hemmer (die das einwirkende Angiotensin reduzieren), Beta-Blocker (die das Herz vor zu starker Adrenalin-Wirkung schützen und damit Blutdruck und Puls senken) und eben die MR-Antagonisten, die die Wirkung des Hormons Aldosteron blockieren.

Neu ist die Substanz Ivabradin, die wie ein Beta-Blocker die Herzfrequenz reduziert, dabei aber keine Blutdrucksenkung bewirkt. Bei einzelnen Patienten mit sehr schwerer HI kann Ivabradin auch den Beta-Blocker ersetzen, wenn dieser nicht mehr vertragen wird.

Früherer Einsatz der kardialen Resynchronisationstherapie

Ebenfalls früher im Krankheitsverlauf als bisher kann bei ausgewählten Patienten die kardiale Resynchronisations-Therapie eingesetzt werden: ein dem Herzschrittmacher ähnliches, implantierbares Gerät, das dafür sorgt, dass die Pumpleistung der beiden Herzkammern wieder synchron abläuft.

Die ESC Leitlinien nennen auch eine Reihe von Medikamenten, die bei Herzinsuffizienz nicht gegeben werden sollen. Das sind unter anderem NSAR (Anti-Rheumatika), COX-2-Hemmer (Schmerzmittel), Glitazone (Diabetes-Medikamente) sowie Kalzium-Antagonisten (mit Ausnahmen). Ebenfalls neu ist eine Empfehlung für das „multidisziplinäre Management“ der Erkrankung. Dieses umfasst die Zusammenarbeit der verschiedenen ärztlichen Disziplinen, aber auch nicht-ärztlicher Berufsgruppen – von der Intensivmedizin bis zum Essen auf Rädern.

Aerobe Bewegung führt zu einer Verbesserung der Belastbarkeit und der Symptome

Hieß es vor wenigen Jahren noch, Menschen mit Herzinsuffizienz (HI) sollen sich möglichst wenig bewegen, so hat sich das Bild nun komplett gewandelt. „Körperliche, aerobe Bewegung führt zu einer Verbesserung der Belastbarkeit und der Symptome. Dafür gibt es in den neuen Leitlinien eine IA Empfehlung, also die beste Empfehlungsstärke, die wir haben. Allerdings sollte beim herzinsuffizienten Patienten dieses Training nur nach vorheriger fachärztlicher Kontrolle erfolgen“, so Prof. Störk.

Quelle: Deutsche Gesellschaft für Kardiologie (DGK)


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