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Medizin
10. März 2021

Wie hoch ist zu hoch? Leitlinien zur Blutdruckkontrolle im Vergleich

Um das Bewusstsein für die verschiedenen Leitlinien der Blutdruckbehandlung zu fördern, haben Wissenschaftler wichtige Behandlungsempfehlungen, deren wissenschaftliche Evidenz sowie die Auswirkungen auf die deutsche erwachsene Allgemeinbevölkerung anhand von Daten der Heinz Nixdorf Recall Studie analysiert.
 
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Bluthochdruck (Hypertonie) ist der wichtigste veränderbare Risikofaktor für Schlaganfälle und Herzinfarkte. Europäische, amerikanische und internationale Leitlinien zur Blutdruckkontrolle unterscheiden sich jedoch in mehreren Punkten. Welche Blutdruckwerte sind zu hoch? Ab welchen Blutdruckwerten wird eine Senkung durch Medikamente empfohlen? Und wo liegen die Zielblutdruckwerte bei einer medikamentösen Behandlung?

Das Team um Dr. Janine Gronewold vom UDE-Lehrstuhl für vaskuläre Neurologie, Demenz und Altersforschung konnte in ihrer jetzt in BMJ Open veröffentlichten Studie große Unterschiede zeigen. Gemäß aktueller amerikanischer Leitlinien würde fast der Hälfte aller Personen im Alter von 45-75 Jahren eine medikamentöse Behandlung empfohlen. Wendet man hingegen aktuelle europäische und internationale Leitlinien an, gilt die Empfehlung nur für etwa ein Viertel.

Ein ähnliches Bild zeigt sich bei bereits mit blutdrucksenkenden Medikamenten behandelten Personen: gemäß aktueller amerikanischer Leitlinien wäre bei mehr als zwei Dritteln der Blutdruck noch nicht ausreichend gesenkt, während dieser Anteil gemäß aktueller europäischer und internationaler Leitlinien lediglich bei 50% liegt.

Wie kann es zu solchen Unterschieden kommen? Die Empfehlung der amerikanischen Leitlinien beruht vor allem auf Studien, die bereits behandelte Bluthochdruckpatienten einschlossen. „Obwohl Studien in der Allgemeinbevölkerung zeigen, dass das Risiko für Schlaganfälle und Herzinfarkte bereits bei Blutdruckwerten über 130/80 mm Hg erhöht ist, fehlen randomisierte Placebo-kontrollierte Studien“, so Dr. Janine Gronewold, Erstautorin der neuen Studie. „Solche Studien könnten klären, ob die Risikoreduktion die Nebenwirkungen blutdrucksender Medikamente bei Personen mit Blutdruckwerten 130-160/80-110 mm Hg überwiegen.“ Aber auch der Lebenswandel nimmt Einfluss auf den Blutdruck. Deshalb betont Lehrstuhlinhaber Prof. Dr. Dirk M. Hermann von der Klinik für Neurologie am Universitätsklinikum Essen: „Vor allem nicht-medikamentöse Behandlungsoptionen wie Förderung körperlicher Aktivität und gesunder Ernährung sollten bei der Therapie des Bluthochdrucks nicht vernachlässigt werden.“

Quelle: Universität Duisburg-Essen

Literatur:

Population impact of different hypertension management guidelines based on the prospective population-based Heinz Nixdorf Recall study, unter https://bmjopen.bmj.com/content/11/2/e039597.long


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