Donnerstag, 30. Juni 2022
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Medizin

HTA-Bericht: Ergotherapie bei Demenz erfolgreich

Bei mittlerer bis schwerer Demenz wirkt eine an die Betroffenen angepasste Ergotherapie. Zu diesem Ergebnis kommen Wissenschaftler, die dazu im Auftrag des DIMDI die Wirksamkeit der Ergotherapie untersucht haben. Demnach kann sie auch kostengünstiger sein als eine medikamentöse Behandlung.

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Die Wissenschaftler bewerteten das verfügbare Wissen auf Basis einer systematischen Literaturrecherche. Im jetzt vom DIMDI publizierten HTA-Bericht (Health Technology Assessment, wissenschaftliche Bewertung gesundheitsrelevanter Verfahren und Technologien) fassen sie ihre Ergebnisse zusammen. Er ist kostenfrei auf den Webseiten des DIMDI erhältlich.

Positive Effekte durch Ergotherapie

Der Bericht weist nach, dass sich ergotherapeutische Verfahren positiv auf unterschiedliche Lebensbereiche von Patienten auswirken. Die medizinischen Effekte unterscheiden sich je nach untersuchtem Behandlungsverfahren:

- Kognitive Stimulation (Training geistiger Funktionen wie Konzentrationsfähigkeit oder Gedächtnis): verzögert bei leichter bis mittlerer Demenz den geistigen Abbau und vermindert Verhaltensauffälligkeiten wie Aggression. Bei schwerer Demenz kaum wirksam.
- Sensorische Stimulation (Sinnesanregung und verstärkte Reizwahrnehmung, z.B. durch Licht, Musik oder Duft): zeigt positive Effekte in allen drei Stadien der Demenz, z.B. beim Sozialverhalten und täglichen Aktivitäten.
- Funktions- und Fertigkeitstraining (geistig wie körperlich): kann in Kombination mit anderen Verfahren Lebensqualität, Stimmung und Gesundheitszustand verbessern.

Auch Angehörigenberatung wirkt positiv. Sie entlastet Betreuende und steigert ihre Lebensqualität, sodass sie besser zum Therapieerfolg beitragen können. Zwei Studien belegen, dass Ergotherapie zudem kosteneffektiv ist. Die ergotherapeutische Behandlung verringert demnach Kosten für ärztliche, pflegerische und familiäre Betreuung. Eine weitere Studie gibt Hinweise darauf, dass durch Ergotherapie Demenzerkrankte um bis zu eineinhalb Jahre später in ein Heim kommen.

Bei anderen Behandlungsmethoden sind die Ergebnisse nicht eindeutig: Höchstens geringe Effekte finden die Autoren zur sogenannten Validation. Dabei wird im Umgang mit den Patienten ihre Vorstellungswelt angenommen. Auch zu Aktivierungskonzepten fehlen eindeutige Ergebnisse (anleiten dementer Patienten zu einer Aktivität). Multikomponentenprogramme, die kognitive Stimulation, Erinnerungsarbeiten und Entspannungsmaßnahmen kombinieren, zeigen zwar Erfolge. Unklar ist jedoch, ob dies auf die jeweiligen Therapien oder lediglich die regelmäßige Aktivierung zurückzuführen ist.

Aussagekraft der Studien eingeschränkt

Die Autoren betonen, dass methodische Einschränkungen die Aussagekraft der ausgewerteten Studien begrenzen. So berücksichtigen nur wenige Studien die verschiedenen Stadien der Erkrankung oder befassen sich ausdrücklich mit mittlerer bis schwerer Demenz. Auch die kurzen Beobachtungszeiträume nach einer Behandlung beurteilt der Bericht kritisch. Die meist wenigen Wochen bis maximal sechs Monate seien zu kurz, um Aussagen zur Entwicklung der Krankheit treffen zu können.

Fazit der Autoren

Trotz dieser Mängel empfehlen sie Ergotherapie bei moderater bis schwerer Demenz. Therapiemaßnahmen seien dabei an den Bedürfnissen der jeweiligen Patienten zu orientieren, so die Autoren. Positive Effekte sehen sie vor allem bei der Lebensqualität und dem Gemütszustand sowie im alltäglichen Leben von Patienten und Angehörigen. Zudem könne Ergotherapie ggf. Kosten gegenüber medikamentösen Therapien einsparen, da sie den medizinisch-pflegerischen Aufwand reduziert. Zu verbessern sei vor allem die begrenzte Datenlange. Dafür fordern die Autoren weitere Studien, die vor allem die unterschiedlichen Stadien der Demenz abbilden sollten.

Weitere Informationen:
http://www.dimdi.de/de/linkgalerie/hta-bericht-343.elnk - HTA-Bericht: Volltext (PDF 672 kB)

Quelle: Deutsches Institut für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI)



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