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Medizin

Ilse- und Helmut-Wachter Preis für Forschung zu Infektionskrankheiten im Kindesalter

An der Medizinischen Universität Innsbruck wurde zum siebten Mal der renommierte Ilse- und Helmut-Wachter Preis verliehen. Am Samstag, den 1. Dezember, erhielt der weltbekannte Kinderarzt, Biochemiker und Immunologe, Prof. Jean-Laurent Casanova, die renommierte Auszeichnung für seine bahnbrechende Forschung zur Genetik von Infektionskrankheiten im Kindesalter.

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Eine der grundlegendsten Fragen auf dem Gebiet der Infektionskrankheiten lautet: Warum entwickelt nur ein kleiner Teil infizierter Kinder eine klinische Erkrankung? Ein Beispiel sind Erkrankungen mit dem Herpesvirus: In selten Fällen kann es bei Kindern und Jugendlichen zu einer schwerwiegenden Komplikation, einer Entzündung des Gehirns, kommen. Der diesjährige Ilse- und Helmut-Wachter Preisträger Prof. Jean-Laurent Casanova stellte erstmals die Hypothese auf, dass das Zusammentreffen angeborener Einzelgendefekte die Immunität negativ beeinflusst und zum Auftreten schwerer Erkrankungen im Kindesalter führt. Der inzwischen weltbekannte Kinderarzt und Immunologe konnte eine neue Gruppe von Gendefekten beschreiben und charakterisieren, die offensichtlich gesunde Kinder dafür prädisponieren, an einer bestimmten Infektion zu erkranken. So konnte er die molekulargenetischen Ursachen von verschiedenen kindlichen Infektionskrankheiten aufklären. Dazu zählt die bereits erwähnte Herpesvirusinfektion genauso wie mykobakterielle Erkrankungen, invasive Pneumokokkenerkrankungen oder chronisch mukokutane Candiasis.

„Die Studienergebnisse des mehrfach ausgezeichneten Forschers und Kinderarztes bieten einerseits die Grundlage für genetische Beratungen und sind andererseits die Basis zur Entwicklung neuer therapeutischer Möglichkeiten“, erklärt Univ.-Prof. Dr. Lukas Huber, Vorstandsvorsitzender der Ilse- und Helmut-Wachter Stiftung und Direktor des Biozentrums der Medizinischen Universität Innsbruck über die Hintergründe der  Entscheidung des Preiskomitees. „Auch in diesem Jahr sind für den Ilse- und Helmut Wachter Preis wieder zahlreiche herausragende Persönlichkeiten nominiert worden.“ „Prof. Casanova vereint das Know-How eines Kinderarztes, Immunologen und Genetikers in einer Person auf sehr hohem Niveau“, freut sich Univ.-Prof. Dr. Thomas Müller von der  Innsbrucker Univ.-Klinik für Pädiatrie I über die Auszeichnung für seinen renommierten Fachkollegen.
 
Weltweit kommen die Erkenntnisse von Prof. Casanova bereits kleinen PatientInnen zu Gute, auch in Innsbruck. „Wir haben Prof. Casanova schon Proben geschickt, wenn wir eine der von ihm beschriebenen seltenen Erkrankungen vermutet haben“, erklärt Prof. Müller. Die weltweit vernetzte Zusammenarbeit sei in der universitären Spitzenmedizin üblich. Nach Innsbruck werden daher zum Beispiel häufig Proben von Neugeborenen mit Verdacht auf eine seltene angeborene Durchfallerkrankung, der so gennannten Mikrovillus Einschlusserkrankung (MVID), geschickt. Die Medizin Uni Innsbruck gilt als eines der weltweit führenden Zentren für die Diagnostik und Erforschung von MVID und hat gerade im Bereich der Seltenen Erkrankung eine besondere Expertise.
 
Prof. Casanova forscht seit 2008 an der Rockefeller Universität New York. Mit seinem Team versucht der studierte Biochemiker, Mediziner und Immunologe zu verstehen, warum  manche Kinder in Folge einer Infektion eine Erkrankungen bekommen, während andere Kinder mit derselben Infektion keine Krankheitssymptome zeigen. Bevor er 1999 zum Professor für Kinderheilkunde und pädiatrische Immunologie-Hematologie habilitierte, hatte er in Paris studiert. Bis 2008 war er am Necker Krankenhaus & Schule für Medizin in Paris tätig. 2008 wechselte er dann nach New York. Prof. Casanova ist Mitglied in der European Molecular Biology Organization (EMBO) und der American Society for Clinical Investigation. Prof. Casanova hat bereits zahlreiche Auszeichnungen erhalten, darunter den Richard Lounsbery Award der französischen und amerikanischen Akademie der Wissenschaft 2008, den Oswald Avery Award 2009 von der amerikanischen Gesellschaft für Infektionskrankheiten oder beispielsweise den Inbev Baillet-Latour Health Preis der Baillet-Latour-Foundation in Belgien 2011. Der renommierte Forscher kann auf 255 Originalpublikationen und 18.839 Zitierungen verweisen.
 
Die "Ilse & Helmut Wachter Privatstiftung" verfolgt den Zweck, durch Verleihung eines Geldpreises im Rahmen der Medizinischen Universität Innsbruck für herausragende Leistungen auf dem Gebiet der Medizin die medizinischen Wissenschaften zum Wohle der Menschheit zu fördern und so zum Ansehen der Medizinischen Universität Innsbruck beizutragen.
Weitere Informationen: http://www.wachterstiftung.org

Bisherige Preisträger:innen:

  • Preisträger 2010: William A. Catterall für seine herausragende Forschung auf dem Gebiet der Ionenkanalforschung
  • Preisträger 2007: Irving L. Weissman für seine Pionierarbeit in der Stammzell-Forschung
  • Preisträger 2005: Cynthia J. Kenyon für die Entdeckung von Regulationsmechanismen des Alterungsprozesses bei C. elegans
  • Preisträger 2003: Wolfgang P. Baumeister für die Aufklärung der Struktur u. des Mechanismus des Proteasoms
  • Preisträger 2001: Prof.Dr. Hanns Möhler für die Aufklärung der Beeinflussbarkeit der Angst durch Benzodiazepine
  • Preisträger 1999: Prof.Dr. Avram Hershko & Prof.Dr. Aaron Ciechanover für die Aufklärung des Ubiquitin-Systems

Quelle: Medizinische Universität Innsbruck



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