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Medizin
30. März 2021

Insulinanaloga und GLP-1-RA: Innovative Therapieoptionen im Wandel der Zeit

In diesem Jahr feiert die Welt 100 Jahre Insulintherapie. Seit die Ärzte Frederick Banting und Charles Best 1921 erstmals Insulin aus der Bauchspeicheldrüse von Hunden isolierten und im Januar 1922 mit Leonard Thompson dem ersten Patienten mit Diabetes das Hormon injizierten, wurden Insulinpräparate – aber auch weitere blutzuckersenkende Substanzen – fortlaufend weiterentwickelt.
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„Ziel bei der Erforschung neuer Insuline ist es, die physiologische Insulinausschüttung bestmöglich zu imitieren“, betonte Dr. Bernard Zinman von der Universität Toronto. Und Prof. Thomas Pieber von der Universität Graz ergänzte: „Es ist unbestritten, dass eine gute Stoffwechselkontrolle wichtig für die Langzeitprognose ist.“ Als wesentlichen Schritt hierfür nannte er die Einführung der Insulinanaloga vor rund 25 Jahren. Bei fortschreitender Insulinresistenz und drohendem Betazellversagen sei eine Insulintherapie auch beim Typ-2-Diabetes indiziert. Hierfür stünden u.a. mit Insulin degludec (Tresiba®) und der weiterentwickelten Insulin aspart-Formulierung (Fiasp®) moderne Analoginsuline zur Verfügung. Doch die Erfolgsgeschichte von Insulin geht weiter: So forscht man aktuell an einem neuen, nur einmal wöchentlich zu injizierenden Basalinsulin (Insulin icodec) für Menschen mit Typ-2-Diabetes. Auch ein glukosesensitives Depotinsulin, das Blutzuckerschwankungen intelligent ausgleichen soll, ist in Arbeit.


GLP-1-Rezeptoragonisten

Ein weiterer bedeutsamer Meilenstein der Diabetestherapie war die Entdeckung der Inkretine und ihrer Nachfolgesubstanzen, die GLP-1-Rezeptoragonisten (GLP-1-RA). Sie senken glukoseabhängig effektiv den Blutzucker und das Gewicht, können aber auch den Krankheitsverlauf und die Prognose des Typ-2-Diabetes positiv beeinflussen. Die Entwicklung immer stärker wirksamer GLP-1-RA eröffnete neue Perspektiven für die Therapie des Typ-2-Diabetes, auch jenseits der Blutzuckerkontrolle, wie Prof. Dr. Nikolaus Marx von der RWTH Aachen erklärte: „Menschen mit Typ-2-Diabetes haben per se ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung einer atherosklerotisch kardiovaskulären Erkrankung (ASCVD) mit Folgen wie Herzinsuffizienz, Schlaganfall oder Myokardinfarkt. Daher sollte hier frühzeitig risikobezogen therapiert werden.“ Die großen kardiovaskulären Endpunktstudien zum GLP-1-RA Semaglutid (Ozempic®) hätten gezeigt, dass eine individuelle und risikobezogene Therapie entscheidend für die weitere Prognose und Lebenserwartung von Menschen mit Typ-2-Diabetes sein kann.


Berücksichtigung des kardiovaskulären Risikos

Aktuelle internationale sowie nationale Behandlungsleitlinien spiegelten das jüngste Umdenken: Je nach Phase der Erkrankung und des kardiovaskulären Risikoprofils könne man auf passende innovative Medikamente zurückgreifen: nach der Basistherapie (Metformin) beginnend mit GLP-1-RA, über lang wirksames Basalinsulin bis hin zur Ergänzung mit einem Mahlzeiteninsulin. Prof. Dr. Michael Nauck von der Ruhr-Universität Bochum meinte dazu: „Wir haben innerhalb von 15 Jahren seit den ersten Anfängen mit Exenatid eine Entwicklung gesehen, die lange noch nicht vorbei sein muss. Es steckt noch viel Potenzial in der Substanzklasse der GLP-1-RA, etwa Triple-Agonisten, die mehrere Rezeptoren ansprechen.“

Antje Thiel

Quelle: 1. Lighthouse Innovation Summit, 12.03.–13.3.2021; Veranstalter Novo Nordisk


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