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Medizin
15. Juni 2021

Initiative zur Stärkung und Zukunft der Intensiv- und Notfallpflege fordert mehr politische Unterstützung

An Vorschlägen mangelt es nicht: Bereits im April 2020 hat die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) und wiederum im März 2021 gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für Fachkrankenpflege und Funktionsdienste (DGF) sehr konkrete Forderungen zur „Stärkung und Zukunft der Intensivpflege in Deutschland“ veröffentlicht. Zudem startete im Januar die Zeitschrift STERN die Bundestagspetition „Pflege in Würde“, die von Anfang an von zahlreichen medizinischen Fachgesellschaften unterstützt wurde.
Woran es aber noch hängt, ist die konkrete politische Umsetzung. „Die Vorschläge sind bekannt und kommuniziert“, mahnt Prof. Felix Walcher, Präsident elect der DIVI und Klinikdirektor der Unfallchirurgie der Uniklinik in Magdeburg. „Aber selbst die in wenigen Wochen umsetzbaren Vorschläge, die ein klares Signal an die Pflegenden senden würden, wurden noch nicht konkret umgesetzt.“ Es sei dringend notwendig, den Pflegenden auf den Intensivstationen und Notaufnahmen jetzt endlich ein Zeichen des politischen Zupackens und politischen Willens zur Änderung der Situation zu senden, sagt Lothar Ullrich, Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Fachkrankenpflege und Funktionsdienste: „Die Arbeitsbedingungen in der Intensiv- und Notfallpflege müssen dringend verbessert werden!“
 

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In der Intensivpflege und den an der Intensivmedizin beteiligten Fächern ist man sich einig: Alle stehen geschlossen hinter der Stellungnahme zur „Stärkung und Zukunft der Intensivpflege in Deutschland“ sowie der STERN-Petition.
Es ist ein Novum, dass sich teils rein-ärztliche Organisationen im Schulterschluss mit einer großen Öffentlichkeit, Pflegeverbänden, Patientenschützern und Patientenselbsthilfeorganisationen so stark für die Belange der Pflegekräfte einsetzen. „Wir tun dies, weil die Pandemie die bereits seit Jahrzehnten kritische Situation und Perspektive der Intensivpflege in dramatischer Weise verschärft hat“, erklärt Walcher. „So wollen wir zusammen und mit aller Kraft dazu beitragen, dass unsere gemeinsame Stellungnahme und die STERN-Petition im Petitionsausschuss des Bundestages ein hohes Votum erhalten, da eine Reihe der aufgestellten Forderungen in ganz besonderem Maße für Intensivpflegefachkräfte von Belang sind.“

Die politisch Verantwortlichen müssen endlich konkrete Maßnahmen umsetzten.

Zum jetzigen Zeitpunkt ist noch nicht erkennbar, dass die Politik weitergehend speziell für die Intensivpflege tätig geworden ist oder dies in Kürze anpacken wird. So weisen alle Unterzeichnenden erneut und gemeinsam auf die potenziell dramatischen Folgen durch das Ignorieren der Situation der Intensivpflegekräfte hin und rufen die Politik unmissverständlich zum sofortigen Handeln auf.

Bestehende Probleme

  • Die Teams – insbesondere das Pflegepersonal der Intensivstationen – sind nach mehr als einem Jahr der Pandemie erschöpft und ausgebrannt. Mit den abnehmenden Zahlen an COVID-Patienten wird die Routinearbeit wieder aufgenommen bzw. werden ausstehende Operationen – mit häufig anschließend notwendiger Intensivbehandlung – zügig nachgeholt.
  • Mangelnde Perspektive der Fachpflegenden
  • Versprechungen der Politik ohne konkrete umgesetzte Maßnahmen
  • Keine Gestaltungsmöglichkeiten und politische Einflussnahme im Gesundheitswesen
Einer aktuellen Umfrage der DGIIN aus April 2021 zufolge tragen sich mehr als 30% der Pflegenden mit dem Gedanken, in den kommenden 12 Monaten aus ihrem Beruf auszusteigen. Dieser anhaltende Trend unterstreicht die Notwendigkeit einer nachhaltigen, aber vor allem schnellen Verbesserung der Situation. Anders ist eine durch Personalmangel bedingte Reduktion von Intensivbetten nicht mehr zu verhindern und die Versorgung aller lebensbedrohlich erkrankten Patienten in den kommenden Jahren deutlich infrage gestellt. „Es drohen existenzielle Probleme in der Intensivmedizin, wenn die Intensivpflege nicht maßgeblich unterstützt wird und Zukunftsperspektiven geschaffen werden“, sagen Walcher wie auch Ullrich.

Lösungsmöglichkeiten kurz- und langfristig gestaltet

Konkrete Vorschläge zur kurzfristigen Entlastung und Unterstützung sowie zur dauerhaften Verbesserung der Situation auf Intensivstationen sind in der gemeinsamen Stellungnahme von DGF und DIVI 3/2021 unter folgenden Schwerpunkten formuliert:
 
  • Attraktive Arbeitsbedingungen schaffen
  • Psychosoziale Unterstützung der Mitarbeitenden und Mitarbeiterfürsorge
  • Optimierung der interprofessionellen Teamarbeit
  • Handlungskompetenzen in der Intensivpflege erweitern
  • Berufliche Perspektiven sicherstellen
  • Politischen Einfluss der Pflege stärken

Quelle: Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI)


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