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Medizin
29. April 2021

IRRT: „ReScript“ – Belastende Fluchterlebnisse mit inneren Bildern verarbeiten

Traumafolgestörungen gehören zu den häufigsten psychischen Erkrankungen bei geflüchteten Menschen. Diese Störung kann sich als Reaktion auf ein extrem bedrohliches oder schreckliches Ereignis entwickeln und ist charakterisiert durch Albträume, intensive Erinnerungen an das Trauma, Schlafstörungen, Konzentrationsprobleme, Schreckhaftigkeit, Angst und andere intensive negative Gefühle und Gedanken. Das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderte Projekt „ReScript“, das von der Abteilung für Klinische Psychologie und Psychotherapie der Goethe-Universität koordiniert wird, untersucht die Wirksamkeit einer kurzen, neuartigen Behandlung, bei der innere Vorstellungsbilder benutzt werden um die mit den Erinnerungen verbundenen schlimmen Gefühle besser verarbeiten zu können. Am Projekt „ReScript“ können erwachsene Menschen teilnehmen, die an einer Posttraumatischen Belastungsstörung leiden und vor Krieg, Bürgerkrieg oder Verfolgung nach Deutschland geflüchtet sind – entweder in den letzten Jahren oder auch schon vor längerer Zeit.
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Weltweit ca. 80 Millionen Vertriebene und 26 Millionen Geflüchtete

Zum Hintergrund: Weltweit wurden aktuell ca. 80 Millionen Menschen vertrieben, von denen 26 Millionen aus ihrem Heimatland geflüchtet sind (United Nations High Commissioner for Refugees, 2020). Diese Menschen haben oft im Herkunftsland, auf der Flucht und im Aufnahmeland traumatische und belastende Erfahrungen gemacht. In einer in Deutschland durchgeführten Studie, die Bewohner einer Gemeinschaftsunterkunft untersuchte, berichteten Teilnehmer durchschnittlich von 5 traumatischen Erfahrungen, zu denen v.a. körperliche Gewalt, bewaffnete Angriffe, schweres menschliches Leid, und sexuelle Gewalt gehörten. In der Studie der United Nations berichten 35% der Geflüchteten von Symptomen einer Posttraumatischen Belastungsstörung.

Die Charité – Universitätsmedizin Berlin hat heute mit dem Universitätsklinikum Heidelberg, dem Universitätsklinikum der RWTH Aachen und der Otto-Guericke-Universität Magdeburg das gemeinsame Projekt „Von Generation zu Generation: Den Teufelskreis der Traumatisierung verstehen und durchbrechen“ vorgestellt. Das BMBF fördert dieses Forschungsvorhaben als Teil des Forschungsnetzes ...
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In der Behandlung Posttraumatischer Belastungsstörungen ist die Psychotherapie wirksamer als eine Behandlung mit Medikamenten. Jedoch gibt es in der Psychotherapie geflüchteter Menschen besondere Herausforderungen. Sprachliche oder kulturelle Hürden, ein laufendes Asylverfahren, eine belastende Wohnsituation o.ä. können einer Therapie im Weg stehen oder sie erschweren. Die neuartige Behandlungsform kann sehr gut auf die unterschiedlichen Erfahrungen und Werte von Patienten eingehen.

Überlegenheit Innerer Bilder gegenüber dem reinen Sprechen über Ereignisse

Da die neuartige Therapieform – das „Imagery Rescripting“ - auf den Bedürfnissen und Präferenzen der Patienten beruht, kann sie sehr flexibel und individuell auf jeden Patienten eingehen. Studien zeigen, dass es mit vergleichsweise wenigen Therapiestunden zu einer Besserung der Symptome kommt. Die Therapie kommt ohne ein belastendes Wiedererinnern von Details der traumatischen Erfahrung aus. Im Projekt „ReScript“ besteht die Therapie aus 10 Sitzungen zu je 100 Minuten. Wenn Patienten nicht gut genug Deutsch sprechen, kann die Therapie mithilfe eines Dolmetschers oder einer Dolmetscherin stattfinden.

Nähere Informationen zum genauen Ablauf einer solchen Behandlung finden Sie hier.

Quelle: Goethe-Universität Frankfurt am Main


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