Samstag, 31. Juli 2021
Navigation öffnen
Anzeige:
FSME
FSME
Medizin
10. März 2021
Konsensus-Ver%C3%B6ffentlichung%3A+Bin%C3%A4re+Einteilung+in+%E2%80%9Egute%E2%80%9C+oder+%E2%80%9Eschlechte%E2%80%9C+Astrozyten+aufgeben
© Kateryna_Kon - stock.adobe.com

Konsensus-Veröffentlichung: Binäre Einteilung in „gute“ oder „schlechte“ Astrozyten aufgeben

NeurowissenschaftlerInnen haben Astrozyten im Gehirn umfassend neu bewertet. In Nature Neuroscience beschreiben sie, welche Veränderungen diese Zellen bei Erkrankungen durchlaufen und welche gesundheitlichen Aspekte mit ihrer besonderen Rolle im Gehirn zusammenhängen.
Anzeige:
Trelegy
Trelegy
Im gesunden Gehirn üben Astrozyten vielfältige Funktionen aus. Sie beeinflussen zum Beispiel die Anzahl der Verbindungen zwischen Nervenzellen, oder sie kontrollieren das Milieu – die Nährstoffzusammensetzung, den pH-Wert –, in dem Nervenzellen arbeiten und halten sie dadurch funktionsfähig. Kürzlich wurde entdeckt, dass Astrozyten aktiv an der Signalübertragung mitwirken können. Dieser Zelltyp ist somit ein unentbehrlicher Partner von Nervenzellen, er ist für eine gesunde Gehirnfunktion unerlässlich.

Ebenso lange ist ebenfalls bekannt, dass Astrozyten sehr sensibel und schnell auf Störungen der Gehirnfunktion reagieren. Schon Alois Alzheimer beschrieb zu Beginn des letzten Jahrhunderts eine starke Veränderung in der Gestalt von Astrozyten im Gehirn von Patienten, die unter der später nach ihm benannten demenziellen Alzheimer-Erkrankung litten.

Solche Veränderungen von Astrozyten werden schon lange intensiv beforscht und mit verschiedenen Namen wie zum Beispiel Astrozytose, Astrozytenaktivierung oder reaktive Gliose belegt. Darüber hinaus setzte sich mehr und mehr durch, krankheitsbedingt veränderte Astrozyten in zwei Klassen zu unterteilen, die entweder Krankheitsprozesse fördern (neurotoxische „A1-Zellen“) oder diesen entgegenwirken (neuroprotektive „A2-Zellen“).

Ein internationales Autorenteam aus über 80 Neurowissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern, darunter Prof. Christine R. Rose vom HHU-Institut für Neurobiologie, schlägt nun in einem Konsensus-Artikel vor, die bisher verfolgte binäre Einteilung in „gute“ oder „schlechte“ Astrozyten hinter sich zu lassen. Das kürzlich in der Zeitschrift Nature Neuroscience erschienene Papier legt dar, dass reaktive Astrozyten abhängig vom jeweiligen Krankheitsbild verschiedene molekulare und funktionelle Veränderungen durchlaufen, die vielfältige funktionelle Auswirkungen haben können.

Auf Basis dieser neuen Erkenntnisse schlagen die Autoren neue Strategien und standardisierte Vorgehensweisen zur Charakterisierung reaktiver Astrozyten in unterschiedlichen Krankheitsmodellen vor, ohne aber diese Zellen in die bisher üblichen Schablonen zu drängen. Prof. Rose: „Nur ein differenzierteres Bild der Zellen wird dazu beitragen, ihre Rolle bei der Entwicklung von Hirnerkrankungen wirklich zu verstehen. Damit lassen sich neue Möglichkeiten identifizieren, mit therapeutischen Ansätzen die neurotoxischen Eigenschaften von Astrozyten zu unterbinden und stattdessen ihre protektiven Funktionen zu fördern.“

Quelle: Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf

Literatur:

Escartin, C., Galea, E., Lakatos, A. et. al., Reactive astrocyte nomenclature, definitions, and future directions, Nature Neuroscience 24, 312-325 (2021) DOI: 10.1038/s41593-020-00783-4


Anzeige:
Pneumovax
Pneumovax

Das könnte Sie auch interessieren

Steigende Zahl älterer Menschen mit Diabetes Typ 1 und Typ 2

Steigende Zahl älterer Menschen mit Diabetes Typ 1 und Typ 2
© Robert Kneschke / Fotolia.com

Aktuell sind in Deutschland rund 17 Millionen Menschen älter als 65 Jahre. Die Zahl wird aufgrund der sich verändernden Altersstruktur auf voraussichtlich 22 Millionen im Jahr 2030 anwachsen. Die Anzahl der Hochbetagten (80 Jahre und älter) wird von derzeit vier Millionen auf sechs Millionen im Jahr 2030 ansteigen. Gleichzeitig erkranken immer mehr Menschen an Diabetes Typ 2, so dass Diabetologinnen und Diabetologen sowie Pflegende künftig viele geriatrische Patienten mit Diabetes versorgen werden: Es ist davon auszugehen, dass in Deutschland derzeit rund vier Millionen Menschen über 65...

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Konsensus-Veröffentlichung: Binäre Einteilung in „gute“ oder „schlechte“ Astrozyten aufgeben"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der Medical Tribune Verlagsgesellschaft mbH - Geschäftsbereich rs media widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.


EILMELDUNGEN zu SARS-CoV-2 und COVID-19
  • CHMP empfiehlt SARS-CoV-2-Impfstoff von Moderna für Jugendliche von 12-17 Jahren (Quelle: PEI, 23.7.2021)
  • CHMP empfiehlt SARS-CoV-2-Impfstoff von Moderna für Jugendliche von 12-17 Jahren (Quelle: PEI, 23.7.2021)