Sonntag, 4. Juni 2023
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Lieferengpässe: Mehr als ein Viertel aller Patient:innen betroffen

Lieferengpässe: Mehr als ein Viertel aller Patient:innen betroffen
© Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung
Im 4. Quartal 2022 konnte an 26 Prozent der Patient:innen von Apotheken nicht das verordnete Präparat ausgegeben werden. Ein Indikator hierfür ist die spezielle Pharmazentralnummer (PZN) 02567024.

Lieferengpässe: Abrechnungsdaten geben nur wenig Aufschluss

In der Arzneimittelversorgung in Deutschland sind Lieferengpässe ein seit langem bekanntes Phänomen. Neu ist dabei jedoch das Ausmaß der schwer lieferbaren Wirkstoffe und die Anzahl der betroffenen Patient:innen. Einen Überblick über die Versorgung mit Arzneimitteln geben die Abrechnungsdaten der Apotheken. Lieferengpässe bei verschreibungspflichtigen Arzneimitteln sind damit jedoch nur schwer messbar. Grund hierfür ist die fehlende Dokumentation der Arzneimittel, die nicht geliefert werden konnten.

Die Sonder-PZN 02567024 als Indikator für Lieferengpässe

Ein Indikator dafür, dass ein Medikament nicht verfügbar ist, ist die spezielle PZN 02567024. PZNs sind ein in Deutschland bundesweit einheitlicher Schlüssel zur Kennzeichnung von Arzneimitteln, Medizinprodukten und sonstigen apothekenpflichtigen Waren. Die Sonder-PZN 02567024 kommt zum Einsatz, wenn anstelle des rabattbegünstigten oder preisgünstigsten Arzneimittels ein wirkstoffidentisches Arzneimittel eines anderen Herstellers abgegeben wird. Sie kommt zwar nur im generikafähigen Markt und im für den Import relevanten Markt vor, auf eine aktuelle Verschärfung der Situation deutet jedoch die Betrachtung ihrer Häufigkeit als Zeitreihe hin.
 
 

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Deutlicher Anstieg der abgerechneten Sonder-PZN im 4. Quartal 2022

War die Anzahl der abgerechneten Sonder-PZN für nicht verfügbare verordnete Arzneimittel im Jahr 2021 und in den ersten neun Monaten 2022 relativ stabil, steigt sie im 4. Quartal 2022 deutlich an. Bei 10% der Verordnungen konnten Apotheken nicht auf das eigentlich abzugebende Präparat (z.B. Rabattarzneimittel) zurückgreifen. Dies betraf 26% der Patient:innen mit einer Verordnung. Davon waren auch häufig verordnete Wirkstoffe betroffen. Rund 75% aller verordnenden Praxen hatten mindestens eine:n betroffenen Patient:in. Fälle, in denen die Apotheke ein neues Rezept in der Arztpraxis anfordern musste, weil der verordnete Wirkstoff überhaupt nicht verfügbar war, sind hierbei nicht erfasst. Das sind die zentralen Ergebnisse einer aktuellen Auswertung der vertragsärztlichen Arzneiverordnungsdaten für die Jahre 2021 und 2022, die das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (Zi) Ende Februar veröffentlicht hat.

Anstieg bakterieller Infektionen führte zu Versorgungsschwierigkeiten bei Antibiotika

Der Zi-Vorstandsvorsitzende Dr. Dominik von Stillfried erklärte hierzu, dass die Gründe für Lieferengpässe vielschichtig seien: „Neben nicht ausreichenden Produktionskapazitäten oder dem Rückzug einzelner Hersteller können auch kurzfristige Veränderungen im Krankheitsgeschehen zu Problemen führen. So ist im Dezember 2022 von Versorgungsschwierigkeiten bei Antibiotika mit den Wirkstoffen Amoxicillin, Amoxicillin/Clavulansäure und Penicillin V berichtet worden.“ Dies sei eine besondere Herausforderung, da viele Menschen – insbesondere Kinder und Jugendliche – in diesem Zeitraum an einer bakteriellen Infektion erkrankt seien. Der Markt hätte jedoch nicht zeitnah genug auf den gesteigerten Bedarf reagieren können. „Während im 4. Quartal 2021 die 3 Wirkstoffe knapp 2 Millionen Mal verordnet wurden, waren es im vierten Quartal 2022 mehr als 3,1 Millionen Verordnungen (+57%). Insbesondere bei so wichtigen Wirkstoffen wie Antibiotika sollte daher neben stabilen Lieferketten auch eine Reserve vorgehalten werden“, so der Zi-Vorstandsvorsitzende weiter.

Lieferengpässe bekämpfen: Mehr Transparenz bei Lieferwege von Arzneimitteln gefordert

Damit Versorgungsengpässe tatsächlich reduziert oder gar vermieden werden können, muss die Politik an den Ursachen ansetzen und mehr Transparenz über die Versorgungswege herstellen. Diese, so von Stillfried, seien oft nur den jeweiligen Pharmaunternehmen im Detail bekannt. Konkret hieße das: Abhängigkeiten von Lohnherstellern in Asien müssten nicht nur reduziert werden, sondern auch die verbleibenden Standorte in Europa gestärkt sowie Lieferengpässe konsequenter überwachten werde. Nur so könnten frühzeitig präventive Maßnahmen ergriffen.
 
 

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Quelle: Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung



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