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Medizin
29. April 2021

Minimalinvasive Absaugung eines lebensbedrohlichen Thrombus

Erstmals in der Schweiz entfernten Spezialisten des Universitätsspitals Zürich (USZ) einem Patienten mit einer neuen Methode einen riesigen Thrombus aus der Hauptschlagader. Statt diesen mit einer offenen Herzoperation zu beseitigen, die zu riskant gewesen wäre, saugten sie den Thrombus mit einem Katheter ab.
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Beim betroffenen Patienten handelt es sich um einen 66-jährigen Mann, der wegen einer Coronavirus-Infektion hospitalisiert und künstlich beatmet werden musste. Der bis zu diesem Zeitpunkt gesunde Mann erholte sich zwar rasch vom Lungenbefund, entwickelte aber schwere Gefäßkomplikationen.

Thrombus in der Hauptschlagader führt zu Organschäden

Der Patient entwickelte einen großen Thrombus in der Hauptschlagader. Teile davon lösten sich ab und wurden mit dem Blutstrom in die Darmgefäße verschleppt. Daraufhin mussten Teile des Dünn- und Dickdarms notfallmäßig chirurgisch entfernt werden. Um weitere lebensbedrohliche Organkomplikationen zu verhindern, galt es, den Thrombus aus der Hauptschlagader zu entfernen. Bisher musste hierfür der Brustkorb geöffnet und der Patient an die Herz-Lungen-Maschine angeschlossen werden. Eine offene Herzoperation wurde in diesem Fall indes als zu riskant eingestuft. Das interdisziplinäre Team mit Spezialisten der Angiologie, Herzchirurgie und Anästhesie entschied, dafür einen Vakuum-Saugkatheter einzusetzen. Der Saugkatheter wurde bisher erst zur Entfernung von Thromben in Venen verwendet.

Minimalinvasiver Eingriff

Für den Eingriff wurden die Kanülen des Absaugsystems in der Leiste durch Arterie und Vene eingelegt und mit einem in sich geschlossenen Schlauchkreislauf verbunden. Darin integriert waren eine Zentrifugalpumpe und ein Blutfilter. Mit Hilfe einer in die Speiseröhre eingelegten Ultraschallsonde konnte der über 3 cm messende Thrombus in der Hauptschlagader, mit einem Durchmesser von 2 cm, exakt visualisiert werden (Video 1). Die Pumpe wurde nun aktiviert, sodass bei einem Blutfördervolumen von 4 Litern pro Minute ein erheblicher Sog an dem in der Hauptschlagader platzierten Saugkatheter entstand. Der Saugkatheter wurde anschließend Richtung Thrombus manövriert, um unter maximalem Sog an ihn anzudocken (Erschütterungen des Thrombus durch den Sog der Kanüle in Video 2). Der Thrombus wurde nun stückweise abgesaugt und durch den Schlauch aus dem Patienten in den Blutfilter geleitet (kleiner werdender Thrombus in Video 3). Die Fragmente des Thrombus blieben im Filter hängen, während das gefilterte Blut über das Schlauchsystem dem Patienten über die zweite (venöse) Kanüle zurückgegeben wurde (Foto des Thrombus im Filter). Der Blutverlust war dadurch äußerst gering. Kontinuierliche Ultraschallmessungen und minutiöse Überwachung der Herz-Lungen-Maschine waren mitentscheidende Faktoren für das Gelingen. Entsprechend wichtig ist bei solchen Eingriffen auch die gute Kommunikation zwischen den verschiedenen Fachspezialisten.

Bis zu 20% der Corona-Patienten erleiden Thrombosen

Thrombosen sind eine ebenso gefürchtete wie häufige Komplikation bei Patienten mit einer Coronavirus-Infektion: Rund jeder fünfte hospitalisierte Patient leidet an Thromben, die in der Folge kleinere oder größere Blutgefäße verstopfen. Die Folge können Organschäden sein – zum Beispiel am Darm wie im oben geschilderten Fall –, aber auch Schlaganfälle oder Lungenembolien. Hintergrund dieser Komplikationen ist die durch das Coronavirus verursachte Blutgerinnungsstörung. Das Team der Angiologie des USZ konnte bereits im Frühjahr 2020 in Zusammenarbeit mit einer großen Mailänder Klinik in einer Studie zeigen, dass SARS-CoV-2 arterielle und venöse Thromben verursacht.

Quelle: Universitätsspital Zürich

Literatur:

Video- und Bildmaterial


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