Dienstag, 27. Juli 2021
Navigation öffnen
Anzeige:
Breezhaler
Breezhaler
Medizin
02. Juni 2021

Morbus Parkinson: Wirksamkeit und Verträglichkeit von Safinamid in klinischer Praxis

Morbus Parkinson: Wirksamkeit und Verträglichkeit von Safinamid in klinischer Praxis
©Kateryna_Kon - stock.adobe.com
Safinamid moduliert als bisher einziger Wirkstoff das dopaminerge und das glutamaterge System und ermöglicht so positive Effekte auf die motorischen und nicht-motorischen Symptome der Parkinson-Krankheit (1). In der Anwendungsstudie SYNAPSES wurde Safinamid jetzt unter den Bedingungen der klinischen Praxis untersucht (2). Die Ergebnisse der„Real-Life-Studie“ bestätigen die Wirksamkeit, Sicherheit und Verträglichkeit von Safinamid als Add-on-Therapie bei Patienten mit Fluktuationen sowie bei bestimmten Subgruppen wie älteren Patienten, solchen mit psychiatrischen Erkrankungen oder relevanten Komorbiditäten. Darüber hinaus wurden bei den Teilnehmern klinisch bedeutsame Verbesserungen im Score für den motorischen Teil der UPDRS und im UPDRS-Gesamtscore erzielt.
Anzeige:
Medical Cloud
Medical Cloud
 
Auf Basis der Zulassungsstudien ist Safinamid (Xadago®) als Zusatztherapie zu einer stabilen Dosis Levodopa bei Patienten mit Parkinson-Krankheit mit Fluktuationen im mittleren bis Spätstadium indiziert (1). In der Studie SYNAPSES wurden die Verträglichkeit und Wirksamkeit des Medikaments nun unter den Bedingungen der klinischen Praxis untersucht. Die in 6 europäischen Ländern durchgeführte retrospektive/prospektive Kohorten-Beobachtungsstudie schloss 1.610 Erwachsene ein, die ab der Eingangsuntersuchung oder bereits seit mindestens 4 Monaten Safinamid erhielten. „Dabei wurden auch Patienten aufgenommen, die üblicherweise nicht in das enge Korsett einer Studie passen, wie Ältere über 75 Jahre oder solche mit psychiatrischen und anderen relevanten Komorbiditäten“, so Prof. Dr. Wolfgang Jost, Wolfach. Primäres Studienziel war das Auftreten unerwünschter Ereignisse innerhalb des einjährigen Beobachtungszeitraums in der Gesamtpopulation und den prädefinierten Subgruppen. Sekundäre Ziele umfassten u. a. die Beschreibung der Behandlungsdauer mit Safinamid, einschließlich Dosisanpassungen und Therapieunterbrechungen sowie die Veränderungen im motorischen Teil des UPDRS III und im Gesamtscore (2).

Für Parkinson-Patienten gibt es in jedem Stadium der Krankheit Möglichkeiten der Therapie, die Kontrolle der Bewegung zu verbessern und somit auch das Selbstbewusstsein, die Lebensfreude und Lebensqualität zu erhöhen. Entscheidend ist es für Betroffene, beweglich zu bleiben statt sich aus Angst vor Stigmatisierung zurückzuziehen. Das betonen Experten aus Selbsthilfe und Medizin in Wien im Vorfeld des Welt-Parkinson-Tages am morgigen 11. April.
Lesen Sie mehr!

Gutes Sicherheitsprofil auch bei speziellen Patientengruppen

Insgesamt waren die Daten von 1.558 Patienten auswertbar. Von ihnen waren 25% älter als 75 Jahre, während 71% relevante Komorbiditäten und 42% psychiatrische Erkrankungen aufwiesen. Insgesamt kam es bei 46% der Patienten zu mindestens einem unerwünschten Ereignis (UE) und bei 9% zu einem schweren unerwünschten Ereignis (SUE). Unerwünschte Arzneimittelwirkungen (UAW) wurden bei 28% der Patienten beobachtet, die bei 2% der Patienten schwergradig (SUAW) ausgeprägt waren. Der Prozentsatz der Patienten, bei denen unter Praxisbedingungen unerwünschte Ereignisse auftraten, war damit um 30% niedriger als in den 6-monatigen zulassungsrelevanten Studien. Wie Jost erläuterte, wurde in SYNAPSES nur bei 2% der Patienten ein eindeutiger Zusammenhang mit der Gabe von Safinamid gesehen (2).

Das Sicherheitsprofil von Safinamid bei den über 75-Jährigen, bei Patienten mit Komorbiditäten und psychiatrischen Erkrankungen stimmte weitgehend mit dem der Gesamtpopulation überein. So zeigte sich etwa bei Patienten über 75 Jahren kein relevanter Unterschied in Häufigkeit und Schwere der UE sowie den ergriffenen Maßnahmen, wobei es bei 13,6% zu SUE gegenüber 7,7% bei jüngeren Teilnehmern kam. Bei den Patienten mit relevanten Komorbiditäten kam es in 49,1% der Fälle zu unerwünschten Ereignissen, vs. 37,8% bei Teilnehmern ohne solche Begleiterkrankungen (SUE 11,1 vs. 4,6%). Keine Unterschiede hinsichtlich der Inzidenz und Schwere von UE und SUE bzw. der ergriffenen Maßnahmen ergaben sich auch bei den Patienten mit psychiatrischen Erkrankungen (2). „Die Studie zeigt somit, dass Safinamid auch von älteren Personen und Patienten mit psychiatrischen und internistischen Komorbiditäten gut vertragen wird. Das ist bemerkenswert, da es sich um Patientengruppen handelt, bei denen üblicherweise häufiger unerwünschte Wirkungen auftreten und eine schlechte Verträglichkeit besteht“, erklärte Jost. „Das Ergebnis gibt uns mehr Sicherheit. Wenn das Medikament von Patienten im höheren Alter oder bei Komorbiditäten gut vertragen wird, dürfte die Verträglichkeit auch bei den jüngeren und gesünderen Patienten gut sein.“

94% der Patienten erhielten Safinamid in einer Startdosis von 50 mg pro Tag. Während des Beobachtungszeitraums wurde die Dosis bei 58% der Patienten aufgrund einer ärztlichen Entscheidung auf die empfohlene Dosierung von 100 mg erhöht. Bei 6% wurde sie auf Wunsch der Patienten von 100 auf 50 mg reduziert. Zwischen den Subgruppen ergaben sich keine relevanten Unterschiede hinsichtlich der Behandlungsmuster mit Safinamid (2).

Motorische Symptome verbessert

In punkto Wirksamkeit zeigte sich, dass Safinamid motorische Fluktuationen, insbesondere Wearing-off-Symptome und frühmorgendliche Fluktuationen um etwa 40–50% reduzierte, wobei eine Wirksamkeit bereits nach 4 Monaten erkennbar war. „Sogar die Dyskinesien nahmen von 39,2 auf 27,8% ab, obwohl man im Verlauf eher mit einer Zunahme rechnen würde“, bemerkte Jost. Insgesamt zeigten 45% der Patienten nach 1-jähriger Behandlung mit Safinamid klinisch signifikante Verbesserungen um mindestens 2,5 Punkte im UPDRS-Motorikscore und 39% um mindestens 4,3 Punkte im UPDRS-Gesamtscore (2).

„Den Studienergebnissen zufolge empfiehlt sich Safinamid somit unabhängig vom Alter bei Parkinson-Patienten mit motorischen und auch nicht-motorischen Fluktuationen, sowie auch bei vielen Patienten mit psychiatrischen oder relevanten sonstigen Komorbiditäten“, fasste Jost zusammen.

Quelle: Zambon

Literatur:

(1) Fachinformation Xadago®, aktueller Stand.
(2) Abbruzzese G. et al. A European Observational Study to Evaluate the Safety and the Effectiveness of Safinamide in Routine Clinical Practice: The SYNAPSES Trial. J Parkinsons Dis. 11 (2021) 187–198.


Anzeige:
Pneumovax
Pneumovax

Das könnte Sie auch interessieren

Reha-Maßnahme bei Diabetes Typ 2 – so geht‘s

Reha-Maßnahme bei Diabetes Typ 2 – so geht‘s
© Robert Kneschke - stock.adobe.com

Sie wissen nicht, wie Sie am Arbeitsplatz mit Ihrer Diabeteserkrankung umgehen sollen? Sie bekommen Ihren Langzeit-Blutzuckerwert HbA1c nicht in den Griff oder leiden zusätzlich unter Depressionen? Sie müssten dringend abnehmen, sich mehr bewegen und gesund ernähren? Dann könnte eine medizinische Rehabilitation die richtige Maßnahme für Sie sein. Was bei der Antragstellung zu beachten ist, erklären Experten. 

Urologen geben Entwarnung: Sorgen vor Zeugungsunfähigkeit sind unbegründet

Urologen geben Entwarnung: Sorgen vor Zeugungsunfähigkeit sind unbegründet
@ deagreez / Fotolia.com

Eine neue Studie zur männlichen Fruchtbarkeit, veröffentlicht in der Fachzeitschrift "Human Reproductive Update", sorgt derzeit für Aufsehen. Die Untersuchungen von Mediziner Hagai Levine und seinem Team der Hebräischen Universität Jerusalem zeigen, dass die Spermienanzahl von Männern aus westlichen Ländern immer weiter abnimmt. Laut den Wissenschaftlern ist die Spermienanzahl pro Milliliter Sperma um etwa 52 Prozent gesunken. Bei der Gesamtzahl der Spermien pro Samenerguss gaben die Forscher sogar einen Rückgang von nahezu 60 Prozent an....

Diabetes geht auch auf die Knochen: Osteoporose vorbeugen, Brüche vermeiden

Diabetes geht auch auf die Knochen: Osteoporose vorbeugen, Brüche vermeiden
© lev dolgachov / Fotolia.com

Die Osteoporose ist in Deutschland weit verbreitet: Etwa 6,3 Millionen sind davon betroffen. Die Techniker Krankenkasse fand im Jahr 2009 bei nahezu einem Viertel der über 50-jährigen Frauen in Deutschland einen Osteoporose-bedingten Knochenbruch oder knochenstabilisierende Medikamente. Auch Menschen mit Diabetes Typ 1 und Typ 2 haben ein erhöhtes Osteoporoserisiko und dadurch auch für Knochenbrüche. Diese können Folgeerkrankungen wie Immobilität, Lungenentzündungen oder Langzeitbehinderung nach sich ziehen. Folgeerkrankungen sind mit erheblichen...

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Morbus Parkinson: Wirksamkeit und Verträglichkeit von Safinamid in klinischer Praxis"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der Medical Tribune Verlagsgesellschaft mbH - Geschäftsbereich rs media widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.


EILMELDUNGEN zu SARS-CoV-2 und COVID-19
  • CHMP empfiehlt SARS-CoV-2-Impfstoff von Moderna für Jugendliche von 12-17 Jahren (Quelle: PEI, 23.7.2021)
  • CHMP empfiehlt SARS-CoV-2-Impfstoff von Moderna für Jugendliche von 12-17 Jahren (Quelle: PEI, 23.7.2021)