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Medizin
08. April 2021

SARS-CoV-2-Infektionen bei Kindern: Kein überproportionaler Anstieg

Das Robert-Koch-Institut (RKI) veröffentlicht wöchentlich aktuelle Zahlen zu COVID-19-Infektionszahlen, SARS-CoV-2-PCR-Testzahlen und Anteil der positiven Ergebnisse der PCR-Teste in unterschiedlichen Altersgruppen. Seit der Kalenderwoche 6 (08.02.-14.02.) bis 12 (22.03.-28.03.) ist die 7-Tage-Inzidenz bei Kindern bis zum Alter von 14 Jahren im Vergleich zur Gesamtbevölkerung deutlich angestiegen. Trotzdem steigen die Zahlen aber nicht überproportional.
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Daraus könnte man vorschnell folgern, dass Kinder derzeit überproportional betroffen sind. Bei der Interpretation der Daten des RKI muss aber beachtet werden, dass die Testhäufigkeit bei Kindern im Vergleich zu Erwachsenen in diesem Zeitraum erheblich zugenommen hat. Die Anzahl mit PCR getesteter Personen liegt bei Erwachsenen seit Jahresbeginn unverändert bei gut 500/100.000; die Anzahl getesteter Kinder unter 14 Jahren hat sich seit der 6. KW von unter 250 auf über 500/100.000 mehr als verdoppelt.
 

Positivitätsraten aussagekräftiger als Inzidenzen

Die errechnete 7-Tages-Inzidenz reflektiert jedoch ausschließlich die mit positiven PCR-Tests erfassten Infektionen, d.h. die gemeldeten absoluten Zahlen unabhängig von der Testhäufigkeit. Sehr viel aussagekräftiger als die so errechneten Inzidenzzahlen sind daher die Positivitätsraten im Verhältnis zu den Testzahlen. Die Positivitätsrate spiegelt den Anteil infizierter Personen in einer Bevölkerungsgruppe wider. Bei einer überproportionalen Zunahme der Infektionen bei Kindern würde sie daher steigen. Die Positivitätsrate bei den 0- bis 4-Jährigen ist aber im Vergleich der Kalenderwochen 6 und 12 von 6,4% auf 6,15%, bei den 5- bis 14-Jährigen von 9,6% auf 8,9% abgesunken.
Die Frage, ob Kinder zum jetzigen Zeitpunkt überproportional am COVID19-Infektionsgeschehen beitragen, kann daher mit einem klaren Nein beantwortet werden.
 

Maßnahmen sorgfältig abwägen

Ein überproportionaler Beitrag der Altersgruppe der Kinder zur Pandemieausbreitung wäre ein nachvollziehbares Argument für Kita-/Schulschließungen allerdings mit den bekannten Folgen der Einschränkungen zum Bildungszugang und Teilhabe der jungen Generation am gesellschaftlichen Dasein und z.T. erheblichen psychosomatischen und auch psychischen Beeinträchtigungen. Bildungszugang und Teilhabe sind ein sehr hohes Gut und sollten in der Abwägung der Maßnahmen gegen die Pandemieausbreitung hohe Berücksichtigung finden. Daher müssen die zur Verfügung stehenden Zahlen zum Infektionsgeschehen mit der gebotenen Sorgfalt interpretiert und die richtigen Schlüsse daraus gefolgert werden.

Quelle: Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin


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