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Medizin
28. Januar 2021

SARS-CoV-2-Pandemie beeinflusst HCV-Eliminationsbestreben: Aufklärungs- und Handlungsbedarf bei Hepatitis C

Jeder Patient mit einer Hepatitis-C-Virus (HCV)-Infektion sollte behandelt werden, weil die Heilung bei fast jedem Patienten möglich ist und Leben rettet, so der Appell von Dr. Nazifa Qurishi, Suchtmedizinerin aus Köln. Moderne Therapieregime mit direkt antiviral wirksamen Substanzen (direct-acting antivirals, DAAs), wie beispielsweise Glecaprevir/Pibrentasvir (Maviret®), ermöglichen die Heilung einer chronischen Hepatitis C heute bei nahezu allen Patienten in kurzer Zeit und bei guter Verträglichkeit (1, 2). Doch um die Elimination der Hepatitis C zu erreichen, wird eine Ausweitung des Screenings und der Behandlung von entscheidender Bedeutung sein, waren sich die Experten einig. „Gleichzeitig wirft uns die Corona-Pandemie in unseren Bemühungen zurück – es herrscht deshalb dringender Handlungsbedarf“, so Dr. Stefan Christensen, Infektiologe aus Münster.
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„Es gibt Informationen aus verschiedenen Ländern, dass die SARS-CoV-2-Pandemie in Modellen negative Langzeiteffekte auf die HCV-Elimination bis 2030 hat. In den letzten Jahren sind die Hepatitis-C-Behandlungszahlen in Deutschland rückläufig und ich schätze, dass sie durch die Pandemie 2020 noch weiter gesunken sind“, betonte Dr. Christensen. Gerade aufgrund der erschwerten pandemischen Situation sei es wichtig, die aktuellen Maßnahmen zur HCV-Elimination zu nutzen und noch weiter auszuweiten.

Screening könnte vermutete Dunkelziffer senken

Voraussichtlich noch im Sommer dieses Jahres soll ein allgemeines HCV-Antikörper-Screening im Rahmen der Gesundheitsuntersuchungen (ehemals Check-up 35) eingeführt werden, das alle gesetzlich Versicherten ab dem Alter von 35 Jahren einmalig wahrnehmen können (1). „Das ist aus meiner Sicht durchaus ein Meilenstein. Meine große Hoffnung ist, dass mit dem allgemeinen Screening deutlich mehr Patienten – vor allem auch nicht symptomatische Patienten – identifiziert werden”, betonte Dr. Qurishi. Aktuell empfiehlt die S3-Leitlinie „Prophylaxe, Diagnostik und Therapie der Hepatitis-C-Virus (HCV)-Infektion“ bereits ein HCV-Screening für Personen mit entsprechenden Risikofaktoren, wie z.B. intravenöser Drogengebrauch, beruflich bedingtes Infektionsrisiko, Hafterfahrung oder Sexualpraktiken mit erhöhtem Verletzungsrisiko (3).

Addendum zur S3-Leitlinie ermöglicht sofortigen Therapiebeginn bei chronischer HCV-Infektion

Das kürzlich erschienene Addendum zur S3-Leitlinie ermöglicht außerdem eine schnellere Versorgung von Menschen mit chronischer Hepatitis C (1). Bei Erstdiagnose mit typischer Konstellation einer chronischen Infektion sollte die antivirale Therapie nun umgehend begonnen werden (1). „Diese Neuerungen erachte ich als sehr wichtig. Denn bei Patienten, die bereits länger infiziert sind, sind Diagnose und Therapiestart damit in einem Schritt möglich. In der Vergangenheit haben wir durch die Wartezeit von 6 Monaten zwischen Diagnose und Therapie viele Patienten verloren“, so Dr. Qurishi. Eine chronische Hepatitis C liegt bei positivem HCV-Antikörpertest und nachweisbarer HCV-RNA / nachweisbarem HCV-Core-Antigen vor, wenn klinisch und laborchemisch keine Anzeichen einer akuten (ikterischen) Hepatitis und anamnestisch kein Risiko für eine Infektion bzw. laborchemisch keine Evidenz für eine Serokonversion in den letzten 6 Monaten festgestellt wurden (1). „Ich bin davon überzeugt, dass die Mehrzahl der Patienten mit chronischer HCV-Infektion mit oder ohne kompensierte Zirrhose und ohne fortgeschrittene Niereninsuffizienz einfach zu behandeln ist. Das zeigt auch das Leber-Register“, sagte Dr. Qurishi. Laut dem Addendum zur Leitlinie sollen diese Patienten vornehmlich mit pangenotypischen Therapieregimen (GT1–6) wie zum Beispiel Maviret behandelt werden (1).

Therapiebarrieren durch Patientenaufklärung abbauen

Dass eine Hepatitis-C-Infektion auch bei bereits erfolgter Diagnose nicht immer behandelt wird, zeigte die Studie CURRENT-C 2.0 – denn noch immer gibt es Barrieren für die zeitnahe Einleitung einer DAA-Therapie (4). Der in der Studie am häufigsten dokumentierte Grund für eine Nichtbehandlung waren Bedenken des Patienten (93/220, 42%) (4). „Es ist enorm wichtig, die Patienten gut aufzuklären und ihnen damit die Angst vor der Therapie und vor Nebenwirkungen zu nehmen. Die heute eingesetzten DAA-Therapien sind sehr gut verträglich. Zudem müssen wir sie motivieren, die Therapie zu beginnen und auch zu beenden”, untermauerte Dr. Qurishi. In der Studie CURRENT-C 2.0 waren weitere Gründe gegen einen Therapiestart, die von Ärzten häufig genannt wurden, unter anderen aktiver Drogenkonsum (illegale Drogen, Alkohol, Opioid-Substitutionstherapie (OST)) (33/220; 15%), psychiatrische (17/220; 8%) oder andere (33/220; 15%) Komorbiditäten, eine vom Arzt vermutete oder beobachtete mangelnde Compliance (32/220; 15%) und ein hohes Alter des Patienten (24/220; 11%) (4). „Jedoch wissen wir, dass die meisten Patienten mit chronischer Hepatitis C von einer Therapie profitieren würden, gerade auch die Risikogruppen“, so Dr. Qurishi.

Quelle: AbbVie

Literatur:

(1) Sarrazin C et al. Z Gastroenterol 2020;58:1107–1131.
(2) Fachinformation Maviret®, Stand April 2020.
(3) Sarrazin C et al. Z Gastroenterol 2018;56:756–838.
(4) Buggisch P et al. Barriers to Hepatitis C Virus Elimination in Germany: Why Aren’t Diagnosed Patients Initiating Therapy? Präsentiert während des European Association for the Study of the Liver’s Digital International Liver Congress, 27–29 August 2020. Poster SAT-286.


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