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Medizin

Schmerztherapie optimieren: Sektorenübergreifende Versorgung am Beispiel Münster

Nicht behandelte Schmerzen können chronifizieren. "Die durch chronische Schmerzen anfallenden direkten und indirekten Kosten werden für Deutschland auf jährlich 20,5-28,7 Milliarden Euro geschätzt", so Univ.-Prof. Jürgen Osterbrink, Salzburg (1). Das Versorgungsforschungsprojekt "Aktionsbündnis Schmerzfreie Stadt Münster" untersucht seit 2010 verschiedene Münsteraner Einrichtungen wie Krankenhäuser, Hospize und Hausarztpraxen, um deren Schmerzmanagement gemäß Leitlinien zu optimieren.

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"Als Teilbereich des Forschungsprojekts „Aktionsbündnis Schmerzfreie Stadt Münster“ wurde die schmerztherapeutische Versorgung von Patienten nach elektiven Eingriffen am ersten postoperativen Tag untersucht. Ziel war es u. a. herauszufinden, ob die Schmerzsituation von Patienten nach Operationen, bei denen die Versorgung nicht optimal ist, durch eine gezielte Schulung und Beratung verbessert werden kann", so Prof. Esther Pogatzki-Zahn, Münster. Es wurden sechs Krankenhäuser auf freiwilliger Basis eingeschlossen. 1.639 Patienten, 578 Pflegende und 385 ärztliche Mitarbeiter wurden insgesamt an jeweils zwei Erhebungszeitpunkten pro Einrichtung befragt. Die Zeitpunkte der Erst- und Zweiterhebung fanden in einem Abstand von ca. zwölf Monaten in den Jahren 2010 bis 2012 statt. Die Daten aus den Befragungen und die analysierten Ergebnisse der schmerztherapeutischen Regelungen wurden einrichtungsspezifisch sowie in ihrer Gesamtheit (Pre- versus Post- Erhebung) ausgewertet und verglichen.

Die Befragung der Hausärzte ergab beispielsweise, dass ein Viertel von ihnen Patienten schmerztherapeutisch versorgt, meist wegen Migräne, Rückenschmerzen und ähnlichen Beschwerdebildern. Was hier deutlich wurde, so Pogatzki-Zahn, war, dass besonders kognitiv eingeschränkte Patienten oder solche mit unzureichenden Deutschkenntnissen weniger gut schmerztherapeutisch versorgt werden, weil deren Schmerzen aufgrund dieser Problematik unterschätzt wurden. Auch war den Ärzten oft nicht bekannt, welche Instrumente (BESD-Test (2), Einschätzung der Schmerzsituation durch Angehörige, Verwendung einer Schmerzskala etc.) zur Verfügung stehen. Zudem gab es Kommunikationsprobleme zwischen Hausärzten und Pflegenden der stationären Altenhilfe und ambulanten Pflegedienste. Entsprechend werden die Leitlinien in diesen Bereichen noch nicht effizient umgesetzt. Basierend auf den Befragungsergebnissen wird eine themenzentrierte Schulungsreihe zum Schmerzmanagement in der hausärztlichen Versorgung ins Leben gerufen.

"Die postoperative Schmerztherapie war in den teilnehmenden sechs Kliniken bereits bei der Ersterhebung zufriedenstellend bis gut, doch es gab in jeder Klinik unterschiedliche Defizite. Nach individuellen Schulungen wurden diese Defizite ausgeglichen, sodass bei der Zweiterhebung jede Klinik ihre Ergebnisse verbessern konnte und zertifizierbar wurde", sagte Pogatzki-Zahn.

ab

Literaturhinweise:
(1) Dietl & Korczak, 2011. http://portal.dimdi.de/de/hta/hta_berichte/hta301_bericht_de.pdf
(2) BEurteilung von Schmerzen bei Demenz (BESD) z.B. unter http://www.nahrungsverweigerung.de/Contents/BESD.pdf
 

Quelle: Mundipharma-Symposium anl. d. Deutschen Schmerzkongresses, 18.10.2012, Mannheim


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