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06. Juni 2020
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Tag der Organspende am 6. Juni 2020: Diabetes-Früherkennung

Anlässlich des Tages der Organspende weist die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) darauf hin, dass eine Diabetes-Früherkennung dringend notwendig ist, um einerseits die zunehmende Zahl der transplantationsbedürftigen Diabetespatienten in Deutschland zu reduzieren. Andererseits müssen auch andere Begleiterkrankungen – wie Adipositas oder Herzkreislauferkrankungen –, die Betroffenen eine Transplantation verwehren können, durch effektive Vorsorge und gutes Diabetesmanagement verhindert werden.
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Über 7.000 Patientinnen und Patienten stehen derzeit in Deutschland auf der Warteliste für eine Nierentransplantation. Etwa die Hälfte von ihnen hat Diabetes oder Prädiabetes, der häufig nicht bekannt ist (1). „Insbesondere Menschen mit Typ-2-Diabetes haben meist bereits klassische Begleiterkrankungen wie Adipositas oder Herzkreislauferkrankung, die jedoch eine Transplantation erschweren oder sogar die Erfolgsaussichten derart reduzieren, dass sie gar nicht erst als Empfänger in Frage kommen, beziehungsweise von der Warteliste genommen werden müssen“, berichtet PD Dr. med. Martina Guthoff, Nephrologin und Oberärztin der Sektion Nieren- und Hochdruckkrankheiten an der Medizinischen Klinik IV in Tübingen. Diese Patienten bleiben dialysepflichtig und haben häufig eine geringere Lebenserwartung.

Warteliste für Nierentransplantation

Einer amerikanischen Untersuchung zufolge beträgt die Wahrscheinlichkeit für Diabetespatienten, auf eine Warteliste für eine Nierentransplantation zu kommen, nur rund 80% im Vergleich zu stoffwechselgesunden Menschen (2, 3). Im Verlauf der durchschnittlich 6-8 Jahre andauernden Wartezeit summieren sich bei vielen Diabetespatienten zudem Begleitkomplikationen, die eine erfolgreiche Transplantation zusätzlich verhindern. Auch haben Menschen, die mit einem vorliegenden Diabetes nierentransplantiert werden, ein geringeres Überleben. „Es scheinen mikro­ und makrovaskuläre Veränderungen durch die diabetische Stoffwechsellage nach einer Transplantation beschleunigt aufzutreten“, so Guthoff. Ein ähnliches Risiko gilt für Patienten, die nach der Transplantation einen Diabetes entwickeln. Die Expertin weist daher darauf hin, dass eine Früherkennung des Diabetes und auch von Nierenerkrankungen unbedingt notwendig sei, um Patienten vor schweren Nierenschäden zu bewahren und im Falle einer notwendigen Nierenersatztherapie eine bestmögliche Versorgung zu ermöglichen.

Nierenpatienten auf Diabetes testen

„Bei allen Nierenpatienten sollte zudem auch auf Diabetes getestet werden. Denn Untersuchungen zeigen, dass etwa jeder Dritte auf der Warteliste zur Nierentransplantation einen bislang unerkannten Diabetes oder Prädiabetes hat“, führt Guthoff aus. „Um Nierenprobleme rechtzeitig zu diagnostizieren und konsequent behandeln zu können, sollten sich Patienten mit Diabetes mindestens einmal jährlich auf das Vorliegen einer Albuminurie screenen lassen“, erklärt Dr. med. Ludwig Merker vom MVZ DaVita Diabetes- und Nierenzentrum Dormagen und Vorsitzender der DDG AG „Diabetes und Niere“.  Zudem sei es bei allen Patienten mit Diabetes wichtig, den eGFR-Wert zu bestimmen. Gleichzeitig sollte eine zielorientierte Diabetes- und Blutdrucktherapie erfolgen.

Quelle: Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG)

Literatur:

1. Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO): Statistiken zu den jeweiligen Organtransplantationen https://www.dso.de/organspende/statistiken-berichte/organtransplantation - Siehe: https://www.dso.de/DSO-Infografiken/Indikationen_NierenTX_2019.png
2. Martina Guthoff et al., Diabetes Mellitus and Prediabetes on Kidney Transplant Waiting List- Prevalence, Metabolic Phenotyping and Risk Stratification Approach, PLoS One, September 23, 2015  https://journals.plos.org/plosone/article?id=10.1371/journal.pone.0134971
3. Patibandla BK et al. Access to renal transplantation in the diabetic population-effect of comorbidities and body mass index. Clin Transplant 2012; 26: E307–E315; doi:10.1111/j.1399-0012.2012.01661 https://onlinelibrary.wiley.com/doi/abs/10.1111/j.1399-0012.2012.01661.x


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