Dienstag, 28. Juni 2022
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Medizin

Thrombosetherapie: Risikogruppen wie Schwangere und Tumorpatienten im Fokus

Im Laufe einer Schwanger-schaft steigt das Risiko, an einer venösen Thromboembolie (VTE) zu erkranken, um das 2- bis 5-Fache an. Dieses Risiko bleibt auch 4 bis 6 Wochen postpartal noch bestehen. Mit diesem Thema leitete Prof. Dr. Viola Hach-Wunderle, Frankfurt a. M., das Satellitensymposium, das im Rahmen der 41. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Angiologie (DGA) in Mainz stattfand, ein. Ihr folgte Dr. Franz Xaver Bräu, Rottach-Egern, mit einem Überblick über die neuen oralen Antikoagulantien sowie ihre Vor- und Nachteile bezüglich Einsatz und Wirkung. Besonderes Augenmerk legte Breu auf die Patientencompliance bei der Behandlung von VTE, die mit niedermolekularen Heparinen (NMH) besonders hoch ist. Abgerundet wurde die Veranstaltung von Prof. Dr. Stavros Konstantinides, Mainz, welcher die Lungenembolie beim Tumorpatienten thematisierte und damit ein weiteres Schwerpunktthema diskutierte.

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NMH in der Schwangerschaft: Leitliniengerecht mit hohem Evidenzgrad

„Es gibt viele Antikoagulantien auf dem Markt. Wenn es um die Schwangerschaft geht, spielen NMH bis auf unabsehbare Zeit eine große Rolle“, so Professor Hach-Wunderle. Den Fokus legte die Referentin auf die aktu-ellen, 2012 neu erschienenen, ACCP-Leitlinien (1,2), die Änderungen zum bisherigen Therapieregime beinhalten. NMH eignen sich besonders zur Prophylaxe und Therapie während der Schwangerschaft, da sie die Plazentaschranke nicht passieren können. Hier sind NMH gegenüber Vitamin-K-Antagonisten zu bevorzugen (Evidenzgrad 1B). Im 1. Trimenon und unmittelbar pränatal sogar mit Evidenzgrad 1A. „Es ist mir sehr wichtig zu wissen, ob die Empfehlungen die man trifft auf einer sehr guten Evidenzlage beruhen, oder nur auf einer Expertenmeinung“, so Hach-Wunderle.

Neue orale Antikoagulantien – nicht nur eine Frage der Compliance?

In einem Vortrag aus der Praxis für die Praxis erläuterte Dr. Breu die Vor-und Nachteile der neuen oralen Antikoagulantien (NOAK). Neben der ein-geschränkten Zulassung der NOAK beobachtete Breu besonders eine verminderte Compliance des Patienten bei der VTE-Therapie mit NOAK. Die verminderte Compliance führt Breu auf gastrointestinale Komplikationen zurück, die in den Studien bei 25% der Patienten zu Übelkeit und Erbrechen führten. Zusammen mit Obstipation und peripheren Ödemen sind diese Nebenwirkungen u. a. verantwortlich für Therapieabbrüche bei 21% aller Patienten. Als weiteren Nachteil der NOAK nannte Breu die Tatsache, dass es kein Antidot für NOAK gibt, wie dies für NMH mit Protaminsulfat der Fall ist. Dies kann insbesondere bei Patienten mit Niereninsuffizienz Blutungskomplikationen verstärken.

NMH als das Mittel der Wahl bei onkologischen Patienten

Professor Konstatinides vom Centrum für Thrombose und Hämostase am Universitätsklinikum Mainz informierte unter anderem über die Risiko-gruppe der Tumorerkrankten, die sich einer Operation unterziehen. Letztere werden als Hochrisikopatienten eingestuft und sollten mit NMH behandelt werden. „Nicht nur haben Tumorpatienten ein hohes Thromboserisiko, sie haben auch ein hohes Risiko eines Rezidivs nach einer VTE trotz adäquater Antikoagulation“, so Konstantinides. Die erläuterten Studienergebnisse fasste Konstantinides wie folgt zusammen: „Bei chirurgischen Patienten mit Tumor ist die Datenlage zu Gunsten der prophylaktischen Antikoagulation mit NMH gut und belegt.“ Als besonders eindrucksvoll schilderte Konstantinides die Studienergebnisse von Giancarlo Agnelli (3). Dieser konnte zeigen, dass Patienten mit metastasierendem oder lokalem fortgeschrittenem Krebs unter Chemotherapie bei 3-monatiger Behandlung mit NMH ein 70% geringeres VTE-Risiko haben, ohne signifikante Erhöhung des Blutungsrisikos.
Das hochkarätige und durch eine lebhafte Diskussion untermauerte multidisziplinare Symposium zeigte, dass die Thrombosetherapie und -prophylaxe mit NMH für Risikopatienten weiterhin den leitliniengerechten Standard darstellt.

Literaturhinweise:
(1) Bates SM et al., Chest 2012; 141: 352-418
(2) Kearon et al., Chest 2012; 141: 419-494
(3) Agnelli G et al., N Engl J Med 2012; 366: 601-9

Quelle: DGA-Symposium von LEO Pharma


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