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Medizin
15. Juni 2021
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©Johanna Mühlbauer / Fotolia.de

Vitamin-B12-Mangel: Risikogruppen erkennen – effektiv therapieren

Ein Vitamin-B12-Mangel ist bei Risikogruppen weit verbreitet. Bleibt er unerkannt, können sich schwerwiegende hämatologische und neurologische Folgeerkrankungen entwickeln. Daher ist es wichtig, frühzeitig eine geeignete Diagnostik und Therapie anzuwenden.
Ein erhöhtes Risiko für einen Mangel an Vitamin B12 haben nicht nur Personen, die zu wenig Vitamin mit der Nahrung aufnehmen, wie Veganer bzw. Vegetarier. Oftmals entwickelt sich ein Mangel auch durch Resorptionsstörungen infolge von gastrointestinalen Erkrankungen, einem Mangel an Intrinsic Factor oder der Einnahme bestimmter Medikamente, wie Protonenpumpenhemmer (PPI), H2-Rezeptorblocker und Metformin.

Bei Arzneimitteleinnahme auf Vitamin-B12-Status achten

In einer Fallkontrollstudie hatten Teilnehmende, die PPI über mindestens zwei Jahre einnahmen, ein um 65% höheres Risiko für einen Vitamin-B12-Mangel als Personen ohne diese Medikation (1). Auch die langfristige Einnahme von Metformin, das Arzneimittel der ersten Wahl zur Therapie von Typ-2-Diabetes, führt zu einem höheren Risiko. Eine Metaanalyse mit 31 Studien ergab, dass Patienten mit Typ-2-Diabetes unter Metformintherapie ein doppelt so hohes Risiko hatten wie Diabetespatienten, die kein Metformin einnahmen. Dabei war das Risiko abhängig von Dosis und Dauer der Medikation (2).

Orale Hochdosistherapie wirksam

Bei entsprechenden Risikogruppen sollte daher der Vitamin-B12-Status regelmäßig überprüft werden, zumal die ersten Symptome eines Mangels wie Müdigkeit und Erschöpfung unspezifisch sind und leicht übersehen werden. Um schwerwiegende Folgeschäden zu verhindern, ist eine frühzeitige Therapie des Vitamin-B12-Mangels erforderlich. Entgegen früherer Annahme hat sich eine orale Supplementierung von Vitamin B12 auch bei Risikogruppen mit gestörter Resorption bei ausreichend hoher Dosierung als wirksam erwiesen (3).

Hohe Dosierung oral entscheidend

Bei hoher oraler Dosierung von 1.000 μg (z. B. mit B12 Ankermann®; 1.000 µg Cyanocobalamin pro Dragee) kann eine ausreichende Menge an Vitamin B12 passiv über Diffusion unabhängig vom Bindungsprotein Intrinsic Factor resorbiert werden und so einen Vitamin-B12-Mangel ausgleichen. Zur Behandlung eines schweren Mangels sollte die Vitamin-B12-Gabe anfangs parenteral erfolgen, die Erhaltungstherapie kann hochdosiert oral fortgesetzt werden.  

Bessere Nervenfunktion und mehr Lebensqualität

Welchen klinischen Nutzen eine orale Vitamin-B12-Supplementation für Diabetespatienten unter Metformintherapie haben kann, zeigt eine aktuelle randomisierte, placebokontrollierte Studie: Patienten mit Typ-2-Diabetes, die seit mindestens vier Jahren mit dem Antidiabetikum behandelt wurden und unter einer peripheren und autonomen Neuropathie litten, erhielten ein Jahr lang täglich oral 1.000 μg Vitamin B12 oder Placebo. Alle Patienten hatten zu Studienbeginn insuffiziente Vitamin-B12-Spiegel von weniger als 400 pmol/l. Durch die hochdosierte orale Vitamin-B12-Therapie normalisierten sich die Blutwerte und alle neurophysiologischen Parameter, der Schmerz-Score sowie die Lebensqualität besserten sich gegenüber der Kontrollgruppe signifikant. Nicht signifikant war der Einfluss der Supplementation auf den kardialen autonomen Reflextest (4).

 
 



 
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Quelle: Online-Expertengespräch „Vitamin-B12-Mangel in der Praxis“ am 01. Juni 2021; Veranstalter: Wörwag Pharma

Literatur:

(1)    Lam JR et al. Proton pump inhibitor and histamine 2 receptor antagonist use and vitamin B12 deficiency. JAMA 2013; 310 (22): 2435–2442
(2)    Yang W et al.: Associations between metformin use and vitamin B12 level, anemia and neuropathy in patients with diabetes: a meta-analysis. J Diabetes 2019;11(9):729-743
(3)    Andrès E et al. Systematic Review and Pragmatic Clinical Approach to Oral and Nasal Vitamin B12 (Cobalamin) Treatment in Patients with Vitamin B12 Deficiency Related to Gastrointestinal Disorders. J Clin Med 2018; 7 (10): 304
(4)    Didangelos T et al. Vitamin B12 Supplementation in Diabetic Neuropathy: A 1-Year, Randomized, Double-Blind, Placebo-Controlled Trial. Nutrients 2021; 13, 395; https://doi.org/10.3390/nu13020395


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