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Aktuelle Infos für Ärzte

05. Juni 2012

Sportler halten mehr Schmerzen aus als Nicht-Sportler

Wer auf professionellem Niveau Sport betreibt, kann größere Schmerzen ertragen, als jemand, der nicht sportlich aktiv ist. Zu diesem Ergebnis kamen Wissenschaftler der Medizinischen Universitätsklinik Heidelberg bei der Auswertung von 15 internationalen Studien, die sich mit Schmerzempfindlichkeit bei Sportlern beschäftigen. Sie stellten fest: Sportler fühlen den Schmerz zwar ebenso wie Nicht-Sportler, lassen sich davon aber weniger beeinträchtigen – sie sind schmerztoleranter. Dieses Ergebnis könnte sich in Zukunft in der Therapie von Patienten mit chronischen Schmerzleiden wie Rückenschmerz oder Fibromyalgie nutzen lassen, z.B. in Form eines speziellen Bewegungsprogramms. Die Auswertung der Studien wurde im Mai vorab online in der Fachzeitschrift PAIN veröffentlicht und im Rahmen einer Pressekonferenz am 4. Juni 2012 an der Medizinischen Universitätsklinik Heidelberg von den Studienleitern Dr. Jonas Tesarz und Professor Dr. Wolfgang Eich, Klinik für Allgemeine Innere Medizin und Psychosomatik (Ärztlicher Direktor: Prof. Dr. Wolfgang Herzog), vorgestellt.

Frühdiagnostik bei Rheuma: SPECT zeigt Knochenveränderungen schon im Frühstadium

Bei rheumatischen Erkrankungen erlauben moderne bildgebende Verfahren weit mehr als nur die Darstellung der knöchernen Gelenkstrukturen. Mit funktionellen Untersuchungsmethoden wie der hochauflösenden Einzelphotonen-Emissions-Computertomographie (SPECT) können pathologische Knochenumbauvorgänge bereits sehr früh nachgewiesen werden, mitunter schon zu einem Zeitpunkt, zu dem selbst die MRT-Diagnostik noch unauffällig ist. Eine Studie der Universitätsradiologie Düsseldorf, die jetzt auf dem 93. Deutschen Röntgenkongress vorgestellt wurde.

04. Juni 2012

Aggressionsverhalten aktiviert Belohnungssystem im Gehirn

Wie lässt sich krankhaft erhöhtes Aggressionsverhalten erklären? Diese Frage beschäftigt Neurologen und Neurobiologen nun schon seit vielen Jahren. Einfach zu beantworten ist sie nicht. Verschiedene genetische Einflüsse und zahlreiche Umweltbedingungen beeinflussen unser Sozialverhalten. Ein wichtiger Schritt zur Aufklärung der Ursachen von aggressivem Verhalten ist nun einem Forscherteam des Themenverbundes „Gewalt und Aggression in Natur und Kultur“ an der Universität Regensburg gelungen.

Insulinresistenz: ChREBP-Protein entscheidende Stellschraube zwischen Blutzucker und Zelle

Eine amerikanisch-deutsche Gemeinschaftsstudie hat auf molekularer Ebene klären können, warum eine Insulinresistenz häufig dazu führt, dass Zellen Fett und Zucker verändert ab- oder aufbauen. Als eine entscheidende Stellschraube auf dem Kommunikationsweg zwischen Blutzucker und Zelle wurde das sogenannte ChREBP-Protein identifiziert. Es eröffnet die Möglichkeit für zukünftige Therapien. Wesentliche Studienteile stützen sich auf Datenmaterial aus der Leipziger Biobank für Fettgewebe, die aktuell eine Förderung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) in Höhe von 500.000 Euro erhalten hat.

Einjährige Kampagne der WGO für eine gesunde Verdauung startet

Der „World Digestive Health Day“ (WDHD) am 29. Mai setzte den Startschuss für die einjährige weltweite Kampagne der World Gastroenterology Organisation (WGO) Love your tummy. Ziel dieser von Danone unterstützten Initiative ist es, mehr Bewusstsein für Darmgesundheit zu schaffen und gleichzeitig das Verständnis und das Management von gastrointestinalen Symptomen zu verbessern. Laut WGO werden Signifikanz und Auswirkungen dieser Symptome häufig falsch eingeschätzt oder gar unterschätzti.

01. Juni 2012

EASL 2012: 77% der HCV-Patienten erreichen SVR unter Daclatasvir und Asunaprevir

Bristol-Myers Squibb hat die Ergebnisse einer Phase-II-Studie bekannt gegeben, die das Therapieregime mit einem vollständig oral verfügbaren, dualen, direkt antiviral wirksamen (direct-acting antiviral, DAA) Therapieansatz untersucht hat, der sich derzeit in klinischer Prüfung befindet: 24 Wochen nach der Therapie hatten 77% der Patienten (33/43) mit schwer behandelbarer Hepatitis C (HCV) vom Genotyp 1b eine Viruslast unter der Nachweisgrenze erreicht (SVR 24). Zu den Patienten mit schwer behandelbarer HCV-Infektion gehörten Null-Responder oder Patienten, die zuvor kein Therapieansprechen auf Peginterferon-alfa und Ribavirin (alfa/RBV) gezeigt hatten sowie Patienten, für die eine Behandlung mit Peginterferon-alfa und Ribavirin nicht indiziert bzw. verträglich war.

Wieder laufen nach Rückenmarksverletzung

Einem ehemaligen Neurologen der Universität Zürich gelingt es, Ratten mit Rückenmarksverletzungen und schweren Lähmungen wieder zum Laufen zu bringen. Er zeigt, dass ein durchtrennter Abschnitt des Rückenmarks reaktiviert werden kann, wenn dessen inhärente Intelligenz und Regenerationsfähigkeit "aufgeweckt" werden. Die vor fünf Jahren an der Universität Zürich begonnene Studie dürfte unser Verständnis des Zentralnervensystems tief greifend verändern. Das beobachtete Nervenwachstum lässt auf neue Methoden für die Behandlung von Lähmungen hoffen.

Forscher beschreiben neue Methode zur Behandlung von Gesichtsfeldausfällen

Patienten mit einem halbseitig blinden Sehfeld profitieren davon, Schallreize auf der beeinträchtigten Seite zu hören. Nachdem sie eine Stunde lang passiv Tönen gelauscht hatten, verbesserte sich ihre Wahrnehmung von Lichtreizen in der blinden Sehfeldhälfte signifikant. Verantwortlich für diesen Effekt sind Nervenbahnen, die Informationen verschiedener Sinne gleichzeitig verarbeiten. „Wir haben damit einen völlig neuen Weg der Therapie beschritten“, sagt PD Dr. Jörg Lewald aus der RUB-Arbeitseinheit Kognitionspsychologie.

Zytometrische Multiplex-Assays: Intelligente Software erleichtert Datenauswertung

Multiplex-Assays erlauben die simultane Bestimmung einer Vielzahl von Proteinen in einem Versuchsansatz. Hierbei entstehen komplexe Datensätze, die in mehreren manuellen Einzelschritten ausgewertet werden müssen. Dabei unterstützt die neue Software-Version FlowCytomix Pro 3.0, eine Entwicklung von Fraunhofer FIT und eBioscience. Sie bietet für jeden Analyseschritt intelligente Vorschläge und leitet so den Benutzer einfach, nachvollziehbar und rasch durch die Analyse komplexer Experimente hin zu übersichtlichen Ergebnisreports.

Altersabhängige Infektion: Kinder unter fünf Jahren besonders empfindlich gegenüber Rotaviren

Kinder unter fünf Jahren sind gegenüber Durchfall-verursachenden Rotaviren empfindlicher als ältere Menschen. Forscher der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) haben nun herausgefunden, warum eine Infektion mit diesen Viren vom Alter abhängt: Die Darmschleimhaut produziert nach der Geburt nur sehr wenig Toll-like Rezeptor (TLR) 3 – eine Struktur des sogenannten angeborenen Immunsystems, die das Virus-Genom erkennt und die Immunabwehr stimuliert. Bei Älteren gibt es hingegen mehr TLR3. Wahrscheinlich kann sich der erwachsene Körper deshalb besser gegen die Infektion wehren. Das Team um Professor Dr. Mathias Hornef vom MHH-Institut für Medizinische Mikrobiologie und Krankenhaushygiene veröffentlichte seine Ergebnisse im digitalen Journal PLoS Pathogens.

Initiative zur Optimierung der Versorgung von Fragilitätsfrakturen in Europa

Rund 115.000 Schenkelhalsbrüche aufgrund von Osteoporose gibt es jährlich allein in Deutschland, europaweit sind es rund 600.000. Zur Optimierung ihrer Versorgung arbeiten Orthopäden und Rheumatologen nun auf europäischer Ebene zusammen. Auf dem aktuellen Europäischen Orthopädiekongress (EFORT) in Berlin stellen Experten interdisziplinäre Strategien zur besseren Behandlung der Begleiterkrankungen dieser Patienten sowie zur verbesserten Nachsorge und der Prävention weiterer Brüche vor.

31. Mai 2012

Akustische CR-Neuromodulation: Überzeugend in Studien und in der Praxis

„Die Akustische CR®-Neuromodulation ist ein riesiger Fortschritt in der Tinnitus-Therapie und bietet Patienten mit chronisch subjektivem Tinnitus gute Chancen auf eine substanzielle Verbesserung ihrer Symptomatik“, so das Resümee von Universitäts-Professor Dr. Kai Helling, Leitender Arzt der Römerwallklinik, Fachklinik für HNO-Erkrankungen in Mainz, im Rahmen eines Expertengesprächs. Die Therapie bewährt sich bereits seit mehr als zwei Jahren in der klinischen Praxis und hat überzeugende Studienergebnisse gezeigt (1). Eine kürzlich erschienene Publikation gibt nun zusätzliche Einblicke in die Wirkweise der Coordinated Reset (CR)-Neuromodulation (2).

Diabetogene Polyneuropathie erfordert effektive Schmerztherapie

Zu den schwerwiegenden Folgen des Diabetes mellitus zählt neben den kardiovaskulären Komplikationen auch die Polyneuropathie, die eine deutliche Einbuße an Lebensqualität nach sich zieht. Da mit einer Monotherapie nur etwa der Hälfte der Patienten zu helfen ist, ist praktisch immer eine Kombinationsbehandlung erforderlich. Sie soll nicht nur die Schmerzen effektiv bekämpfen, sondern darüber hinaus eine Verbesserung der Funktionalität, der Schlafqualität und der Lebensqualität insgesamt bewirken. Eine wichtige Rolle spielen dabei Substanzen wie Pregabalin, das seit 2006 auch zur Therapie zentraler neuropathischer Schmerzen zugelassen ist. Pregabalin ist sicher zu handhaben, da es keine pharmakodynamischen oder pharmakokinetischen Wechselwirkungen hervorruft.

Fixkombination Linagliptin/Metformin für die Zulassung zur Behandlung des Typ-2-Diabetes in Europa empfohlen

Boehringer Ingelheim und Eli Lilly and Company haben eine positive Empfehlung zur EU-weiten Zulassung für die Kombination des DPP-4-Inhibitors Linagliptin* mit Metforminhydrochlorid (Metformin-HCl) in einer Tablette erhalten. Der Ausschuss für Humanarzneimittel der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) empfiehlt die Zulassung der Fixkombination in Verbindung mit einer Diät und Bewegung zur Verbesserung der Blutzuckereinstellung bei Erwachsenen mit Typ-2-Diabetes, wenn diese durch die maximal verträgliche Dosis Metformin allein unzureichend eingestellt sind, oder bei Erwachsenen, die bereits mit einer Kombination aus Linagliptin und Metformin behandelt werden.

Vermindertes Schmerzempfinden durch mentale Ablenkung: Beteiligung eines Mechanismus im Rückenmark

Ablenkung kann das Schmerzempfinden schwächen – dieses Phänomen ist seit langem bekannt. Wissenschaftler des Instituts für Systemische Neurowissenschaften am Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf (UKE) können jetzt durch eine Studie belegen, dass dies kein rein psychologischer Vorgang ist, sondern auf einem Mechanismus basiert, der bereits auf Rückenmarksniveau einsetzt. Die Ergebnisse ihrer Arbeit wurden im renommierten Wissenschaftsjournal „Current Biology“ veröffentlicht.

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Diabetes geht auch auf die Knochen: Osteoporose vorbeugen, Brüche vermeiden

Die Osteoporose ist in Deutschland weit verbreitet: Etwa 6,3 Millionen sind davon betroffen. Die Techniker Krankenkasse fand im Jahr 2009 bei nahezu einem Viertel der über 50-jährigen Frauen in Deutschland einen Osteoporose-bedingten Knochenbruch oder knochenstabilisierende Medikamente. Auch Menschen mit Diabetes Typ 1 und Typ 2 haben ein erhöhtes Osteoporoserisiko und dadurch auch für Knochenbrüche. Diese können Folgeerkrankungen wie Immobilität, Lungenentzündungen oder Langzeitbehinderung nach sich ziehen. Folgeerkrankungen sind mit erheblichen Behandlungskosten und einem erhöhten Sterberisiko verbunden. Ursache für Osteoporose kann ein Vitamin-D-Mangel sein. Aber auch einzelne Diabetes-Medikamente können die Knochengesundheit schwächen. Deshalb sollten Menschen mit Diabetes frühzeitig gezielt auf Osteoporose untersucht und behandelt werden.

Verbraucherschutz: Blei und Cadmium in Modeschmuck, Pestizide in Kräutern

Erneut gerieten preiswerte Modeschmuckartikel ins Visier der Überwachungsbehörden. Nachdem das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) im vergangenen Jahr auf die erhöhten Nickelgehalte in den untersuchten Proben hingewiesen hatte, kritisierte das Bundesamt die Funde von Blei und Cadmium oberhalb der geltenden Grenzwerte. BVL-Präsident Helmut Tschiersky stellte dazu fest: „Die Hersteller und Importeure von Modeschmuck müssen eindeutig mehr tun, um Gesundheitsrisiken zu vermeiden.“ Nach mehreren Einzelfunden von preiswertem Modeschmuck mit erhöhten Blei- und Cadmiumgehalten ist die Produktgruppe im Jahr 2015 verstärkt durch die amtliche Überwachung kontrolliert worden. Von den 262 durch die Kontrolleure genommenen Proben wiesen 32 Proben (12 Prozent) Bleiwerte oberhalb des geltenden Höchstgehalts von 500 mg/kg auf. Bei einer untersuchten Kette waren die beiden Karabinerhaken sogar vollständig aus Blei gefertigt. Bei 26 Proben (10 Prozent) überschritt der Cadmiumgehalt den Grenzwert von 100 mg/kg.