Dienstag, 9. März 2021
Navigation öffnen

Patientenbereich

28. Februar 2020 Bedrohliche Herzschwäche: Kann Eisentherapie helfen?

Was bedeutet Eisenmangel für geschwächte Herzen und was bewirkt eine Eisentherapie? Herzstiftung fördert Forschungsvorhaben am Göttinger Herzzentrum 
Anzeige:
Eigenwerbung
 
Eisenmangel bei gesunden Menschen ist in der Regel gut behandelbar und bei ärztlicher Versorgung komplikationslos. Bei Menschen mit Herzschwäche hingegen ist der Mangel an Eisen im Blut ein häufiger Auslöser für einen Krankenhausaufenthalt. „Eisenmangel gilt heute als eine Begleitkrankheit der Herzschwäche und kann auch ohne jede Blutarmut vorliegen. Eine standardmäßige Überprüfung der Eisenwerte bei Herzschwäche ist deshalb wichtig“, sagt der Kardiologe Prof. Dr. med. Dietrich Andresen, Vorsitzender der Deutschen Herzstiftung, und warnt: „Ein chronisch niedriger Eisenwert im Blut kann die Herzinsuffizienz sogar dramatisch verstärken.“ Eisenmangel führt insbesondere zu Müdigkeit, Leistungsabfall und Konzentrationsschwäche der meist ohnehin geschwächten Herzpatienten und beeinträchtigt deren Lebensqualität. Umgekehrt weiß man, dass eine intravenöse Eisenzufuhr zu einer Verbesserung der Lebensqualität und zu weniger Krankenhausaufenthalten bei den Patienten führt. „Forschungsergebnisse für die Weiterentwicklung dieser noch neuen Therapieoption und die Entwicklung neuer Therapieansätze sind deshalb notwendig“, unterstreicht Andresen. Insbesondere über die genauen Zusammenhänge zwischen Eisenmangel in den Herzmuskelzellen, dem Eisenstoffwechsel und der Entwicklung einer Herzinsuffizienz bedarf es weiterer medizinischer Erkenntnisse. Ein wichtiger Schritt hierfür ist getan: die Deutsche Herzstiftung fördert mit der Deutschen Stiftung für Herzforschung mit 60.000 Euro das Forschungsvorhaben „Einfluss von Eisensubstitution auf die Herzinsuffizienzentwicklung“ unter der Leitung von Prof. Dr. med Karl Toischer, Kardiologe am Herzzentrum der Universitätsmedizin Göttingen.
 
Bundesweit leiden nach Expertenschätzungen bis zu 4 Millionen Menschen an Herzschwäche (Herzinsuffizienz) bei weit über 460.000 Klinikeinweisungen pro Jahr wegen einer Verschlechterung der Herzerkrankung (Entgleisung/Dekompensation). Auffällig ist, dass etwa 40 % der Patienten mit chronischer Herzschwäche einen Eisenmangel aufweisen, bei Patienten mit akuter Herzschwäche sind es sogar bis zu 75 %.
 
Warum wirkt eine Eisenzufuhr positiv auf das Herz?
 
Eisenmangel kann durch eine intravenöse Eisenzufuhr (Eisen-Carboxymaltose) behoben werden. Liegt neben dem Eisenmangel auch eine Blutarmut (Anämie) vor, müssen andere Ursachen für Eisenmangel und Anämie abgeklärt werden. Häufig sind chronische Blutverluste über Magen und Darm verantwortlich. „Unklar ist allerdings, wie eine Eisensubstitution die Herzfunktion, den Verlauf der Herzschwäche und die Sterblichkeit günstig beeinflusst“, sagt Toischer. Vieles spreche dafür, dass eine intravenöse Eisenzufuhr die Belastbarkeit und sogar das Fortschreiten der Herzschwäche an sich hemmt. „Aber die genauen Zusammenhänge zwischen Herzschwäche und Eisenmangel sind nur unzureichend erforscht. Neue Erkenntnisse auf Molekularebene wollen wir mit Hilfe der Herzstiftung im Rahmen unseres Forschungsprojekts gewinnen“, so Toischer.
 
Eisen: essenziell für die Körperzellen, kann bei Herzschwäche vom Darm nicht ausreichend aufgenommen werden
 
Der Eisengehalt im Blut ist essenziell für den Sauerstofftransport und die Energiegewinnung der Körperzellen. Das Herz benötigt dieses lebenswichtige Spurenelement auch, um seine Funktion an akuten oder chronischen Stress anzupassen. Aber bei etwa der Hälfte der Herzschwäche-Patienten erhält der Körper nicht in ausreichender Menge Eisen, das er aus der Nahrung über den Darm aufnimmt. Eisen aus Tabletten kann daher bei dieser Patientengruppe vom Darm nicht ausreichend aufgenommen werden. Deswegen muss es über das Venensystem als Kurzinfusion verabreicht werden. Im Rahmen seines Forschungsprojekts mit einer Laufzeit von 12 Monaten widmet sich Toischer folgenden Fragestellungen:
 
  • Wann und wie entsteht ein Eisenmangel bei Herzinsuffizienz?
  • Kann eine intravenöse Eisengabe die Herzinsuffizienzentwicklung und erhöhte
  • Sterblichkeit bei Herzschwäche verhindern?
  • Welchen Effekt hat Eisen dabei auf die eingeschränkte Pumpfunktion des Herzens bzw. seine Leistungsfähigkeit?
  • Wie beeinflusst Eisen die Herzfunktion und welche Mechanismen sind dabei involviert?
 
In den Fokus seiner Untersuchungen nimmt der Göttinger Herzforscher die Rolle der Mitochondrien, die in den Herzmuskellen zahlreich vorhanden sind. Als „Zellkraftwerke“ spielen sie bei der Energieproduktion der Körperzellen und so auch für die Herzmuskelzellen eine wichtige Rolle.
 

Deutsche Herzstiftung e.V.


Anzeige:
Eigenwerbung
 

Weitere Beiträge zum Thema

Endoprothesenregister Deutschland veröffentlicht erstmals Patienteninformation

Endoprothesenregister Deutschland veröffentlicht erstmals Patienteninformation

Die Publikation enthält zentrale Ergebnisse der Datenauswertung aus dem Jahresbericht 2020 – kurz und patientenverständlich zusammengefasst. Totalendoprothesen (vollständiger Ersatz des Gelenkes) stellen die am häufigsten verwendete Prothesenform bei Hüft- und Knieimplantationen dar. Bei künstlichen Kniegelenken wird zunehmend die Rückfläche der Kniescheibe ersetzt. Patientenbezogene Faktoren wie Alter, BMI oder Vorerkrankungen beeinflussen das Risiko für eine Wechseloperation deutlich.

Ob Hausputz, Gartenarbeit oder Spazierengehen – während des Lockdowns zählt jede Bewegung!

Ob Hausputz, Gartenarbeit oder Spazierengehen – während des Lockdowns zählt jede Bewegung!
© LIGHTFIELD STUDIOS - stock.adobe.com

Die aktuellen Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie haben zur Folge, dass Bewegungsangebote wie Reha-Gruppen oder Aqua-Fitness nicht stattfinden. Fitnessstudios sind geschlossen. Auch Winter- und Vereinssport ist momentan nicht möglich. Nicht nur Menschen mit Diabetes Typ 1 oder Typ 2 fällt es aktuell schwer, sich weiterhin täglich ausreichend zu bewegen. Hinzu kommt, dass an den Weihnachtstagen und an Silvester traditionell ausgiebig geschlemmt wird. Doch körperliche Aktivität ist wichtig für den Stoffwechsel. Bereits zehn Minuten mehr...

Wie komme ich als Herzkranker gut durch den Winter?

Wie komme ich als Herzkranker gut durch den Winter?
© BillionPhotos.com - stock.adobe.com

Die Corona-Pandemie stellt den Alltag von Millionen Herz-Kreislauf-Patienten in Deutschland vor große Herausforderungen mit vielen Ängsten und offenen Fragen. Wie gefährlich eine COVID-19-Ansteckung bei bestehender Herz-Kreislauf-Erkrankung werden kann, variiert von Fall zu Fall. Zuverlässige Daten darüber, welche Auswirkungen Art und Schweregrad der Vorschädigung haben, gibt es zwar noch keine. Allerdings beläuft sich die Häufigkeit von Herz-Kreislauf-Komplikationen bei schweren Verläufen nach Schätzungen derzeit auf 5-10% der...

Das könnte Sie auch interessieren

Handhygiene stärken – Krankenhausinfektionen vermeiden

Handhygiene stärken – Krankenhausinfektionen vermeiden
© Picture-Factory / fotolia.com

Es ist die denkbar einfachste Hygienemaßnahme der Welt: das Händewaschen. Vielleicht wird seine Effizienz gerade deshalb oft unterschätzt. Anlässlich des Internationalen Tages der Händehygiene, den die WHO am 5. Mai begeht, erinnert die Deutsche Gesellschaft für Infektiologie (DGI) daran, dass eine sorgsame Händehygiene das mit Abstand wichtigste und effektivste Mittel ist, um die Übertragung und Ausbreitung von Infektionen zu begrenzen. Dies gilt nicht nur im Alltag, sondern gerade auch in Kliniken und Gesundheitseinrichtungen. Anstatt ineffiziente...

Erstes digitales DGU-Patientenforum

Erstes digitales DGU-Patientenforum
© Sebastian Kaulitzki / Fotolia.de

Auch in Zeiten digitaler Kongresse kümmert sich die Deutsche Gesellschaft für Urologie e.V. (DGU) um Patientinnen und Patienten: Statt der traditionell angebotenen Vor-Ort-Patientenveranstaltung anlässlich einer jeden DGU-Jahrestagung geht die PatientenAkademie der Fachgesellschaft neue Wege und bietet nun kostenlos und frei verfügbar das erste digitale Patientenforum in der Deutschen Urologie an. „Im Rahmen des 72. DGU-Kongresses, der vom 24. bis 26. September 2020 als Live-Stream aus dem Congress Center Leipzig gesendet wurde, haben wir 6 ausgewiesene Experten...

So kommen Senioren gut durch den Winter

So kommen Senioren gut durch den Winter
© ARochau / Fotolia.com

Im Winter neigen vor allem ältere Menschen dazu, sich zu Hause einzuigeln. Aber zu wenig an Bewegung, frischer Luft und Tageslicht können schnell das Immunsystem schwächen, den Stoffwechsel verlangsamen und aufs Gemüt schlagen. „Senioren sollten auch im Winter auf ausreichend Bewegung achten. Andernfalls haben sie es im Frühjahr deutlich schwerer, wieder in Schwung zu kommen“, sagt Klaus Möhlendick, Diplom-Sportwissenschaftler bei der BARMER GEK. Regelmäßige Bewegung ist deshalb so wichtig, weil sie den altersbedingten physiologischen...

Myome – Eine Ursache für unerfüllten Kinderwunsch

Myome – Eine Ursache für unerfüllten Kinderwunsch
© Sandra Thiele / fotolia.com

Myome sind die häufigsten gutartigen Tumore der weiblichen Geschlechtsorgane: Es wird geschätzt, dass zwischen 20 und 40 Prozent der Frauen im gebärfähigen Alter betroffen sind. Unter der Leitung von Prof. Dr. med. Jörg B. Engel und Dr. med. Eva Velten bietet das Myomzentrum am Krankenhaus Nordwest Betroffenen kompetente Beratung, modernste Diagnostik und zielgerichtete Behandlungsmöglichkeiten. Patientinnen, bei denen ein Myom der Grund für den unerfüllten Kinderwunsch ist, erhalten Unterstützung und Hilfestellungen.

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Bedrohliche Herzschwäche: Kann Eisentherapie helfen?"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der Medical Tribune Verlagsgesellschaft mbH - Geschäftsbereich rs media widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.


EILMELDUNGEN zu SARS-CoV-2 und COVID-19
  • COVID-19: CHMP empfiehlt Antikörpertherapie mit Bamlanivimab allein oder in Kombination mit Etesevimab
  • COVID-19: CHMP empfiehlt Antikörpertherapie mit Bamlanivimab allein oder in Kombination mit Etesevimab