Donnerstag, 25. Februar 2021
Navigation öffnen

Patientenbereich

14. Februar 2020 Coronavirus: Die Angst geht um

Das Coronavirus hält die Welt seit Wochen in Atem. Drastische Maßnahmen werden in China, aber zum Beispiel auch in Deutschland ergriffen, um die Ausbreitung der neuen Lungenkrankheit zu verhindern. Auch wenn das Kern-Infektionsgebiet Wuhan rund 8.300 Kilometer Luftlinie von Deutschland entfernt liegt: Bei vielen Menschen weckt das Ängste. So sind in hiesigen Apotheken beispielsweise vereinzelt Mund- und Atemschutzmasken ausverkauft. Michael Falkenstein, Experte für Psychologie von der KKH Kaufmännische Krankenkasse, erklärt, woher solche Ängste kommen und wie man sie in den Griff bekommt.
Anzeige:
Eigenwerbung
 
Herr Falkenstein, die Gefahr für die eigene Gesundheit ist nach wie vor gering, denn die deutschen Gesundheitsbehörden schützen die Bevölkerung systematisch vor Infektionsketten. Kein Grund zur Panik also. Dennoch sind viele Menschen beunruhigt, das neue Virus könne sich auch bei uns ausbreiten. Warum?
 
Das Coronavirus ist neu, und Neues ist oft angstbehaftet. Wir sind verunsichert, weil wir noch wenig über die Lungenkrankheit und deren Verlauf wissen. Eine schützende Impfung oder spezielle Therapie zur Behandlung gibt es noch nicht. Mögliche Risiken sind daher schwer einzuschätzen. Gegenbeispiel ist die Grippe. Daran erkranken laut Robert Koch-Institut (RKI) während einer saisonalen Grippewelle allein in Deutschland zwischen 2 und 14 Millionen Menschen, und sehr viele sterben daran. Solche Fakten über die Grippe sind uns bekannt. Und doch hat kaum jemand Angst vor einer Erkrankung, obwohl das Risiko hierfür laut Experten sehr hoch ist.
 
 
Ängste können Menschen krank machen. Sind sie grundsätzlich negativ?
 
Nein, ganz im Gegenteil. Ängste sind vom Ursprung her positiv und fest in unseren Genen verankert. Ein Beispiel: Wir sind auf einer extrem gefährlichen, engen, kurvenreichen Straße mit dem Auto unterwegs und haben Angst, die Kontrolle über unser Fahrzeug zu verlieren. Was geschieht? Wir werden vorsichtig, drosseln das Tempo und sind hochaufmerksam, um einen Unfall zu vermeiden. Genauso verhält es sich mit dem Coronavirus. Viele Menschen haben Angst, sich anzustecken. In der Folge meiden sie Personen, Gegenden oder Situationen, die ein Ansteckungsrisiko in sich bergen könnten. Angst ist ein Schutzmechanismus und die wichtigste Software, die uns Menschen in der Evolution gegeben wurde, um zu überleben.
 
 
Angst kann unmenschliche Formen annehmen. So gab es in einigen Städten bereits Situationen, in denen Menschen asiatischer Herkunft diskriminierend begegnet wurde, weil sie infiziert sein könnten. Darf Angst so weit gehen?
 
Sie sollte nicht so weit gehen. Dahinter steckt ein psychologisches Phänomen: Menschen nutzen Menschen als Projektionsfläche für die eigene Angst. Davor schützt sich und andere, wer sich über die richtigen Quellen gut informiert. Dann wird zum Beispiel klar, dass aktuell kein Grund zur Sorge besteht. 2 Tatsachen sollten in Sachen Coronavirus besonders beruhigen: Außerhalb Chinas kam es bislang kaum zu einer Weiterverbreitung des neuen Virus. Und: Nach Einschätzung von Experten verläuft die neue Lungenkrankheit in den meisten Fällen mild.
 
 
Seit die ersten Infektionsfälle mit dem Coronavirus in China bekannt wurden, berichten die Medien ständig darüber. Das schürt Ängste. Radio ausschalten und keine Zeitung mehr lesen, ist aber auch keine Lösung. Was raten Sie?
 
In der Tat können Medien Ängste forcieren. Zur Flut an Meldungen kommen bewusste Falschinformationen in den sozialen Netzwerken. Das trägt zu Verunsicherungen bis hin zu Panik bei. Jeder von uns kann selbst entscheiden, was er liest, hört und anschaut. Informiert zu sein ist gut und wichtig. Aber ich rate, die Informationen aus der tagesaktuellen Presse anzureichern mit Sachinformationen von Experten. Exemplarisch weise ich auf die Seiten des Bundesgesundheitsministeriums sowie des Robert Koch-Instituts hin, die gut verständlich über den Krankheitserreger, dessen Verbreitungsgebiet und Infektionsschutzmaßnahmen bei Verdachtsfällen Auskunft geben. Was Ängste vor einer Ansteckung noch im Zaum halten kann, sind präventive Maßnahmen, die laut RKI auch während der Grippezeit gelten. Dazu zählen strikte Händehygiene, Husten- und Nies-Etikette sowie Abstandhalten zu Erkrankten.
 

KKH - Kaufmännische Krankenkasse


Anzeige:
Eigenwerbung
 

Weitere Beiträge zum Thema

Endoprothesenregister Deutschland veröffentlicht erstmals Patienteninformation

Endoprothesenregister Deutschland veröffentlicht erstmals Patienteninformation

Die Publikation enthält zentrale Ergebnisse der Datenauswertung aus dem Jahresbericht 2020 – kurz und patientenverständlich zusammengefasst. Totalendoprothesen (vollständiger Ersatz des Gelenkes) stellen die am häufigsten verwendete Prothesenform bei Hüft- und Knieimplantationen dar. Bei künstlichen Kniegelenken wird zunehmend die Rückfläche der Kniescheibe ersetzt. Patientenbezogene Faktoren wie Alter, BMI oder Vorerkrankungen beeinflussen das Risiko für eine Wechseloperation deutlich.

Ob Hausputz, Gartenarbeit oder Spazierengehen – während des Lockdowns zählt jede Bewegung!

Ob Hausputz, Gartenarbeit oder Spazierengehen – während des Lockdowns zählt jede Bewegung!
© LIGHTFIELD STUDIOS - stock.adobe.com

Die aktuellen Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie haben zur Folge, dass Bewegungsangebote wie Reha-Gruppen oder Aqua-Fitness nicht stattfinden. Fitnessstudios sind geschlossen. Auch Winter- und Vereinssport ist momentan nicht möglich. Nicht nur Menschen mit Diabetes Typ 1 oder Typ 2 fällt es aktuell schwer, sich weiterhin täglich ausreichend zu bewegen. Hinzu kommt, dass an den Weihnachtstagen und an Silvester traditionell ausgiebig geschlemmt wird. Doch körperliche Aktivität ist wichtig für den Stoffwechsel. Bereits zehn Minuten mehr...

Wie komme ich als Herzkranker gut durch den Winter?

Wie komme ich als Herzkranker gut durch den Winter?
© BillionPhotos.com - stock.adobe.com

Die Corona-Pandemie stellt den Alltag von Millionen Herz-Kreislauf-Patienten in Deutschland vor große Herausforderungen mit vielen Ängsten und offenen Fragen. Wie gefährlich eine COVID-19-Ansteckung bei bestehender Herz-Kreislauf-Erkrankung werden kann, variiert von Fall zu Fall. Zuverlässige Daten darüber, welche Auswirkungen Art und Schweregrad der Vorschädigung haben, gibt es zwar noch keine. Allerdings beläuft sich die Häufigkeit von Herz-Kreislauf-Komplikationen bei schweren Verläufen nach Schätzungen derzeit auf 5-10% der...

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr als heiße Luft - Bei Sommerhitze die Ozonwerte im Auge behalten

Mehr als heiße Luft - Bei Sommerhitze die Ozonwerte im Auge behalten
© Thaut Images / Fotolia.com

Bei anhaltend hohen Temperaturen steigt auch die Ozonkonzentration in der Luft. „Das schädliche Gas kann bei empfindlichen Menschen die Augen reizen, Hustenanfälle auslösen oder Kopfschmerzen verursachen“, sagt Dr. Ursula Marschall. Die leitende Medizinerin bei der BARMER empfiehlt deshalb insbesondere älteren Menschen und chronisch Kranken bei hohen Ozonwerten körperliche Anstrengungen zu reduzieren.

Rauchstopp lohnt sich – trotz zusätzlicher Kilos auf der Waage

Rauchstopp lohnt sich – trotz zusätzlicher Kilos auf der Waage
© Oleg / fotolia.com

Wer darüber nachdenkt, mit dem Rauchen aufzuhören, sollte sich von einer möglichen Gewichtszunahme nicht abhalten lassen. Denn obwohl auch Übergewicht mit Gesundheitsrisiken verbunden ist, überwiegt der gesundheitliche Nutzen durch einen Nikotinverzicht noch immer deutlich. Das ist das Ergebnis einer umfangreichen US-Studie, die kürzlich in der renommierten Fachzeitschrift „New England Journal of Medicine“ erschienen ist. Die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin e. V. (DGIM) nimmt den Forschungsbericht zum Anlass, einmal mehr auf die...

So kommen Senioren gut durch den Winter

So kommen Senioren gut durch den Winter
© ARochau / Fotolia.com

Im Winter neigen vor allem ältere Menschen dazu, sich zu Hause einzuigeln. Aber zu wenig an Bewegung, frischer Luft und Tageslicht können schnell das Immunsystem schwächen, den Stoffwechsel verlangsamen und aufs Gemüt schlagen. „Senioren sollten auch im Winter auf ausreichend Bewegung achten. Andernfalls haben sie es im Frühjahr deutlich schwerer, wieder in Schwung zu kommen“, sagt Klaus Möhlendick, Diplom-Sportwissenschaftler bei der BARMER GEK. Regelmäßige Bewegung ist deshalb so wichtig, weil sie den altersbedingten physiologischen...

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Coronavirus: Die Angst geht um "

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der Medical Tribune Verlagsgesellschaft mbH - Geschäftsbereich rs media widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.


EILMELDUNGEN zu SARS-CoV-2 und COVID-19
  • Risikogruppen: Empfehlungen der STIKO
  • Risikogruppen: Empfehlungen der STIKO