Mittwoch, 22. Mai 2019
Navigation öffnen

Patientenbereich

07. Mai 2018 Handhygiene stärken – Krankenhausinfektionen vermeiden

Internationaler Tag der Handhygiene am 5. Mai

Es ist die denkbar einfachste Hygienemaßnahme der Welt: das Händewaschen. Vielleicht wird seine Effizienz gerade deshalb oft unterschätzt. Anlässlich des Internationalen Tages der Händehygiene, den die WHO am 5. Mai begeht, erinnert die Deutsche Gesellschaft für Infektiologie (DGI) daran, dass eine sorgsame Händehygiene das mit Abstand wichtigste und effektivste Mittel ist, um die Übertragung und Ausbreitung von Infektionen zu begrenzen. Dies gilt nicht nur im Alltag, sondern gerade auch in Kliniken und Gesundheitseinrichtungen. Anstatt ineffiziente Maßnahmen wie die Isolierung von Patienten durchzuführen, sollte die Verbesserung der allgemeinen Hygiene, insbesondere der Handhygiene, weiter vorangetrieben werden, so die Fachgesellschaft.
Mehrmals täglich die Hände mit Wasser und Seife zu waschen, wie es der Normalbevölkerung etwa während einer Grippewelle empfohlen wird – damit allein ist es im Krankenhaus nicht getan. „Hier sollten an allen relevanten Punkten Spender mit alkohol-basierten Händedesinfektionsmitteln zur Verfügung stehen“, sagt Professor Dr. med. Gerd Fätkenheuer, DGI-Präsident und Leiter der Infektiologie am Universitätsklinikum Köln. Aufgrund ihrer guten Wirksamkeit und Verträglichkeit könnten alkoholhaltige Waschlösungen die Rate von Infektionen im Krankenhaus deutlich reduzieren, wenn sie konsequent vor und nach jedem Patientenkontakt angewandt würden – dies konnten zahlreiche Studien in unterschiedlichen Settings nachweisen (1).
 
Eine stärkere Konzentration auf die allgemeine Hygiene, insbesondere die Handhygiene, sei effizienter als aufwändige und stigmatisierende Maßnahmen wie etwa die Isolation von Patienten mit Infektionen durch multiresistente Erreger, so Fätkenheuer. Solche Isolationsmaßnahmen kommen in Kliniken zum Beispiel bei MRSA-Patienten zur Anwendung. „Hier wird mit großem personellen und finanziellem Aufwand eine Maßnahme betrieben, die aber nur einen kleinen Ausschnitt des Problems adressiert – nämlich Infektionen durch multiresistente Staphylococcus aureus-Bakterien (MRSA)“, kritisiert Fätkenheuer. Zum einen blieben hierbei andere multiresistente Bakterien unberücksichtigt. „Zum anderen sind für den größten Teil der Infektionen in Kliniken nicht multiresistente, sondern nicht-resistente Erreger verantwortlich. So gehen etwa 85 bis 90 Prozent der durch Staphylococcus aureus verursachten Sepsis auf die nicht-resistente Form dieses Bakteriums zurück.“ Und die Annahme, dass Infektionen mit nicht-resistenten Erregern grundsätzlich weniger schwer verlaufen als Infektionen mit der resistenten Variante, sei wissenschaftlich widerlegt. (2,3)
 
Wie konsequent Handhygiene in Gesundheitseinrichtungen umgesetzt wird, variiert je nach Berufsgruppe und Fachgebiet. In einer Auswertung, die 109 deutsche Kliniken einbezog und 2016 im Journal of Hospital Infection veröffentlicht wurde, lagen die Complianceraten je nach Berufsgruppe zwischen 64 und 77 Prozent und je nach Fachrichtung zwischen 64 und 83 Prozent (4). Der in verschiedenen Untersuchungen am häufigsten angegebene Grund für die unzureichende Beachtung der Handhygiene sind Personal- und Zeitmangel. Aber auch unzureichendes Wissen, wann eine Händedesinfektion sinnvoll ist oder das Fehlen einer Sicherheitskultur innerhalb der Institution werden unter anderem als Gründe genannt.
 
„Konsequent umgesetzte Hygienemaßnahmen sind der mit Abstand effizienteste Weg, um die Übertragung von Erregern unterschiedlicher Art zu vermeiden. In ihre Verbesserung – von Aufklärung bis hin zur Personal- und Prozessplanung – sollten wir deshalb noch sehr viel mehr investieren, wenn wir die Problematik der Krankenhausinfektionen insgesamt adressieren wollen“, so Fätkenheuer.
 
Der internationale Tag der Handhygiene der WHO findet jährlich am 5. Mai statt. In diesem Jahr steht er unter dem Motto „It´s in your hands – prevent sepsis in health care“ (Es liegt in Eurer Hand – vermeidet Sepsis in der Krankenversorgung). Eine Sepsis, umgangssprachlich auch Blutvergiftung genannt, ist die schwerste Komplikationsform und häufigste Todesursache in Folge einer Infektion.

Deutsche Gesellschaft für Infektiologie e.V.

Literatur:

1. Händehygiene in Einrichtungen des Gesundheitswesens, Bundesgesundheitsbl 2016 · 59:1189–1220. DOI 10.1007/s00103-016-2416-6 https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/Krankenhaushygiene/Kommission/Downloads/Haendehyg_Rili.pdf?__blob=publicationFile
 
2. Yaw LK, Robinson JO, Ho KM: A comparison of long-term outcomes after meticillin-resistant and meticillin-sensitive Staphylococcus aureus bacteraemia: an observational cohort study. Lancet Infect Dis. 2014; 14: 967–75. https://www.thelancet.com/journals/laninf/article/PIIS1473-3099(14)70876-X/fulltext
 
3. Ericson JE, Popoola VO, Smith PB, Benjamin DK, Fowler VG, Benjamin DK Jr, Clark RH, Milstone AM: Burden of Invasive Staphylococcus aureus Infections in Hospitalized Infants. JAMA Pediatr 2015; 169: 1105–11. https://jamanetwork.com/journals/jamapediatrics/fullarticle/2449666
 
4. Wetzker W et al, Compliance with hand hygiene: reference data from the national hand hygiene campaign in Germany. Journal of Hospital Infection, Volume 92, Issue 4, April 2016, Pages 328-331. https://www.journalofhospitalinfection.com/article/S0195-6701(16)00093-1/fulltext


Weitere Beiträge zum Thema

Fleisch und Milchprodukte günstig, raffinierte Kohlenhydrate schlecht

Fleisch und Milchprodukte günstig, raffinierte Kohlenhydrate schlecht
© M.studio / fotolia.com

Eine Studie mit mehr als 218.000 Teilnehmern aus über 50 Ländern zeigt: Nicht nur Obst, Gemüse und Nüsse sind herzgesund und verlängern das Leben, sondern auch nicht-verarbeitetes Fleisch und Milchprodukte. Die konsumierte Menge raffinierter Kohlenhydrate sollte begrenzt werden. Diese Studienergebnisse dürfen allerdings nicht als Freibrief für exzessiven Konsum für Fleisch und fetten Käse gesehen werden, sondern als Plädoyer für eine ausgewogene Ernährung, sagen deutsche Kardiologen.

Mittelmeerdiät ist gesund – auch fernab mediterraner Gefilde

Mittelmeerdiät ist gesund – auch fernab mediterraner Gefilde
© Daniel Vincek / fotolia.com

Neue Analysen der EPIC-Potsdam-Studie zeigen, dass eine mediterrane Kost auch außerhalb des Mittelmeerraums das Risiko für Typ-2-Diabetes senken kann. Zudem können Menschen mit Gemüse, Obst, Olivenöl und Co wahrscheinlich zusätzlich ihr Herzinfarkt-Risiko verringern. Die Ergebnisse zum Zusammenhang von regionalen Diäten und chronischen Erkrankungen haben DIfE-Wissenschaftler im Rahmen des Kompetenzclusters NutriAct jetzt im Fachblatt BMC Medicine publiziert.

Häufiger Sauna-Besuch senkt Schlaganfallrisiko

Häufiger Sauna-Besuch senkt Schlaganfallrisiko
© BillionPhotos.com / fotolia.com

Gute Nachrichten für alle, die das ganze Jahr über in die Sauna gehen: Wer mehrmals wöchentlich sauniert, kann das Schlaganfallrisiko um bis zu 61 Prozent senken. Zu diesem Ergebnis kommen ForscherInnen der Medizin Uni Innsbruck und der Universität Ostfinnland in einer gemeinsamen Studie, die das Sauna-Verhalten von über 1.600 Männern und Frauen unter die Lupe genommen hat. Das renommierte Fachjournal Neurology berichtet.

Jeder vierte Patient erhält die Diagnose bereits als Kind

Jeder vierte Patient erhält die Diagnose bereits als Kind
© magicmine / Fotolia.com

„In Deutschland sind etwa 400.000 Menschen von den chronisch entzündlichen Darmerkrankungen (CED) Morbus Crohn und Colitis ulcerosa betroffen“, sagt der CED-Experte der niedergelassenen Magen-Darm-Ärzte, PD Dr. Bernd Bokemeyer. „Die Diagnose wird bei etwa einem Viertel der Patienten schon vor dem 18. Lebensjahr gestellt. Ein Viertel dieser erkrankten Jugendlichen hat seine Diagnose sogar schon vor dem zehnten Lebensjahr erhalten.“  

Darmkrebsmonat März: Alkohol ist ein wichtiger Risikofaktor für Darmkrebs

Darmkrebsmonat März: Alkohol ist ein wichtiger Risikofaktor für Darmkrebs
© karepa / Fotolia.com

Das Trinken von Alkohol ist gesellschaftlich breit akzeptiert, trotz der Risiken, die mit seinem Konsum einhergehen. Alkohol ist an der Entstehung von mehr als 200 Erkrankungen beteiligt, so die Autoren des Alkoholatlas Deutschland 2017. Leberschäden gehören dabei zu den weitgehend bekannten Folgen. Doch auch das Risiko für Darmkrebs steigt. Anlässlich des Darmkrebsmonats März macht die Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) darauf aufmerksam, dass auch der vergleichsweise moderate Konsum von Alkohol das...

Das könnte Sie auch interessieren

Wenn Verwandte von Krankheitserregern Gutes tun

Wenn Verwandte von Krankheitserregern Gutes tun
© science photo / fotolia.com

Es gibt Bakterien, die Wasserstoff und Naturstoffe produzieren, was sowohl für die Umwelt als auch für die Medizin wichtig ist. In Jena hat ein Forschungsteam nun die Fähigkeit zur Wasserstoff- und Naturstoffproduktion in einer Gruppe von Bakterien nachgewiesen, die bis dahin eher als Krankheitserreger bekannt waren. In Gemeinschaft mit einem methanproduzierenden Bakterium konnten diese Bakterien Milchsäure zu Methan umwandeln.

Diabetes – eine unterschätzte Herausforderung in der Pflege

Diabetes – eine unterschätzte Herausforderung in der Pflege
© Robert Kneschke / fotolia.com

Die stetig steigende Zahl an pflegebedürftigen Menschen mit Diabetes stellt eine wachsende Herausforderung dar. Mit dem Kompaktkurs „Basisqualifikation Diabetes Pflege DDG“ bietet die DDG praktische Hilfe und vermittelt Sicherheit bei der Pflege von Patienten mit Diabetes. Von der DDG qualifizierte Trainer bieten diese Kurse überregional an. Eine Liste der Trainer ist auf der Website abrufbar. Die Trainerteams verfügen sowohl über diabetologisch-ärztliche als auch über Diabetes beratende und pflegerische Qualifikationen. Die Fortbildung für...

Mit Online-Selbsthilfe von Selfapy Wege aus der Trauer finden

Mit Online-Selbsthilfe von Selfapy Wege aus der Trauer finden
© DREIDREIEINS Foto / Fotolia.com

Der Verlust eines geliebten Menschen – ganz gleich ob unvermittelt oder nach einem schweren Leidensweg – reißt Hinterbliebenen den Boden unter den Füßen weg. Nicht selten wird der Schmerz zur unerträglichen Belastung, die Trauer nimmt überhand und ein Gefühl von Hoffnungslosigkeit und Leere stellt sich ein, während der Alltag unerträglich wird. Das Online Selbsthilfe Portal Selfapy nimmt sich der Hilflosigkeit Betroffener an und zeigt Wege aus dem Kummer auf. Individuelle Kursangebote und das Erlernen spezieller Bewältigungsmechanismen helfen...

Arzneimittelbehörden rufen weltweit zur verstärkten Meldung von Nebenwirkungen auf

Arzneimittelbehörden rufen weltweit zur verstärkten Meldung von Nebenwirkungen auf
© nmann77 / fotolia.com

In einer gemeinsamen Kampagne fordern derzeit Arzneimittelbehörden weltweit Patientinnen und Patienten dazu auf, ihnen verstärkt Verdachtsfälle von Nebenwirkungen zu melden. Ein besonderer Fokus liegt in diesem Jahr auf dem Appell, Verdachtsfälle von Nebenwirkungen bei Kindern zu melden. Weitere Zielgruppen sind Schwangere sowie stillende Frauen, die eine sichere Anwendung von Arzneimitteln sowie die Meldung möglicher Nebenwirkungen sensibilisiert werden sollen. In Deutschland werden diese Meldungen durch das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte...

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Handhygiene stärken – Krankenhausinfektionen vermeiden"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.