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30. September 2020

Telemedizin: Offenheit und Unkenntnis der Ärzteschaft

Die Digitalisierung hat seit 2007, mit der Einführung des iPhones, durch die Nutzung des Smartphones den Alltag des Menschen in allen Bereichen penetriert. Sichtbarster Bereich, ohne dass dies besonders auffällt, ist die Wissens- und Faktenakquise. Benötigte man früher hierfür dicke Nachschlagewerke oder Zeitschriften in Papierform, geschieht dies heute durch Nachschlag auf „Google“ oder in anderen Suchmaschinen in
Sekundenschnelle.
 
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In einem umfassenden Artikel der Zeitschrift für Rheumatologie wurde über die Möglichkeiten und Einschränkungen von medizinischen Applikationen berichtet. Die Mehrzahl derselben wurde mit deutlichen Einschränkungen bewertet und das Fehlen relevanter Evaluation kritisiert. Im Rahmen einer aktuellen Erhebung wurde die Bereitschaft von Ärzten zur Telemedizin erfragt. Hierbei zeigte sich einerseits seitens der Ärzteschaft eine relative Offenheit den neuen Techniken gegenüber, andererseits aber ein Mangel an diesbezüglicher Information und spezifischem Wissen. Es fand sich aber die grundsätzliche Einschätzung, dass insbesondere der Austausch zwischen Haus- und Facharzt hierdurch verbessert werden könnte.

Telefon- und Videosprechstunde

Vergleichbar den Apps wird die Telesprechstunde öffentlich beworben. Hierbei ist die „Telefonsprechstunde“ als etabliert zu betrachten und hat seit vielen Jahren zur ergänzenden Beratung einen festen Stellenwert. Die Videosprechstunde, die neben der Überwindung der Distanz auch das Bild des Gegenübers ins Gespräch bringt, wird seit Verabschiedung des EHealth-Gesetzes 2015, unter anderem durch Gesundheitsminister Spahn, zunehmend propagiert.

Anstieg der Videosprechstunden seit der COVID-Pandemie

Im Rahmen der COVID-Pandemie kam es dann in der Zeit des Lock-Downs zu explosionsartigem Wachstum bei der Anzahl durchgeführter Videosprechstunden. Die Frequenz derselben hat allerdings nach dessen Aufhebung bereits wieder stark nachgelassen, wie Zahlen der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) belegen. Für welche Patienten Videosprechstunden in der Rheumatologie außerhalb der Corona-Pandemie geeignet sind, ist auf Initiative von Dr. Aries (Hamburg) aktueller Inhalt einer Diskussion innerhalb der Kommission „Digitale Rheumatologie“ unter Leitung von Frau Professor Richter (Düsseldorf) der DGRh, welche eine diesbezügliche Stellungnahme für die DGRh nach Freigabe durch deren Vorstand erarbeitet. Aktuell wurden bereits grundlegende Überlegungen zum Arbeitsgebiet der Digitalisierung in der Medizin mittels eines
Positionspapiers in der Zeitschrift für Rheumatologie publiziert.

Flexiblere Patientenbetreuung

Die Videosprechstunde ermöglicht Konsultationen auf Distanz in entlegene Gebiete. Sie öffnet die Möglichkeit, außerhalb der üblichen Mitarbeiter-assoziierten Sprechstunde Patienten zu betreuen. Zudem ergibt sich zum Beispiel die Möglichkeit einer Screening-Abstimmung mit zuweisenden Kollegen, um bereits im Vorfeld zu klären, welche Patienten tatsächlich fachärztlich rheumatologisch untersucht werden müssen. Möglicherweise kann die Compliance und Adhärenz unserer Patienten durch diese Form der ergänzenden Betreuung verbessert werden. Auch ist eine Optimierung des Tight-Control-Konzeptes hierdurch denkbar. Diese und weitere Einsatzmöglichkeiten sowie die klinische Einschätzung sollten beziehungsweise müssen vor oder mit deren Umsetzung wissenschaftlich evaluierend begleitet werden. Die alleinige Möglichkeit der Durchführung eines Verfahrens
ist nicht automatisch gleichwertig mit der notwendigen Qualität und Sorgfalt in der medizinischen Betreuung.

Rechtliche Absicherung

Die Videosprechstunde ist somit als ein Teil der Telemedizin mit den weiteren Bestandteilen, insbesondere den medizinischen Applikationen, in der zukünftigen Versorgung unserer Patienten zu betrachten. Das Digitale-Versorgung-Gesetz (DVG), Digitale Gesundheitsanwendungen (DiGAs) und die Digitale-Gesundheitsanwendungen-Verordnung (DiGAV) werden diese Entwicklung nicht nur rechtlich begleiten, sondern auch beschleunigen. Die hierbei auch geforderte weitere Evaluation der digitalen Möglichkeiten ist allerdings dringend notwendig.

Quelle: DGRh


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