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01. Juni 2017
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Diagnostik und Therapie der „Sportlerleiste“

Für den Leistenschmerz wird beim Sportler häufig die sog. Sportlerleiste verantwortlich gemacht, wobei dieser Begriff nicht präzise definiert ist. Gemeinhin wird unter der Sportlerleiste eine frühe Störung der Hinterwand der Leistenregion verstanden, also eine beginnende mediale Leistenhernie. In unmittelbarer Nachbarschaft der Leistenregion finden sich mit dem Hüftgelenk, dem Schambein, den Ansätzen der geraden und der schrägen Bauchmuskulatur sowie der Adduktorenmuskulatur weitere anatomische Strukturen, die einen Leistenschmerz auslösen können. Im Rahmen der Diagnostik müssen die verschiedenen Ursachen voneinander getrennt werden.
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Risikogruppen
 
Die Inzidenz des Leistenschmerzes bei Sportler ist mit ca. 15% hoch. Betroffen vom Leistenschmerz sind vor allem Kontaktsportler wie Fußballer, Eishockeyspieler, Handballer und Basketballer, gefolgt von Läufern. Der „Leistenschmerz“ gilt in der Sportmedizin damit, aufgrund seiner hohen Inzidenz und der sich dahinter verbergenden verschiedensten Ursachen noch immer als besondere diagnostische und therapeutische Herausforderung für den Arzt.
 
Abb. 1: Schematische Darstellung der Anatomie und der Leistenschmerz auslösenden Pathologien nach der DOHA Klassifikation (in: A. Weir, P. Bruckner, E. Delahunt et al. Doha agreement meeting on terminology and definitions in groin pain in athletes, Br J Sports Med 49 (2015) 768-774 (Abb. zur Verfügung gestellt  von Dr. med. Jens Krüger)
Schematische Darstellung der Anatomie und der Leistenschmerz auslösenden Pathologien

 
Die Doha-Klassifikation aus dem Jahr 2015 unterscheidet 6 Gruppen von Erkrankungen, die zum Leistenschmerz führen können (Abb.1). Diese sind:
 
  1. Leistenpathologien
  2. Schambeinpathologien
  3. M. iliopsoas Pathologien
  4. Adduktorenpathologien
  5. Hüftpathologien
  6. andere Pathologien
 
Betrachtet man die inguinalen Ursachen des Leistenschmerzes, um die es in dieser Übersicht gehen soll, genauer, so muss man ausgehend von der Leistenanatomie drei verschiedene Pathologien herausheben, die mit einem Leistenschmerz korreliert sein können. Dies sind:
 
  1. die Leistenbrüche,
  2. die Sportlerleiste,
  3. und die Neuralgien der Leistennerven.
 
Eine differentialdiagnostische Trennung zwischen der Neuralgie der Leistennerven und der Sportlerleiste ist dabei klinisch oftmals schwierig.
 
Definition
 
Unter einer Sportlerleiste wird ausgehend vom abdominal-chirurgischen Verständnis der Leistenregion und der dort adressierten Pathologie des Leistenbruchs, eine Frühform des medialen Leistenbruchs verstanden.
 
Allgemein hat man sich deshalb darauf geeinigt, von einer Sportlerleiste immer dann zu sprechen, wenn eine beginnende Instabilität der Hinterwand des Leistenkanals palpatorisch getastet oder im Ultraschall nachgewiesen werden kann.
 
Diese fasziale Instabilität im Bereich der Hinterwand des Leistenkanals (Abb. 2), so das pathologische Verständnis, verursacht eine Reizung der Leistennerven (N. genitofemoralis, N. ilioinguinalis) und ihrer Äste.
 
Abb. 2: Intraoperativer Befund einer Sportlerleiste (weißer Pfeil) mit deutlich darstellbarer Vorwölbung der Faszia transversalis. (© Bild: Dr. med. Jens Krüger)
Intraoperativer Befund einer Sportlerleiste


 
Symptomatik
 
Die Symptomatik der Sportlerleiste ist relativ gleichförmig. Es finden sich beim Sportler häufig Schmerzen im Bereich der Leistenregion mit Ausstrahlung in den Bereich des Schambeins und in den proximalen Anteil der Adduktoren. Hodenschmerzen sind möglich.
 
Ein doppelseitiger Leistenschmerz schließt als Ursache eine Sportlerleiste nicht aus, erscheint aber als klinisch wichtiger Hinweis im Rahmen der Diagnostik nach anderen Ursachen des Leistenschmerzes zu suchen.
 
Da Leisten- und Adduktorenschmerzen als unspezifische Symptome nicht nur bei einer Leistenerkrankung auftreten, muss im Rahmen der weiteren Diagnostik nach anderen relevanten Pathologien gesucht werden.
 
Diagnostik
 
Ziel der Diagnostik ist es, die inguinalen Ursachen des Leistenschmerzes von extrainguinalen Ursachen zu trennen. Zur Anwendung kommen neben der klinischen Untersuchung, der Ultraschall, das Röntgen und die MRT.
 
Klinische Untersuchung
 
Diese Untersuchung sollte muskuläre und knöcherne Ursachen eines Leistenschmerzes ausschließen.

Die klinische Untersuchung umfasst:
  1. muskuläre Tests der isometrischen Adduktion gegen Widerstand bei gestrecktem und gebeugtem Hüftgelenk (lift up Test, Squezze Test),
  2. die klinische Untersuchung der Hüftgelenke (IR/AR/Beugung/FADDIR Test),
  3. die Testung der Abduktion in Seitlage zur Aufdeckung einer Symphyseninstabilität,
  4. isometrische Tests der geraden und schrägen Bauchmuskulatur (sit up Test),
  5. die Untersuchung der Leistenregion mit Palpation der Ansätze der geraden Muskulatur am Schambein und der Adduktorenmuskulatur,
  6. und die Palpation des äußeren Leistenrings unter Valslavabedingungen.
 
Palpatorisch findet sich bei der Sportlerleiste ein seitendifferenter Schmerz bei der Palpation des äußeren Leistenrings und ein diskretes Anstoßphänomen der Faszia transversalis an den Zeigefinger des Untersuchers.

Allerdings kann die Diagnose der Sportlerleiste nicht allein auf der Palpation des äußeren Leistenrings beruhen, da das Ergebnis der Untersuchung von der Erfahrung des Untersuchers und dem Schmerzempfinden des Patienten abhängt.

 
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