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12. Januar 2021
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1 Jahr SARS-CoV-2-Pandemie: Virus – Impfstoffe – Medikamente

Seit einem Jahr hält die SARS-CoV-2-Pandemie die Welt in Atem – ein Jahr, in dem sich unser Verständnis von Nähe und Distanz, Reisen, Arbeiten, privaten Zusammenkünften fundamental verändert hat. Gleichzeitig haben sich neue Möglichkeiten ergeben, z.B. bei der Telediagnostik. Es ist Zeit, die Entwicklungen Revue passieren zu lassen und ein erstes Fazit zu ziehen: Was wissen wir inzwischen über das Virus, wo stehen wir hinsichtlich Impfstoffen und Medikamenten? Und was bedeutet das Virus für onkologische Patienten und ihre Therapien?
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Das Virus

Entstehung
Aus Sicht der Welt trat die Erkrankung COVID-19 im Dezember 2019 in der Stadt Wuhan, China, erstmals in Erscheinung. Als Krankheitserreger wurde das zur Familie der Coronaviren gehörige SARS-CoV-2 identifiziert, das in der Folge eine weltweite Pandemie auslöste. Als Ursprung wird die asiatische Fledermaus angenommen, die über einen Zwischenwirt letztlich das Virus auf den Menschen übertrug. Neuere Studien belegen anhand der Mutationsrate des Virus, dass es sich wahrscheinlich schon ab Mitte September 2019 erfolgreich unter Menschen ausbreiten konnte (1), sodass die Stadt Wuhan möglicherweise gar nicht der Ursprung, sondern nur einer der ersten Hotspots war. Diese These wird u.a. dadurch gestützt, dass der als Patient Null geltende 55-jährige Mann aus der Provinz Hubei, China, keinerlei Verbindung zu Wuhan aufweist. Auch einige frühe Fälle im November und Dezember 2019 in Frankreich konnten nicht mit Wuhan in Verbindung gebracht werden (2, 3).  

Übertragung
Als Übertragungsweg gelten Tröpfchen- und Aerosolinfektionen, auch wenn eine Verbreitung über Schmierinfektionen nicht ausgeschlossen werden kann. Während das Virus hitzeempfindlich ist, scheint eine Außentemperatur um die 4 Grad Celsius  für den Mikroorganismus ideal zu sein (4).

Mutationen
Mit 1 bis 2 Mutationen pro Monat mutiert das Virus vergleichsweise langsam – das Influenzavirus mutiert 2- bis 4-mal so häufig (5). Zu unterscheiden sind dabei „Stille Mutationen“, die sich wegen der Degeneration des genetischen Codes nicht auf die kodierten Proteine auswirken, und Mutationen, die sich auf den Phänotyp des Virus auswirken. Letztere deuten darauf hin, dass sich SARS-CoV-2 fortlaufend an den menschlichen Wirtskörper anpasst. Daher ist es für die Antikörper- und Impfstoffentwicklung entscheidend, herauszufinden, welche Teile der kodierten Proteine stabil bleiben (6). Inzwischen zirkulieren diverse Mutationen, so wurde in Großbritannien der Stamm B1.1.7. identifiziert, der als die bislang ansteckendste Virusvariante gilt.

Impfstoffe

Unmittelbar nach Veröffentlichung der RNA-Sequenz des Virus konnte mit der Impfstoffentwicklung begonnenen werden. Für Europa und weitere Teile der westlichen Welt passierte der mRNA-Impfstoff von Biontech/Pfizer als erster die Ziellinie und erhielt am 21. Dezember 2020 die bedingte Marktzulassung der EMA zur Anwendung bei Personen ab 16 Jahren (7). Die Zulassung erfolgte mit beispielloser Geschwindigkeit, die Anlass zur Sorge gibt: Die Entwicklung eines Impfstoffes ist ein langwieriges Unterfangen, das jahrelange klinische Testung notwendig macht, bis die Wirksamkeit des Präparates eindeutig nachgewiesen und die Gefahr unkontrollierbarer Nebenwirkungen oder Spätfolgen auf ein Minimum reduziert wurde. Andererseits stellt die Entwicklung des SARS-CoV-2-Impfstoffes einen Sonderfall dar, da zum einen auf das bestehende Wissen zu SARS-CoV-1 zurückgegriffen werden konnte, die Biontech-Wissenschaftler bereits im Januar 2020 angefangen hatten, ihr mRNA-Wirkprinzip für die Eignung als Impfstoff zu prüfen und der Wegfall bürokratischer Hürden die Entwicklung um Jahre beschleunigen konnte. Zudem wurde noch nie in der Geschichte der Impfstoffe ein derart hoher finanzieller Aufwand betrieben.
Wie die Begrifflichkeit „bedingte Marktzulassung“ bereits aussagt, fehlen Erfahrungen mit den Impfstoffen, um die vielen Unbekannten, die mit der schnellen Zulassung einhergehen, zu lösen: Wie lange sind geimpfte Personen vor einer Ansteckung geschützt? Kann die Impfung die Weitergabe des Virus verhindern? Gibt es Unverträglichkeiten mit bestimmten Medikamenten? Welche Rolle spielen Vorerkrankungen? Diese Fragen müssen nun während der flächendeckenden Durchimpfungen beantwortet werden. Mehr Zeit im Vorfeld konnte man sich nicht nehmen – zu groß war der politische und gesellschaftliche Druck angesichts einer weltweit wütenden Pandemie.
 
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