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12. Januar 2021
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Biontech/Pfizer
Die Kooperation von Biontech und Pfizer beschreitet mit dem mRNA-basierten Impfstoff BNT162b2 neue Wege. Anders als Vektorimpfstoffe enthält dieser Impfstoff keine viralen Proteine, sondern den Bauplan für das Spike-Protein des Coronavirus in einem Stückchen modifizierter Virus-mRNA, also nur die Informationen, die die Zellen benötigen, um das Spike-Protein zu produzieren, das die gewünschte Immunantwort auslöst. Nach Angaben der Hersteller entfaltet der Impfstoff nach 2-maliger Gabe innerhalb von 3 Wochen eine Wirksamkeit von rund 95%. Gelagert werden muss der Impfstoff bei -70 Grad Celsius, was zu großen logistischen Herausforderungen führt. Bereits mehrfach wurden allergische Reaktionen festgestellt. Ursächlich ist vermutlich Polyethylenglykol (PEG). Zwar traten in der Phase-III-Studie nur bei 0,62% der Probanden allergische Reaktionen auf, doch waren Patienten mit schweren Allergien von der Studie ausgeschlossen. Die noch fehlenden Daten zur Verträglichkeit stellen aktuell ein Sicherheitsrisiko dar, das schnellstmöglich beseitigt werden muss.

Moderna
Ein weiterer in der EU bedingt zugelassener Impfstoff stammt aus dem Hause Moderna (Zulassung: 06. Januar 2021 für Erwachsene ab 18 Jahren). Auch dieses Pharmaunternehmen setzt auf die mRNA-Technologie. Auch der Impfstoff mRNA-1273 erfordert 2 Gaben, im Falle Modernas allerdings innerhalb von 4 Wochen. Auch die Wirksamkeit ist mit Biontech vergleichbar und liegt bei 94,1%. Ein Unterschied zwischen verschiedenen Alterskohorten konnte nicht festgestellt werden. Das Nebenwirkungsprofil entspricht im Wesentlichen dem der Biontech-Pfizer-Kooperation. Deutliche Unterschiede bestehen allerdings hinsichtlich Lagerung und Preisniveau: Der Impfstoff von Moderna erfordert eine Lagerungstemperatur von lediglich -20 Grad Celsius.

AstraZeneca
Der von AstraZeneca entwickelte Impfstoff erhielt am 30. Dezember 2020 die Zulassung in Großbritannien, in der EU wird eine Zulassung Ende Januar/Anfang Februar 2021 erwartet. Das Pharmaunternehmen entwickelte einen Vektorimpfstoff, bei dem auf ein Erkältungsvirus des Schimpansen zurückgegriffen wurde. Das Gen des Virus wurde so modifiziert, dass es den Bauplan für die Produktion des SARS-CoV-2-Spike-Proteins enthält, das für die Vermehrung des Virus im Körper verantwortlich ist. Das Vektorverfahren gilt als erprobt und wirkungsvoll – auch der zum Schutz gegen Ebola angewandte Wirkstoff beruht darauf. Es wird derzeit von einem rund 70%-igen Schutz ausgegangen. Allerdings gibt es paradoxe Ergebnisse: Während bei einer hohen Startdosis die Wirksamkeit bei nur 62% liegt, entfaltet eine geringere erste Gabe einen Schutz von 90%. Möglicherweise verhindert die Immunreaktion auf die erste Dosis den Boostereffekt weiterer Dosierungen. Die Lagerung kann im Kühlschrank bei 2-8- Grad erfolgen.

Russland
Das Rennen um das „Wettimpfen“ hat Russland gewonnen, denn bereits am 06. Dezember 2020 wurde in der russischen Hauptstadt Moskau mit großangelegten Impfungen mit „Sputnik V“ begonnen. Nach 21 Tagen wird die Injektion der zweiten Dosis erforderlich. Auch „Sputnik V“ wird mit einer Wirksamkeit von 95% angegeben. Er basiert wie der Impfstoff von AstraZeneca auf Adenoviren, allerdings auf 2 unterschiedlichen Viren, was die Gefahr einer Antikörperbildung gegen den Vektor verhindert. Für die erste Dosis bildet das Adenovirus Typ 26 die Grundlage, für die zweite Dosis Typ 5. Diese Differenzierung könnte erklären, weshalb die Schutzwirkung in der klinischen Studie höher ausfiel als bei AstraZeneca.
Aus den USA und Europa gibt es Kritik an Russland aufgrund fehlender Phase-III-Studiendaten. Inwieweit diese Kritik gerechtfertigt ist, bleibt abzuwarten.

Laut WHO befinden sich derzeit weitere 63 Vakzine in der klinischen Phase, darunter 20 in Phase III. Noch einmal 172 befinden sich in der vorklinischen Entwicklung. Langzeitergebnisse zur Dauer der Wirksamkeit der Impfung und zur Sicherheit liegen für keinen der Impfstoffe vor.

In Deutschland werden die Impfungen – mit großem logistischen Aufwand und trotz erheblicher Lieferschwierigkeiten – seit 27.12.2020 mit den beiden bis dato zugelassenen mRNA-Vakzinen nach einem Stufenplan durchgeführt (8).
 

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