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01. Oktober 2019
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Chunks und Checks (3)

Wenn der Wissensstand des Patienten erhoben ist, ist der Arzt an der Reihe, sein Wissen an den Patienten weiterzugeben. Aber wie bereitet man komplexe Inhalte so auf, dass sie leicht verständlich sind und auch in Erinnerung bleiben? Der Schlüssel dazu ist, das Gespräch möglichst interaktiv zu gestalten: die Informationen in kleinen Häppchen (Chunks) zu verabreichen und – das Wichtigste – Pausen zu machen, um dem Patienten die Gelegenheit zu geben, den Bissen zu verdauen und Fragen zu stellen, sowie nach jedem Häppchen das Verständnis sicherzustellen (Checks).

Folgende Frage kann dazu dienen, das Verständnis zu überprüfen, ohne den Patienten vor den Kopf zu stoßen: „Das waren jetzt ganz schön viele Informationen. Ich bin mir nicht sicher, ob ich mich klar und verständlich ausgedrückt habe. Dürfte ich Sie bitten, in eigenen Worten zu wiederholen, was wir besprochen haben?

Damit übernimmt der Arzt voll und ganz die Verantwortung für das Verständnis – oder Unverständnis – seines Patienten. Wenn notwendig, kann bei dieser Gelegenheit falsch Verstandenes richtiggestellt oder noch einmal erklärt werden. Die Reaktion des Patienten auf diese Frage dient außerdem als Orientierungshilfe, wie weiter vorzugehen ist: ob es in diesem Moment mehr oder weniger Information braucht und welcher Art.
Gut für das Verständnis ist es, die Information von Anfang an klar zu strukturieren und in einer logischen Reihenfolge zu präsentieren. Dafür empfiehlt sich die Buchmetapher: Informationen werden wie in einem Buch aufbereitet: mit Überschrift, Hauptkapiteln und Unterkapiteln. Zum Beispiel: „Es gibt 3 Dinge, über die ich heute gerne mit Ihnen sprechen will: Erstens will ich Ihnen meine Vermutung mitteilen, womit wir es hier zu tun haben. Zweitens möchte ich Ihnen erklären, welche Untersuchungen noch gemacht werden müssen. Und drittens würde ich mit Ihnen gerne über mögliche
Therapieoptionen sprechen. Fangen wir mit dem ersten Punkt, der Diagnose, an ... Kommen wir zum dritten Punkt, den Therapieoptionen: Bei der Therapie gibt es 3 Säulen. Erstens ...“

Am Ende jeden Abschnitts sollte das Wichtigste nochmals kurz zusammengefasst werden, um die Informationen zu festigen. Dann geht es – unter Ankündigung und entsprechender Überleitung – zum nächsten Abschnitt weiter. Wichtig dabei ist, eine prägnante, leicht verständliche Sprache zu verwenden und Fachjargon zu vermeiden. Fallen dennoch medizinische Fachbegriffe, sollten diese erklärt werden. Zum besseren Verständnis können auch Diagramme, Modelle, schriftliche Unterlagen und Anleitungen herangezogen werden. Diese Hilfsmittel dürfen aber nicht als Ersatz für ein ausführliches Arzt-Patienten-Gespräch dienen.

Gemeinsames Verständnis erzielen

Es ist enorm wichtig, ein gemeinsames Verständnis zu erzielen, sowohl für die Arzt-Patienten-Beziehung als auch für die Compliance. Dies kann erreicht werden, indem die Informationen des Arztes mit dem Krankheitsmodell des Patienten bzw. mit seinen zuvor geäußerten Ideen, Sorgen und Erwartungen in Beziehung gebracht werden. So gelingt es viel eher, den Patienten ins Boot zu holen. Zum Beispiel: „Sie haben mir zuvor erzählt, dass Sie manchmal plötzlich Herzrasen bekommen und das Gefühl haben, keine Luft zu bekommen. Das ist sicherlich sehr besorgniserregend für Sie, und ich verstehe, dass Sie dabei an eine Herzerkrankung gedacht haben. Bei den Untersuchungen konnten wir allerdings nichts finden, das dazu passen würde. Deshalb glaube ich, dass wir in Richtung Panikattacken denken müssen.“

Das gemeinsame Verständnis lässt sich auch verbessern, indem man den Patienten dazu ermutigt, sich einzubringen: Fragen zu stellen, Überzeugungen und Zweifel zu äußern. Verbale und nonverbale Hinweise können extrem hilfreich sein und sollten aufgegriffen werden. Viele Patienten trauen sich zum Beispiel nicht, den Arzt bei seinen Ausführungen zu unterbrechen. Beobachtet man den Patienten genau, kann man anhand des Gesichtsausdrucks, einer kleinen Kopfbewegung oder eines leisen Seufzers erkennen, wenn er etwas nicht verstanden oder einen Einwand vorzubringen hat. Oft nimmt das Gespräch gerade dann die entscheidende Wendung, wenn so ein kleiner, auf den ersten Blick unbedeutender Hinweis des Patienten aufgegriffen und weiterverfolgt wird („Pick up the Cues!“).

Am Ende des Arzt-Patienten-Gesprächs geht es um die gemeinsame Entscheidungsfindung. Dafür sollten die eigenen Gedanken zu den Behandlungsoptionen in angemessener Weise mit dem Patienten geteilt werden. Selbstverständlich sind der Nutzen sowie die möglichen Nebenwirkungen und Risiken zu erläutern. Aber auch hier gilt es den Patienten aktiv mit einzubeziehen, nach seinen Ideen, Vorschlägen und Präferenzen zu fragen, den Patienten zu ermutigen und – soweit er das will – Entscheidungen mitzutreffen. Vorschläge bewähren sich besser als Anweisungen. So hat es z.B. wenig Sinn, einem neu diagnostizierten Diabetes-Patienten zu verordnen, mindestens 15 Kilo abzunehmen,
mehrmals pro Woche Sport zu betreiben, sich gesund zu ernähren und mit dem Rauchen aufzuhören. Stattdessen könnte man es so formulieren:
„Ernährung, Bewegung und generell ein gesunder Lebensstil sind bei Diabetes ganz wichtig. Was könnten Sie sich in einem ersten Schritt vorstellen, für Ihre Gesundheit zu tun?“ oder „Wäre es für Sie vorstellbar, in einem ersten Schritt kleinere Strecken zu Fuß zu gehen, die Sie sonst mit dem Auto fahren? Oder die Treppen zu nehmen, wo Sie sonst mit dem Lift oder der Rolltreppe fahren?“ Ziel ist es, einen beidseitig akzeptierten Plan zu entwickeln, der die Sorgen und Wünsche des Patienten berücksichtigt und somit bessere Chancen hat, umgesetzt zu werden.
 

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