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01. Oktober 2019
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Überbringen schlechter Nachrichten

Für viele Ärzte ist es eine große Herausforderung, schlechte Nachrichten überbringen zu müssen. Hier gilt es nicht nur, sehr komplexe und schwer zu verdauende Inhalte zu übermitteln, sondern auch und vor allem auf die aufkommenden Gefühle des Patienten einzugehen und die notwendige emotionale Unterstützung zu bieten. Ein 6-stufiges Protokoll namens SPIKES (4) kann dabei helfen, diesen Balance-Akt besser zu bewältigen.
 
  • Im 1. Schritt (S – Setting up the Interview) wird eine gute Gesprächsatmosphäre geschaffen: einen geeigneten Ort und Zeitpunkt wählen, für Ungestörtheit sorgen (Telefon oder Piepser lautlos stellen oder jemandem anderen überlassen), den Patienten über den Zeitrahmen informieren und – wenn gewünscht – Angehörige einladen. Natürlich sollte man die Befunde und Fakten gut kennen. Um sich mental auf das Gespräch vorzubereiten, empfiehlt es sich, einen Moment innezuhalten, bevor man sich in das Gespräch begibt.
  • Im 2. Schritt (P – Assessing the Patient’s Perception) wird erfragt, wie viel der Patient über seine medizinische Situation weiß und was bereits besprochen wurde.
  • Im 3. Schritt (I – Obtaining the Patient’s Invitation) geht es darum, sich vom Patienten klar den Auftrag für das Gespräch zu holen, z.B. mit der Frage: „Wir haben jetzt die Befunde bekommen, und ich würde diese gerne mit Ihnen besprechen. Ist es für Sie in Ordnung, wenn wir offen darüber reden?“ Die meisten Patienten wollen im Detail über ihre Erkrankung informiert werden und wünschen sich Ehrlichkeit und Klarheit hinsichtlich der Diagnose und Prognose, nur wenige wollen das nicht. Danach zu fragen macht es für den Arzt wesentlich einfacher, sich dieser schwierigen Situation zu stellen. Meist stellt sich erst im Verlauf des Gesprächs heraus, wie viel an Information der Patient im Moment überhaupt aufnehmen kann.
  • Der 4. Schritt des SPIKES-Protokolls (K – Giving Knowledge and Information to the Patient) ist der der Informationsvermittlung, des Erklärens. Oft ist es hilfreich, den Patienten mit einem einführenden Satz vorzuwarnen: „Ich habe leider schlechte Nachrichten für Sie.“ Im Prinzip gelten ansonsten all die Regeln, die bereits besprochen wurden: Informationen in kleinen Häppchen geben; immer wieder überprüfen, ob der Patient verstanden hat, was besprochen wurde; Zeit geben, Fragen zu stellen; Pausen zu machen und auszuhalten; Fachjargon zu vermeiden. Immer wieder ist darauf zu achten, ob der Patient überhaupt noch aufnahmefähig ist. Wenn nicht, kann der Vorschlag gemacht werden, das Gespräch an einem anderen Tag weiterzuführen.
  • Der 5. Schritt (E – Adressing the Patient’s Emotions with Empathic Responses) ist jener Schritt, der den Schlüssel einerseits für das Verständnis des Patienten, aber auch für die Arzt-Patienten-Beziehung und letztendlich für die Zufriedenheit der Ärzte im Gespräch darstellt: das Eingehen auf die Emotionen des Patienten, sprich die Gefühle des Patienten wahrzunehmen, anzusprechen und damit umzugehen: „Mir kommt vor, Sie sind gerade sprachlos“ oder „Ich sehe in Ihrem Blick Traurigkeit, Verzweiflung“. Zeigt der Patient keine Gefühlsregung, kann man ihm signalisieren, dass Emotionen in diesem Gespräch Platz haben, ihn motivieren, Emotionen zuzulassen. Mittlerweile weiß man, dass das adäquate Eingehen auf die Emotionen der Schlüssel für ein gelingendes Patientengespräch ist.
  • Der 6. Schritt (S – Strategy and Summary) dient dazu, gemeinsam eine Strategie zu entwickeln und eine Zusammenfassung des Gesprächs zu machen. Bevor über die Behandlung gesprochen wird, sollte jedoch sichergestellt werden, dass der Patient dazu bereit ist. Auch hier gilt es, den Patienten in den Entscheidungsprozess hinsichtlich unterschiedlicher Therapieoptionen einzubeziehen.
 

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