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01. November 2019
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Umfassende Aufmerksamkeit  

Die erste Dimension der Achtsamkeit (umfassende Aufmerksamkeit) erlaubt Patienten mit chronischen Lungenerkrankungen, sich von den unangenehmen Atemnot-Erfahrungen der unmittelbaren affektiven Antwort A1 (siehe MDP) zu trennen oder zu distanzieren.

Eine Asthma-Patientin beschreibt im Zustand der umfassenden Aufmerksamkeit beispielsweise alle Einzelheiten ihrer Atemnot-Erfahrung – jedoch „wie von oben“. Es gelingt ihr dadurch, nicht von automatischen negativen Gedanken bedrängt und in Panik versetzt zu werden.

Umfassende Aufmerksamkeit kann auch als „Panorama-Aufmerksamkeit“ interpretiert werden – im Gegensatz zu „Ein-Punkt-Aufmerksamkeit“. Patienten erliegen nicht dem Sog, alles außerhalb der Atemnot aus dem Blick zu verlieren und sich ganz mit der Atemnot-Erfahrung zu identifizieren.

Damit erlaubt die umfassende Aufmerksamkeit dem Patienten einerseits, die sensorische Dimension der Atemnot zu erfahren – und gleichzeitig durch die Weite der Aufmerksamkeit seine emotionale Antwort zu beeinflussen.

 
Pure, nicht-deutende Aufmerksamkeit  

Präsent sein, in der gegenwärtigen Wahrnehmung sein, ohne Gedanken und Bewertungen hinzuzufügen – das ist eine weitere wichtige Übung des MBCT für Patienten mit chronischen Lungenerkrankungen.

In der Studie schildert eine COPD-Patientin, wie sie im Zustand der puren Aufmerksamkeit ihre Atemnot wahrnimmt, ohne den Versuch, zu kämpfen oder zu verzweifeln: „Oh, es ist Atemnot – so ist es also!“ Ihre Aufmerksamkeit ist ohne Bewertung, ohne Aufregung, ohne Katastrophendenken und ohne Panik.

Pure, nicht-deutende Aufmerksamkeit kann manchmal sogar dazu führen, dass Patienten frühe Warnzeichen ihres Körpers entdecken, die auf eine beginnende Atemnot-Episode hinweisen.

Ein COPD-Patient nimmt in der Studie beispielsweise erstmals wahr, daß er seine Schultern hochzieht, was seine Brustenge erst verursacht und dann seine Panik auslöst. Er entdeckt auch, dass sich seine Brustenge löst, sobald er die Schultern herunterzieht.

Die pure, nicht-deutende Aufmerksamkeit beeinflusst (mit Blick auf das MDP-Modell) sowohl die unmittelbare Wahrnehmungs-Dimension, als auch die Ebene der emotionalen Antwort im Bereich der langfristigen Verhaltensänderungen.

Umfassende Aufmerksamkeit  

Eine subtile Herangehensweise erfordern die Übungen zur Atem-Wahrnehmung im MBCT (wie z.B. 3-Minuten-Atem-Raum). Patienten mit chronischen Lungenerkrankungen lernen bei diesen Übungen ihren Atem möglicherweise auf eine Art kennen, wie sie ihn noch nie erfahren haben – nämlich jenseits der normalen anatomischen Atemwegs-Strukturen (Luftröhre, Lungenflügel). So wird die Atem-Erfahrung beispielsweise auf Bauch, Becken und Rücken ausgedehnt.

Manchmal erleben Patienten die Aufmerksamkeit auf den Atem als unangenehm. Dann kann die „Umleitung“ der Wahrnehmung auf entlegenere Körperteile (z.B Knie, Füße) hilfreich sein. Auch durch die „Body Scan“-Übung wird die Aufmerksamkeit weg von Grübeln und Katastrophendenken (an Brustenge und Atemnot) auf andere Bereiche des Körpers (Arme, Beine) gelenkt.

Im Sinne des MDP-Modells nimmt die Ausweitung und „Umleitung“ der Aufmerksamkeit Einfluß auf die Wahrnehmungs-Dimension der Atemnot und verändert dadurch die unmittelbare emotionale Reaktion.
 

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