Dienstag, 26. Januar 2021
Navigation öffnen

SchwerpunktDezember 2020

03. Dezember 2020
Seite 3/7

Anzeige:
OFEV
OFEV


Erworbene chronische Pankreatitis

Eine Metaanalyse aus dem Jahr 2017, für die 13 Studien analysiert wurden, zeigte als Ergebnis, dass das Risiko für die Entwicklung eines PDAC aus einer cP 16-fach und bei Vorliegen des Risikofaktors Rauchen 25-fach erhöht ist (22). Die Differenzierung zwischen einer cP und einem PDAC sowie die Detektion eines Karzinoms innerhalb einer cP stellt häufig eine diagnostische Herausforderung dar. Die zugrunde liegenden Krankheitsmechanismen zwischen einer cP und der Entwicklung eines PDAC konnten noch nicht vollständig aufgeklärt werden. Im Mausmodell konnte gezeigt werden, dass die Induktion einer akuten Pankreatitis über Aktivierung einer onkogenen KRAS-Mutation zu einer beschleunigten Entwicklung eines PDAC führt (23). Es wird angenommen, dass bei chronischer Inflammation Zytokine und reaktive Sauerstoffradikale gebildet werden, die über eine Akkumulation von DNA-Schäden zu einer malignen Transformation führen. Die Karzinogenese wird dabei als multifaktorieller Prozess verstanden, der durch Inflammation, genetische Faktoren und Umweltfaktoren beeinflusst wird (24).

Hereditäre Pankreatitis

Bei der hereditären Pankreatitis besteht das höchste kumulative Risiko, ein PDAC zu entwickeln. Gegenüber einer entsprechenden Vergleichspopulation geht man von einem kumulativen Risiko für die Entwicklung eines PDAC zwischen 7,2% und 18,8% aus (14, 25), wobei die Datenlage sehr heterogen ist. Das Risiko nimmt dabei mit zunehmendem Alter und Risikofaktoren wie Nikotinkonsum deutlich zu. Das relative Risiko für ein PDAC beträgt in einer aktuellen Metaanalyse für eine chronische Pankreatitis 13,3 (95%-KI: 6,1-28,9%) und 69 für eine hereditäre Pankreatitis (95%-KI: 56,4-84,4) (26). Das Lebenszeitrisiko für die Entwicklung eines PDAC liegt dabei bei ca. 40% (27, 28). Insgesamt ist die Mortalität bei einer hereditären Pankreatitis ohne PDAC im Vergleich zur Normalbevölkerung nicht wesentlich erhöht (29). Die Entwicklung eines PDAC stellt den ungünstigsten Prognosefaktor dar.

Herausforderungen in der Differentialdiagnose cpP und PDAC

Klinische Betrachtung
Die klinische Differenzierung zwischen Beschwerden, die durch eine cP oder durch ein PDAC hervorgerufen werden, kann oft schwierig sein. Typischerweise stellen gürtelförmige Oberbauchschmerzen mit Ausstrahlung in den Rücken das Hauptsymptom der cP dar. Dabei kann die Schmerzsymptomatik rezidivierend auftreten, postprandial exazerbieren oder kontinuierlich bestehen. Mit der Erkrankungsdauer nimmt die Schmerzintensität häufig ab, was als „burn out of pain“ bezeichnet wird. Auch beim PDAC finden sich gehäuft unspezifische Symptome wie abdominelle Schmerzen, Rückenschmerzen, Inappetenz oder Gewichtsverlust, sodass anhand des klinischen Erscheinungsbildes keine Unterscheidung zwischen cP und PDAC getroffen werden kann.
Die endokrine Insuffizienz kann durch eine Dysfunktion und einem Untergang von Langerhans-Inseln zu einem pankreopriven Diabetes mellitus (DM) führen. Einerseits kann sowohl die cP als auch das PDAC zur Entwicklung eines pankreopriven DM führen, andererseits stellt der DM Typ 2 auch einen eigenständigen Risikofaktor für die Entwicklung eines PDAC dar (30). Bei ca. 50% aller neu diagnostizierten Pankreaskarzinome liegt ein DM vor und bei 74% der Patienten ist der DM in den letzten 2 Jahren vor Diagnose neu diagnostiziert worden (31). Es konnte gezeigt werden, dass ein über längere Zeit bestehender DM das Risiko, ein PDAC zu entwickeln, um ca. 50% erhöht (32). Ca. 1% der ≥ 50-jährigen Patienten mit Erstdiagnosen eines DM entwickeln innerhalb der folgenden 3 Jahre ein Pankreaskarzinom (33). Daher sollte besonders bei Erstdiagnose des DM ab einem Lebensalter von 50 Jahren eine Abklärung hinsichtlich eines Pankreaskarzinoms erfolgen.
Unter exokriner Pankreasinsuffizienz versteht man die funktionelle Einschränkung der Pankreasenzym- und Bikarbonatsekretion, die zu typischen Symptomen wie abdominellen Beschwerden, Steatorrhoe, Meteorismus, Maldigestion und damit einhergehenden Malnutrition mit Gewichtsverlust führt. Die exokrine Insuffizienz kann sowohl bei der cP als auch beim PDAC auftreten.
 

Anzeige:
Adakveo
 

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Chronische Pankreatitis: Risikofaktor für Pankreaskarzinome"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der Medical Tribune Verlagsgesellschaft mbH - Geschäftsbereich rs media widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.


EILMELDUNGEN zu SARS-CoV-2 und COVID-19
  • COVID-19-Impfstoffkandidat JNJ-78436735 zur 1x-Gabe: Interimsdaten der Phase 1/2a
  • COVID-19-Impfstoffkandidat JNJ-78436735 zur 1x-Gabe: Interimsdaten der Phase 1/2a