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SchwerpunktMärz 2020

01. März 2020
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RKI-Pressekonferenz am 28.2.2020

Der Vizepräsident des Robert-Koch-Instituts (RKI), Prof. Dr. Lars Schaade, hat bei einer Pressekonferenz am 28.2.2020 Fragen zur aktuellen Situation in Deutschland, Risikobewertung, Infektionsschutzmaßnahmen und zum ambulanten Management von Verdachtsfällen beantwortet:

Wie hoch ist das Risiko einer Infektion?

Zwar handelt es sich auf globaler Ebene um eine sich dynamisch entwickelnde und ernst zu nehmende Situation, doch für Deutschland besteht eine weiterhin als mäßig eingeschätzte Gefahr, auch wenn eine Ansteckung über importierte Fälle, weitere Einzelfälle und Infektionsketten und auch Ausbrüche möglich sind. Dennoch muss mit einem Import weiterer Fälle nach Deutschland gerechnet werden. Zurzeit scheint es aber in Deutschland kein breites Geschehen zu geben. Trotzdem gelangt das RKI zu der Einschätzung, dass die Gefahr für die Gesundheit der deutschen Bevölkerung aktuell gering bis mäßig ist. Eine weltweite Ausbreitung des Erregers ist jedoch wahrscheinlich.

Welche Schutzmaßnahmen empfehlen Sie Einzelpersonen?

Man kann es nicht oft genug sagen: Ganz wichtig ist die Einhaltung der Husten-und-Nies-Etikette. Diese inkludiert die Benutzung wegwerfbarer Taschentücher bei Husten oder Niesen, das anschließende Wegwerfen sowie das Händewaschen. Sollte das nicht möglich sein, ist es günstig, sich beim Husten oder Niesen wegzudrehen und in die Ellenbeuge zu husten oder zu niesen. Generell ist häufiges Händewaschen eine sinnvolle und wirksame Maßnahme. Darüber hinaus sollte generell zu anderen Menschen Abstand gehalten und das häufige Anfassen des Gesichtes vermieden werden, damit der Weg von den Händen zu den Schleimhäuten möglichst reduziert wird.
Jeder Mensch fasst sich am Tag im Schnitt 200 Mal ins Gesicht. Das zu reduzieren, kann man üben. Die Bundesbehörden bieten auf ihren Seiten weitere Informationen, z.B. die Seiten des RKI oder der Bundezentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA).
Hingegen nicht zu empfehlen ist die Nutzung von Desinfektionsmitteln – weder im Alltag noch in dieser speziellen Situation. Auch vom Tragen von Gesichtsmasken und Nasenschutz rät das RKI ab. Das RKI begründet dies mit der Gewöhnlichkeit des Virus, wogegen Wasser und Seife ausreichen und dem Fehlen jeder wissenschaftlichen Evidenz, dass das Tragen von Masken oder Nasenschutz einen zusätzlichen Schutz bietet.
Handy und Computertastasturen sollten ebenfalls regelmäßig gereinigt werden.

Krankheitsverlauf: Wann ist eine Infektion überstanden?

Hierbei ist zu unterscheiden zwischen dem normalen, unkomplizierten Krankheitsverlauf, der dem einer normalen, eher milden Erkältung sehr ähnlich ist – hier kann man davon ausgehen, dass eine solche Erkrankung nach 10-14 Tagen abgeschlossen ist; erste Tests ergeben, dass das Virus dann auch nicht mehr in den oberen Atemwegen produziert und verbreitet wird. Es gibt aber einen Teil der Fälle, der nach etwa 9 Tagen mit einer Verschlechterung einhergeht, das sind die schwereren Krankheitsverläufe. Dabei kann sich die Genesung zwischen 3 und 6 Wochen hinziehen. Das ist aber nicht die Mehrheit der Fälle. Meistens verläuft die Erkrankung mild und ist bei 80-85% der Erkrankten nach 10-14 Tagen überstanden.

Welche Empfehlungen würden Sie an Ärzte aussprechen?

Verdachtsfälle sollten umgehend diagnostisch abgeklärt werden. Bis die endgültigen Untersuchungsergebnisse vorliegen, können leicht erkrankte Personen ohne Risikofaktoren für Komplikationen – Immunsuppression, Schwangerschaft, hohes Alter, relevante chronische Grunderkrankungen – in das häusliche Umfeld zurückkehren, allerdings unter der Bedingung, dass eine ambulante Betreuung durch einen Arzt gewährleistet ist.
Die Betreuung umfasst den telefonischen oder persönlichen Kontakt zum Patienten sowie die Aufklärung des Patienten und seiner Angehörigen hinsichtlich Hygienemaßnahmen, um eine Weitergabe an gesunde Kontaktpersonen zu vermeiden. Auch über das richtige Verhalten, sollte sich der Zustand des Patienten verschlechtern, oder Kontaktpersonen plötzlich Symptome zeigen, ist unbedingt genau zu informieren.
Ideal ist – sofern Ihre Räumlichkeiten es zulassen – die Einrichtung eines separaten Wartebereichs in Ihrer Praxis oder auch ein separater Eingang durch eine Nebentür. Auch besteht die Möglichkeit, die Sprechstunde für Atemwegserkrankungen an das Ende der Sprechzeiten zu legen oder sich einen bestimmten Nachmittag dafür zu nehmen.

     Konkrete Empfehlungen, die Sie als Arzt betroffenen Personen geben sollten:

1. Unterbringung und Kontakte
 
  • Stellen Sie nach Möglichkeit eine Einzelunterbringung in einem gut belüftbaren Einzelraum/Zimmer sicher. Empfohlen ist regelmäßiges Lüften in allen Räumen, in denen Sie sich aufhalten.
  • Begrenzen Sie die Anzahl und Enge Ihrer Kontakte bestmöglich, insbesondere gegenüber Personen, die einer Risikogruppe angehören (Immunsupprimierte, chronische Kranke, ältere Personen, Schwangere). Empfangen Sie keinen unnötigen Besuch.
  • Haushaltspersonen und eventuelle Besucher sollten sich in anderen Räumen aufhalten oder, falls dies nicht möglich ist, einen Mindestabstand von mindestens 1-2 Meter zu Ihnen einhalten. Alternativ: die Nutzung gemeinsamer Räume sollte auf ein Minimum begrenzt werden und möglichst zeitlich getrennt erfolgen.
  • Stellen Sie sicher, dass Räume, die von mehreren Personen genutzt werden (z.B. Küche, Bad) regelmäßig gut gelüftet werden.
2. Hygienemaßnahmen

Wie bei Influenza und anderen akuten Atemwegsinfektionen schützen Husten- und Nies-Etikette, gute Händehygiene sowie Abstand zu solchen Erkrankten (ca. 1-2 Meter) auch vor einer Übertragung des neuartigen Coronavirus.

Händehygiene:
 
  • Händehygiene sollte vor und nach der Zubereitung von Speisen, vor dem Essen, nach dem Toilettengang und immer dann durchgeführt werden, wenn die Hände sichtbar schmutzig sind. Führen Sie die Händehygiene mit Wasser und Seife durch.
  • Bei Verwendung von Wasser und Seife sind Einweg-Papiertücher zum Trocknen der Hände das Mittel der Wahl. Wenn nicht verfügbar, verwenden Sie Handtücher und tauschen Sie diese aus, wenn sie feucht sind.
  • Gesunde sollten nicht dieselben Handtücher verwenden wie Erkrankte.
Husten- und Nies-Etikette:

Husten- und Nies-Etikette sollte jederzeit von allen, insbesondere von kranken Personen, praktiziert werden. Sie umfasst das Abdecken von Mund und Nase während des Hustens oder Niesens mit Taschentüchern oder gebeugtem Ellbogen, gefolgt von Händehygiene.
 
  • Entsorgen Sie Materialien, die zum Abdecken von Mund oder Nase verwendet werden, oder reinigen Sie sie nach Gebrauch entsprechend.
  • Taschentücher und andere Abfälle, die von kranken Personen oder bei der Pflege von kranken Personen erzeugt wurden, sollten vor der Entsorgung mit anderem Hausmüll in einem mit einer Auskleidung versehenen Behälter im Krankenzimmer aufbewahrt werden.
3. Vorgehen bei akuter Zunahme der Beschwerden

Ihr ambulant betreuender Arzt sollte gemeinsam mit Ihnen das Vorgehen im Falle einer notfallmäßigen bzw. außerhalb der üblichen Erreichbarkeiten eintretenden, akuten Zunahme Ihrer Beschwerden im Vorhinein festlegen. Dieses sollte sowohl das aufnehmende Krankenhaus, die mitzuführenden Unterlagen als auch das geeignete Transportmittel dorthin umfassen.
 

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