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01. Juni 2020
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Männer und Frauen sollten nicht mehr als Untergruppen in den Studien betrachtet werden, sondern als biologisch unterschiedliche Gruppen. Die Geschlechteraspekte in der Uro-Onkologie betreffen z.B. auch Urothelkarzinome. Frauen leiden sehr viel häufiger unter Harnwegsinfekten, sodass Veränderungen im Urin aus diagnostischer Sicht oft lange Zeit rezidivierenden Harnwegsinfekten zugeordnet werden, wodurch die Krebsdiagnose erst später gestellt wird. Obwohl die Inzidenz des Harnblasenkarzinoms beim Mann etwa 4-fach höher liegt, ist die Prognose beim Harnblasenkarzinom für die Frau ungünstiger. Möglicherweise liegt der Unterschied zusätzlich im Effekt des Rauchens, da Frauen gegenüber der Noxe Tabak empfindlicher reagieren und aggressivere Tumoren ausbilden. Während strahlentherapeutische Serien einen Nachteil für Patientinnen zeigen, gleichen sich die Ergebnisse von Frauen und Männern in neueren Zystektomie-Studien an. Bei der Harnableitung bestehen jedoch unterschiedliche Bedürfnisse, welche in die urologische Therapieplanung eingehen müssen.

Die beschriebenen biologischen Geschlechtsunterschiede sind letztlich wiederum nur ein Teil der Erklärung für die Geschlechtsunterschiede bei urologischen Erkrankungen, der Tumorentstehung, dem Verlauf und der Prognose. Bis es möglich sein wird, eine vollständig individualisierte Therapie allen Menschen anzubieten, sollte doch jetzt die Beachtung der Geschlechtsunterschiede in die Routine übergehen. Eine Tumortherapie schließt immer vielfältige therapeutische Ansätze in das Gesamtkonzept ein. Denken Sie an die kulturell bedingten unterschiedlichen Expositionen gegenüber Schadstoffen wie Noxen aus dem Arbeitsumfeld und allen voran der Tabakabusus. Kommunikation im Sinne von „health literacy“ und Zugang zu medizinischer Versorgung sind weitere Themen, mit denen sich die Gendermedizin beschäftigt, um den unterschiedlichen Umgang mit Symptomen zu verstehen, gerade dann, wenn der späte Zeitpunkt der Erstvorstellung in einer ärztlichen Praxis einen Einfluss auf Zeitpunkt der Diagnose, Compliance und letztlich Ergebnis der Therapie haben kann.

 
Ute Seeland
Ute Seeland
Dr. Ute Seeland

Institut für Geschlechterforschung
in der Medizin
Charité – Universitätsmedizin Berlin
Literatur:

(1) Dunford A et al. Tumor-suppressor genes that escape from X-inactivation contribute to cancer sex bias. Nat Genet 2017; 49: 10-16.
(2) Carè A et. al. Sex disparity in cancer: roles of microRNAs and related functional players. Cell Death Differ 2018; 25: 477-485.
(3) Klein SL et al. Sex differences in immune responses. Nat Rev Immunol 2016; 16: 626-38.
(4) Zhou C et al. PD-L1 expression as poor prognostic factor in patients with nonsquamous non-small cell lung cancer. Oncotarget 2017; 8: 58457-68.
(5) Conforti F et al. Cancer immunotherapy efficacy and patients‘ sex: a systematic review and meta-analysis. Lancet Oncol 2018; 19: 737-746.

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