Dienstag, 25. Juni 2019
Navigation öffnen
Anzeige:

SchwerpunktJuni 2019

01. Juni 2019
Seite 1/2
Spinalkanalstenose: Entstehung – Diagnostik – Behandlungsoptionen

Die Spinalkanalstenose bezeichnet eine, meist durch degenerative Veränderungen hervorgerufene, Einengung des Spinalkanals. Prof. Dr. med. Dr. h.c. Joachim Grifka, Direktor der Orthopädischen Klinik für die Universität Regensburg im Asklepios Klinikum Bad Abbach, erläutert im Interview mit www.journalmed.de Entstehung, Diagnostik und Behandlungsoptionen.
1. Was sind die anatomischen Zeichen einer Spinalkanalstenose, wie wird sie definiert?

Der Terminus „Spinalkanalstenose“ beschreibt eine Einengung im Wirbelkanal. Der Wirbelkanal wird von den Wirbelkörpern und den dazugehörigen Wirbelbögen gebildet. In ihm verläuft das Rückenmark und im Bereich der Lendenwirbelsäule die einzelnen Nervenfasern in einem Wurzelschlauch. In jeder Bandscheibenetage gehen rechts und links die Nerven seitlich ab, die im Bereich der unteren Lendenwirbelsäule in die Beine verlaufen, z.B. der Ischias-Nerv, der aus je 2 Wurzeln gebildet wird. Wenn der Kanal zunehmend eingeengt ist, kann es zur Bedrängung oder gar Kompression einzelner Nervenwurzeln kommen.

2. Wie entsteht die Spinalkanalstenose?

Die Einengung des Wirbelkanals rührt von einer Vergrößerung der knöchernen Strukturen oder auch der Kapseln der kleinen Wirbelgelenke und der Bandverbindungen. Diese Vergröberungen der Strukturen sind typischerweise degenerative Veränderungen. Sie entstehen also in aller Regel im Laufe des Lebens.

Bei mechanischen Instabilitäten, beispielsweise Gefügelockerungen im Bereich der Bandscheibenetage, kann es ebenso zu der knöchernen und bandmäßigen Verstärkung kommen, die für Stabilität in der Wirbelsäule sorgt und zugleich die Einengung des Wirbelkanals bedingt. Typischerweise entstehen die Einengungen des Wirbelkanals im Bereich der unteren Halswirbelsäule und vor allem im Bereich der unteren Lendenwirbelsäule. Dort ist insbesondere die vorletzte Bandscheibenetage (L4/L5) betroffen. Auch die angrenzenden höher liegenden Etagen können sich bei fortgeschrittenen Veränderungen einengen. Im Bereich der untersten Etage ist in der Regel anlagebedingt etwas mehr Platz. Hier kommt es seltener zu Einengungen.

3. Unter welchen Symptomen leiden Betroffene?

Bei der klassischen Spinalkanalstenose der Lendenwirbelsäule kommt es durch die Einengung der abgehenden Nerven zu Taubheitsgefühl und Schwäche in den Beinen. Ähnlich wie bei der „Schaufensterkrankheit“ (periphere Arterielle Verschlusskrankheit, pAVK) – Betroffene bleiben nach einigen Schritten stehen, bevor sie dann wieder weitergehen können – kommt es durch die Einengung des Wirbelkanals zu einer solchen Limitierung der Gehstrecke. In den Beinen ist ein diffuses Taubheitsgefühl zu spüren, und die Muskulatur ermüdet schon nach kurzer Gehstrecke. Wenn Betroffene aus dem Hohlkreuz, das im Stehen und Gehen besteht, etwas herauskommen, indem sie beispielsweise sitzen oder sich mit dem Oberkörper nach vorne lehnen und mit den Armen auf den Beinen abstützen, dann erweitert sich der Kanal. Die Nerven erholen sich wieder etwas, und die Betroffenen können dann wieder einige Schritte, z.B. 100m, gehen.
 
Vorherige Seite

Das könnte Sie auch interessieren

Jetzt gegen Grippe impfen lassen

Jetzt gegen Grippe impfen lassen
© Eisenhans / Fotolia.com

Die vergangene Grippesaison 2016/2017 sorgte in Deutschland für rund sechs Millionen Infektionen. Wer sich diesen Winter vor einer Grippe schützen möchte, sollte sich jetzt impfen lassen. „Der Körper benötigt nach der Grippeimpfung rund zwei Wochen, bis ein ausreichender Virenschutz aufgebaut ist. Wer sich rechtzeitig auf das größte Ansteckungsrisiko vorbereiten will, sollte also jetzt zum Arzt gehen“, sagt Dr. Ursula Marschall, leitende Medizinerin bei der BARMER. Insbesondere ältere Menschen mit Risiko für einen schweren...

Wenn Verwandte von Krankheitserregern Gutes tun

Wenn Verwandte von Krankheitserregern Gutes tun
© science photo / fotolia.com

Es gibt Bakterien, die Wasserstoff und Naturstoffe produzieren, was sowohl für die Umwelt als auch für die Medizin wichtig ist. In Jena hat ein Forschungsteam nun die Fähigkeit zur Wasserstoff- und Naturstoffproduktion in einer Gruppe von Bakterien nachgewiesen, die bis dahin eher als Krankheitserreger bekannt waren. In Gemeinschaft mit einem methanproduzierenden Bakterium konnten diese Bakterien Milchsäure zu Methan umwandeln.

Warum alltägliche und seelische Belastungen wichtig werden können

Warum alltägliche und seelische Belastungen wichtig werden können
© Sebastian Kaulitzki / Fotolia.com

Fast jeder kennt Kreuzschmerzen. Sie sind in den meisten Fällen harmlos und gehen nach kurzer Zeit von alleine wieder weg. Halten die Schmerzen jedoch länger an, fragen sich viele Betroffene, woher ihre Beschwerden kommen. Wichtig für Sie zu wissen ist: Auch alltägliche, seelische oder berufliche Probleme können Kreuzschmerzen hervorrufen und deren Verlauf beeinflussen. Deshalb soll Ihre Ärztin oder Ihr Arzt Sie vor und während der Behandlung gezielt auf Belastungen im Privatleben und am Arbeitsplatz ansprechen.

Adipositas im Kindes- und Jugendalter

Adipositas im Kindes- und Jugendalter
© kwanchaichaiudom / fotolia.com

Laut der Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland (KiGGS Welle 2), die vom Robert Koch-Institut durchgeführt wurde, haben nach dem Referenzsystem der Weltgesundheitsorganisation (WHO) 26,3% der 5- bis 17-Jährigen Übergewicht; 8,8% sind von Adipositas betroffen (1). In der Versorgung dieser Kinder und Jugendlichen gibt es erhebliche Defizite: So werden in Deutschland überzeugende, wissenschaftlich-basierte Behandlungs- und Betreuungskonzepte im Gesundheitssystem nicht unterstützt und in der Regel von den Kostenträgern nicht finanziert....

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Spinalkanalstenose: Entstehung – Diagnostik – Behandlungsoptionen "

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der rsmedia GmbH widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.