Freitag, 16. April 2021
Navigation öffnen
Anzeige:
Prolastin
Prolastin
SchwerpunktJanuar 2021
12. Januar 2021
Seite 3/4
aktualisiert: 15. April 2021

Anzeige:
OFEV
OFEV
 

Medikamente

Viele Fehlschläge mangels Wirksamkeit

Eine Reihe antiviraler Substanzen, die zur Behandlung von u.a. HIV, Influenza und Hepatitis, aber auch Rheuma angewendet werden (16-18): (Baloxavir, Convalescent plasma, Favipiravir, (Hydroxy)chloroquine – hier gab es zu Anfang der Pandemie einen "Hype", der wegen starker Nebenwirkungen nachgelassen hat; klinische randomisierte Studien liegen nicht vor – , Interferon, Lopinavir/Ritonavir, Nitazoxanide, Oseltamivir, Ribavirin, u.a.. wurden auf ihre Wirksamkeit gegen COVID-19 getestet, die jedoch weitgehend ausgeblieben ist.

Hinzu kommen die Immunmodulatoren wie Interleukin (IL)-1-Inhibitoren, IL-6-Inhibitoren, intravenöse Immunglobuline, JAK-Inhibitoren etc..
Für den IL-6-Inhibitor Tocilizumab erhoffte man sich einen Effekt zur Verhinderung der überschießenden Immunreaktion (Zytokinsturm, CRS). Hierzu gab es jedoch einen herben Rückschlag, da die Kombination von Toclizumab + Remdesivir in der klinischen Studie REMDACTA den Wirkungsnachweis bei schwer erkrankten Covid-19-Patienten nicht erbracht hat; die Zeit bis zur Krankenhausentlassung von Patienten mit schwerer Lungenentzündung konnte nicht verringert werden.

Am 5.3.21 musste das Biotechnologieunternehmen Abivax bekanntgeben, dass die miR-AGE-Studie aufgrund fehlender Wirksamkeit gestoppt wurde, da die Prüfsubstanz ABX464 gegenüber Placebo keinen Unterschied in der Rate schwerer COVID-19-Erkrankungen mit Hyperinflammation und Zytokinsturm gezeigt hatte. Das antientzündliche Präparat wird zur Behandlung von Colitis ulcerosa und rheumatoider Arthritis evaluiert.

 

Erste Erfolge v.a. mit Antikörpertherapien

Gewisse Erfolge konnten bislang mit Remdesivir und mit Dexamethason erzielt werden. Beide Medikamente wurden in die S2k-Leitlinie „Empfehlungen zur stationären Therapie von Patienten mit COVID-19“ aufgenommen. Remdesivir ist für die frühe Covid-19-Therapie zugelassen, wenn schwer Erkrankte sauerstoffpflichtig, aber noch nicht beatmet werden. Der Einsatz außerhalb klinischer Einrichtungen kann nicht empfohlen werden. Dexamethason ist der Therapiestandard, weil es die überschießende Immunreaktion abmildert. Die Patienten müssen weniger lange im Krankenhaus bleiben, brauchen seltener Beatmung und haben ein geringeres Sterberisiko. Das Gerinnungssystem wird mit Heparin u.a. kontrolliert.

Nach dem natürlichen Vorbild der Antikörperbildung innerhalb unseres Immunsystems fungieren künstlich hergestellte Antikörper. Am 8.3.21 hat der Ausschuss für Humanarzneimittel (CHMP) die Antikörpertherapie mit dem neutralisierenden Antikörper Bamlanivimab allein oder in Kombination mit Etesevimab für Patienten ab 12 Jahren empfohlen, die eine bestätigte leichte bis mittelschwere COVID-19 Infektion haben,  keinen zusätzlichen Sauerstoff benötigen und bei denen ein hohes Risiko für ein Fortschreiten der Krankheit zu einem schweren Krankheitsbild und/oder eine Krankenhauseinweisung besteht. Die Antikörpertherapie konnte Symptome und Krankenhausaufenthalte bei nicht hospitalisierten Hochrisikopatienten bei leichter bis mittelschwerer COVID-19 Erkrankung um mehr als 70% reduzieren.

Der Antikörper-Cocktail REGN-COV2 (Casirivimab + Imdevimab) der Firmen Roche und Regeneron hat in der Phase III vielversprechende Ergebnisse gezeigt: Hospitalisierung oder Tod wurden um 70% bei nicht hospitalisierten COVID-19-Patienten in der Frühphase reduziert. Die Symptomdauer wurde um 4 Tage von 14 auf 10 Tage verkürzt. Das rollierende Verfahren der EMA läuft. Im April 2021 wurden Phase-III-Studiendaten vorgelegt, wonach REGN-COV2 eine Risikoredution symptomatischer Corona-Infektionen um etwa 81% ermöglicht. Casirivimab und Imdevimab verringerten auch das Gesamtrisiko für das Fortschreiten der Erkrankung bei kürzlich infizierten asymptomatischen Patienten um 31%. Bei Patienten mit symptomatischer Infektion klangen die Symptome median innerhalb einer Woche ab, vs. 3 Wochen in der Placebo-Gruppe. Die Studie habe sowohl primäre als auch wichtige sekundäre Endpunkte erreicht, teilte der Pharmakonzern Roche mit. Der Antikörper-Cocktail, den auch Ex-Präsident Donald Trump erhalten hatte, muss früh eingesetzt werden. d.h. optimalerweise innerhalb der ersten Stunden bis maximal < 10 Tage, weil danach die natürliche Antikörperproduktion einsetzt, was den (teuren) Cocktail wirkungslos macht.

Die Phase-III-Studie COMET-ICE mit dem monoklonalen Antikörper VIR-7831 (GSK4182136) hat den primären Endpunkt erreicht ist. VIR-7831, der in zur frühen Behandlung von COVID-19 gegen Placebo bei Erwachsenen mit hohem Hospitalisierungsrisiko evaluiert wird, konnte in einer Zwischenanalyse eine 85%ige (p=0,002) Reduktion von Hospitalisierung oder Tod bei Patienten zeigen.

Die Phase-II-Studie BLAZE-4 untersucht die Wirksamkeit der Kombination VIR-7831 + Bamlanivimab bei Erwachsenen mit COVID-19, die der  niedrigen bis mittleren Risikogruppe angehören. Die Kombination führte zu einer relativen Reduktion der anhaltend hohen Viruslast an Tag 7 um 70% (p<0,001) im Vergleich zu Placebo.

Die Biotech-Firma Relief Therapeutics (mit NeuroRx) kündigte die Veröffentlichung der 60-Tage-Ergebnisse der Phase-2b/3-Studie mit intravenös verabreichtem Aviptadil (RLF-100TM) zur Behandlung von Patienten mit kritischer COVID-19-Erkrankung an. Aviptadil ist eine synthetische Form des Vasoaktiven intestinalen Peptids (VIP). Eine europäische klinische Phase-2b/3-Studie soll noch in diesem Jahr eingeleitet werden. Laut NeuroRx erreichte RLF-100™ über alle Patienten und Standorte hinweg den primären Endpunkt für eine erfolgreiche Genesung nach Atemversagen am Tag 28 (p=0,014) und Tag 60 (p=0,013) und zeigte darüber hinaus einen bedeutenden Überlebensvorteil (p≤0,001) nach Adaption des Beatmungsstatus und des Prüfzentrums. Auf Grundlage dieser Daten soll bei der Food and Drug Administration (FDA) die sofortige Zulassung als Notfallmedikament (Emergency Use Authorization, EUA) beantragt werden.

Die Phase-2/3-Studie mit oral verabreichtem Opaganib (RedHill) zur Behandlung schwerer COVID-19-Pneumonien wird nach einer vierten unabhängigen Sicherheitsüberprüfung fortgesetzt. 75% der anvisierten 464 Patienten sind bereits eingeschlossen. Opaganib zielt auf eine menschliche Zellkomponente ab, die an der Virusreplikation beteiligt ist und minimiert damit möglicherweise die Wahrscheinlichkeit einer Resistenz aufgrund von Virusmutationen.

Ridgeback Biotherapeutics LP und Merck & Co. haben auf der CROI 2021 vorläufige Ergebnisse einer Phase-2a-Studie mit dem COVID-19-Therapeutikum Molnupiravir vorgestellt. Der Wirkstoff Molnupiravir (MK-4482/EIDD-2801) ist ein Nukleosid-Analogon. An dieser multizentrischen US-Phase-2a-Studie nahmen 202 nicht-hospitalisierte Erwachsene teil, die innerhalb von 7 Tagen Anzeichen oder Symptome von COVID-19 und eine bestätigte aktive SARS-CoV-2-Infektion aufwiesen. An Tag 5 gab es eine Reduktion (nominal p=0,001, nicht auf Multiplizität kontrolliert) der positiven Viruskulturen bei Probanden, die Molnupiravir (alle Dosen) erhielten, im Vergleich zu Placebo: 0% (0/47) für Molnupiravir und 24% (6/25) für Placebo.

Erste Ergebnisse der Phase-3-Studie COV-BARRIER zum Einsatz des JAK-Inhibitors Baricitinib bei hospitalisierten COVID-19-Patienten (n=1.525) zeigen keine statistische Signifikanz beim primären Endpunkt (Progression zu nicht-invasiver oder invasiver mechanischer Beatmung oder Tod, p=0,1800). Bei dem sekundären Endpunkt (Reduktion der Sterblichkeit) zeigt sich eine um 38% verringerte Mortalität unter Baricitinib + Standardbehandlung (SoC; Kortikosteroid oder Remdesivir) versus Placebo + SoC (Mortalität bis Tag 28: 8,1% vs. 13,1% unter Placebo + SoC; nominaler p-Wert =0,0018).
 
Asthma-Spray gegen schwere Verläufe?

Die bei Asthmatikern festgestellten milderen Verläufe, die im Kontrast zu den Erwartungen bei vorgeschädigter Lunge liegen, könnte auf die Dauermedikation vieler Asthmapatienten, Budenosid, zuzurückzuführen sein.  Laut einer Preprint-Studie wurden mit dem Asthmaspray ein schwerer Verlauf mit Hosptalisierung zu 90% verhindert.
 

Interessante frühe/präklinische Daten

Für milde Verläufe wird das Medikament Ivermectin geprüft, das in vitro einen antiviralen Effekt gezeigt hat (21). Das Medikament, das seit den 70er Jahren in der Tiermedizin gegen Wurmerkrankungen eingesetzt wird, musste in vitro allerdings sehr hoch dosiert werden, um diesen Effekt zu zeigen, sodass die Übertragbarkeit der Daten auf den Menschen wegen Toxizität fraglich ist. Bisher liegen keine validen klinische Daten vor. Die Europäische Arzneimittelbehörde EMA hat sich wegen fehlender Evidenz gegen den Einsatz des Antiwurmmittels Ivermectin bei Covid-19-Patienten ausgesprochen.

Internationale Forscher haben in Zusammenarbeit mit der Universität Bonn Antikörper-Fragmente (Nanobodies) entwickelt. Es gelang, 2 Nanobodies zu fusionieren, die sich gegen unterschiedliche Teile des Spike-Proteins richten, sodass eine Wirksamkeit auch bei Mutationen erzielt werden könnte. Diese Fragmente seien simpel aufgebaut, sodass man sie von Bakterien oder Hefen produzieren lassen könnte (22).

Anlass zur Hoffnung gibt auch ein neuer Antikörper-Wirkstoffkandidat COR-101, der von Corat Therapeutics entwickelt und bereits in Tierversuchen eingesetzt wird. Der Antikörper wurde mittels eines biotechnologischen Verfahrens aus genesenen Patienten isoliert. Postuliert wird eine Verringerung der Viruslast um 99% in der Lunge von Versuchstieren sowie das Fehlen überschießender Immunantworten. Die geplante klinische Phase-1b/2-Studie (NCT04674566) mit dem SARS-CoV-2 neutralisierenden humanen Antikörper COR-101 hat im März 2021 die Genehmigung des PEI sowie eine positive Stellungnahme der Ethik-Kommission erhalten. Der Wirkstoff soll die Behandlung von hospitalisierten COVID-19-Patienten mit mittelschwerem bis schwerem Krankheitsverlauf ermöglichen, für die derzeit keine Antikörpertherapie zugelassen ist. Das neuartige Design verhindert jede potenzielle Bindung an Fc-gamma-Rezeptoren und reduziert damit Risiko der Antikörper-abhängigen Verstärkung der Erkrankung.
In Laborstudien bindet COR-101 an viele Mutanten, z.B. die tschechische Variante N439K, die britische B.1.1.7. (N501Y/E484K) und die nigerianische bzw. New York-Variante E484K.

Inhalierte Carragelose hat sich als klinisch wirksam bei der Prävention von COVID-19 erwiesen. Nun wird von Marinomed Biotech eine randomisierte, doppelblinde, Placebo-kontrollierte Studie zur Bewertung von Sicherheit und Wirksamkeit einer Carragelose-basierten Inhalationslösung (Inhaleen) bei stationär aufgenommenen Patienten mit COVID-19, die respiratorische Symptome haben, jedoch keine Intensivbehandlung erhalten, evaluiert.

Frühe Phase-II-Studiendaten zu einem Spray mit einem auf RNA-basierenden Medikament wurden im European Journal of Allergy and Clinical Immunology“ veröffentlicht. Der inhalative Wirkstoff hat im Tiermodell schwere Lungenschäden verhindert und schwere Verläufe abgebremst.

 

Anzeige:
Xarelto

Das könnte Sie auch interessieren

Blasenentzündung: Erstmal ohne Antibiotikum behandeln

Blasenentzündung: Erstmal ohne Antibiotikum behandeln
© absolutimages - stock.adobe.com

Blasenentzündungen sind kein Phänomen der kalten Jahreszeit, auch in den Sommermonaten tritt die Infektion häufig auf. Denn wenn nasse Badekleidung nicht rasch genug ausgezogen oder die abendliche Kühle unterschätzt wird, macht man es Bakterien unfreiwillig leicht. Harnwegsinfektionen werden oft sofort mit einem Antibiotikum behandelt. Noch immer zu wenig bekannt ist: Antibiotika sind bei diesem Krankheitsbild in vielen Fällen unnötig. Ihr unkritischer Einsatz trägt zudem zur Entstehung von Antibiotikaresistenzen bei. Darauf weist die Deutsche...

Falsches Sitzen im Homeoffice und zu wenig Bewegung: Klinikum Nürnberg gibt Tipps für einen gesunden Rücken!

Falsches Sitzen im Homeoffice und zu wenig Bewegung: Klinikum Nürnberg gibt Tipps für einen gesunden Rücken!
©Proxima Studio - stock.adobe.com

Statistiken zufolge ging im vergangenen Jahr jeder 12. Fehltag in Deutschland* auf das Konto von Rückenschmerzen. Spätestens seitdem rund ein Viertel der Berufstätigen mit dem Laptop im Esszimmer sitzt und „Homeoffice macht“, nimmt die Zahl der Menschen mit Beschwerden im Kreuz zu. Anlässlich des Tags der Rückengesundheit erklärt Dr. med. Sabine Rikart, Oberärztin der Abteilung für Physikalische Therapie im Klinikum Nürnberg, wie schon Kleinigkeiten Rückenschmerzen vermeiden oder zumindest lindern können.

Ständig im Einsatz und am Limit: Anforderungen an Personal in Krankenhaus und Rettungsdienst

Ständig im Einsatz und am Limit: Anforderungen an Personal in Krankenhaus und Rettungsdienst
© chalabala - stock.adobe.com

Die Deutsche Gesellschaft für Internistische Intensivmedizin und Notfallmedizin (DGIIN) startet die Online-Kampagne „Danke für 24/7“. Die Fachgesellschaft bedankt sich damit bei allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Krankenhaus und Rettungsdienst. Hier tragen Ärzte und Pflegekräfte 24 Stunden am Tag und 7 Tage die Woche Sorge für Patientinnen und Patienten. Das verdient aus Sicht der DGIIN eine besondere und öffentliche Wertschätzung.

Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"1 Jahr SARS-CoV-2-Pandemie: Virus – Impfstoffe – Medikamente"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der Medical Tribune Verlagsgesellschaft mbH - Geschäftsbereich rs media widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: info[at]rsmedia-verlag.de.


EILMELDUNGEN zu SARS-CoV-2 und COVID-19
  • Impfen in der Hausarztpraxis: Spezifische Bestellung des COVID-Impfstoffs möglich
  • Impfen in der Hausarztpraxis: Spezifische Bestellung des COVID-Impfstoffs möglich