Rheumatoide Arthritis: Häufigste entzündliche Gelenkerkrankung weltweit
David Meier M.Sc.Die rheumatoide Arthritis ist die häufigste entzündliche Gelenkerkrankung. Unbehandelt führt sie zu einer Versteifung und Zerstörung der betroffenen Gelenke. Moderne Therapieoptionen verlangsamen das Fortschreiten der Erkrankung und können die Lebensqualität der Patient:innen deutlich verbessern.
Was ist Rheumatoide Arthritis?
Rheumatoide Arthritis (RA; auch chronische Polyarthritis) ist eine chronische, entzündliche Autoimmunerkrankung, die vor allem die Gelenke betrifft, aber auch andere Organe befallen kann. Charakteristisch sind symmetrische Gelenkentzündungen, die zu Schmerzen, Schwellungen und Funktionseinschränkungen führen.
Wie häufig ist Rheumatoide Arthritis und wer ist betroffen?
Rheumatoide Arthritis betrifft weltweit 0,8 bis 1,2% der Erwachsenen, wobei Frauen häufiger betroffen sind als Männer. Die Krankheit kann in jedem Alter auftreten, jedoch tritt sie meist erstmals im Alter von 50 bis 70 Jahren auf. Es können auch Kinder betroffen sein. Diese Form nennt man juvenile idiopathische Arthritis.
Was sind die Ursachen der Rheumatoiden Arthritis?
Die genauen Ursachen der rheumatoiden Arthritis sind noch nicht vollständig geklärt. Es wird angenommen, dass eine Kombination aus genetischen Faktoren und Umweltfaktoren wie Rauchen und bestimmten Infektionen eine Rolle spielt. Genetische Prädisposition und Umweltfaktoren interagieren, um die Krankheit auszulösen.
Wie entwickelt sich Rheumatoide Arthritis?
Die Pathogenese der RA beinhaltet eine fehlgeleitete Immunantwort, bei der das Immunsystem körpereigene Gewebe angreift. Diese Autoimmunreaktion führt zu einer chronischen Entzündung der Gelenkinnenhaut (Synovialis), was zu Gelenkschäden und -zerstörung führt. Zytokine wie Tumornekrosefaktor-alpha (TNF-α) und Interleukine spielen eine zentrale Rolle in diesem Prozess.
Wie wird die Rheumatoide Arthritis klassifiziert?
Die Klassifikation der RA erfolgt anhand der Kriterien des American College of Rheumatology (ACR) und der European League Against Rheumatism (EULAR). Diese beinhalten klinische Merkmale, serologische Marker und bildgebende Befunde. Eine frühzeitige und genaue Klassifikation ist entscheidend für die Therapieplanung.
ACR/EULAR-Klassifikationskriterien von 2010
Die 2010 überarbeiteten Klassifikationskriterien basieren auf einem Punktesystem, das 4 verschiedene Domänen umfasst: Gelenkbeteiligung, Serologie, akute Phase und Dauer der Symptome. Die Summe der Punkte aus diesen Kategorien bestimmt, ob eine Person die Klassifikation für RA erfüllt. Eine Summe von mindestens 6 Punkten (von maximal 10) deutet auf eine rheumatoide Arthritis hin.
ACR/EULAR-Klassifikationskriterien
Gelenkbeteiligung (0-5 Punkte)
1 großes Gelenk (z. B. Schulter, Ellbogen, Hüfte, Knie, Sprunggelenk): 0 Punkte
2-10 große Gelenke: 1 Punkt
1-3 kleine Gelenke (einschließlich Hände, Füße): 2 Punkte
4-10 kleine Gelenke: 3 Punkte
mehr als 10 Gelenke (einschließlich mindestens 1 kleines Gelenk): 5 Punkte
Serologie (0-3 Punkte)
negativer Rheumafaktor (RF) und negativer Anti-CCP-Antikörper: 0 Punkte
niedrig positiver RF oder niedrig positiver Anti-CCP-Antikörper: 2 Punkte
hoch positiver RF oder hoch positiver Anti-CCP-Antikörper: 3 Punkte
Akute Phase (0-1 Punkt)
normales C-reaktives Protein (CRP) und normale Blutsenkungsgeschwindigkeit (BSG): 0 Punkte
erhöhtes CRP oder erhöhte BSG: 1 Punkt
Dauer der Symptome (0-1 Punkte)
< 6 Wochen: 0 Punkte
≥ 6 Wochen: 1 Punkt
Was sind die Symptome der Rheumatoiden Arthritis und welche Stadien gibt es?
RA ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung, die in verschiedenen Stadien mit spezifischen Symptomen verläuft:
Stadium 1
leichte Symptome wie morgendliche Steifheit und leichte Schwellungen in den kleinen Gelenken (Hände, Handgelenke, Füße)
unspezifische Symptome wie Müdigkeit und allgemeines Unwohlsein
Stadium 2
zunehmende Gelenkentzündungen (Synovitiden) mit deutlicheren Schwellungen und Schmerzen
Einschränkung der Beweglichkeit in betroffenen Gelenken
Stadium 3
schwere Gelenkschmerzen und ausgeprägte Entzündungen
deutliche Deformierungen und Funktionsverluste in betroffenen Gelenken
Muskelatrophien
„Rheumaknoten"
Stadium 4
schwere Gelenkschäden und irreparable Deformierungen
Verlust der Gelenkfunktion, oft begleitet von Schmerzen auch in Ruhe
mögliche Gelenkfusionen und vollständiger Verlust der Gelenkbeweglichkeit
starke Beeinträchtigung der Lebensqualität und der Fähigkeit, tägliche Aktivitäten durchzuführen
Wie wird rheumatoide Arthritis diagnostiziert?
Die Diagnose der RA basiert auf einer Kombination aus klinischen Befunden, Laboruntersuchungen und bildgebenden Verfahren. Wichtige diagnostische Kriterien umfassen:
klinische Untersuchung auf Schwellungen und Druckempfindlichkeit der Gelenke
Nachweis des Rheumafaktors (RF) und Antikörpern gegen zyklische citrullinierte Peptide (Anti-CCP)
bildgebende Verfahren wie Gelenksonographie, Röntgen, MRT und Skelettszintigrafie zur Beurteilung von Gelenkschäden
Wie wird die Rheumatoide Arthritis behandelt?
Die Therapie der RA zielt darauf ab, die Entzündung zu kontrollieren, Schmerzen zu lindern und die Gelenkfunktion zu erhalten. Zu den Behandlungsoptionen gehören:
Physiotherapie und Ergotherapie zur Verbesserung der Gelenkfunktion und Beweglichkeit.
Chirurgische Eingriffe zur Korrektur von Gelenkdeformitäten und Verbesserung der Funktion in fortgeschrittenen Fällen.
Medikamentöse Therapien:
Glukokortikoide
NSAR (Nichtsteroidale Antirheumatika)
Krankheitsmodifizierende Antirheumatika (DMARDs)
Konventionelle synthetische DMARDs (csDMARDs): Methotrexat, Leflunomid, Sulfasalazin
Gezielte synthetische DMARDs (tsDMARDs): Januskinase (JAK)-Inhibitoren: Upadacitinib, Filgotinib
biologische DMARDs (Biologika):
TNF-Inhibitoren: Adalimumab, Etanercept, Infliximab
Tocilizumab
Rituximab
Abatacept
Wie erfolgt die Nachsorge der Rheumatoiden Arthritis?
Eine kontinuierliche Nachsorge ist entscheidend, um den Krankheitsverlauf zu überwachen und Therapieanpassungen vorzunehmen. Regelmäßige Kontrolluntersuchungen sowie die Überwachung von Nebenwirkungen der Medikamente sind essenziell.
Wie ist die Prognose bei Rheumatoider Arthritis?
Unbehandelt führt rheumatoide Arthritis zu einer Zerstörung der betroffenen Gelenke, so weit, dass sie immer weniger beweglich werden und letztendlich völlig versteifen. Dies führt zu starken Schmerzen, Einschränkungen der Lebensqualität und zu einer reduzierten Lebenserwartung im Vergleich zur Normalbevölkerung.
Die Prognose hat sich jedoch mit modernen Therapiemethoden deutlich verbessert. Eine frühzeitige Behandlung kann das Fortschreiten der Krankheit verlangsamen und die Lebensqualität der Patient:innen verbessern, wodurch sich die Sterblichkeit deutlich vermindert und an die normale Sterblichkeit der Bevölkerung angleicht.
Wie kann man einer Rheumatoiden Arthritis vorbeugen?
Es gibt keine spezifische Maßnahme zur Vorbeugung von RA. Ein gesunder Lebensstil, Vermeidung von Rauchen und die frühzeitige Behandlung von Symptomen können jedoch das Risiko und den Schweregrad der Erkrankung reduzieren.
Häufig gestellte Fragen zum Thema Rheumatoide Arthritis
Rund um das Thema Rheumatoide Arthritis stellen sich für Betroffene und Angehörige oft viele Fragen: zur Diagnose, zu Behandlungsmöglichkeiten, zu Nebenwirkungen oder zum Alltag mit der Erkrankung. In dieser Patient:innen-FAQ finden Sie Antworten auf die häufigsten Fragen.
Literatur:
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Albrecht K. et al. (2023) Systematisches Review zur Schätzung der Prävalenz entzündlich rheumatischer Erkrankungen in Deutschland. Zeitschrift für Rheumatologie 2023, DOI: 10.1007/s00393-022-01305-2.
- (2)
Aletaha D. et al. (2010) 2010 Rheumatoid Arthritis Classification Criteria, Arthritis & Rheumatism, DOI: 10.1002/art.27584.
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Josef S. et al. (2020; 2022 update) EULAR recommendations for the management of rheumatoid arthritis with synthetic and biological disease- modifying antirheumatic drugs, Ann Rheum Dis, DOI: 10.1136/annrheumdis-2019-216655 .(4) AWMF – S3-Leitlinie Management der frühen rheumatoiden Arthritis, abrufbar unter: https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/060-002, letzter Zugriff: 24.04.2026.