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SchwerpunktJanuar 2015

01. Januar 2015
Seite 1/2
Glutenunverträglichkeit

Eine Glutenunverträglichkeit äußert sich vielfältig. Nach Verzehr von Weizenprodukten werden von den Patienten innerhalb von wenigen Stunden oder Tagen gastrointestinale sowie extragastrointestinale Beschwerden beschrieben, die sich unter einer glutenfreien Ernährung verbessern. Während der Diagnose einer Zöliakie oder einer Weizenallergie klare Parameter zugrunde liegen, stellt die Nicht-Zöliakie-nicht-Weizenallergie-Glutenunverträglichkeit eine Ausschlussdiagnose dar. Die genaue Ursache für diese Erkrankung ist noch völlig offen.
Steigende Nachfrage an glutenfreien Produkten: Die glutenfreie Ernährungsform erfreut sich steigender Beliebtheit und die Nachfrage an glutenfreien Produkten ist in den letzten Jahren extrem angestiegen, so dass neben Reformhäusern und Bioläden mittlerweile auch viele Diskounter zahlreiche glutenfreie Produkte dauerhaft oder in Form von Angeboten zeitlich begrenzt anbieten. Umfragen in Amerika zeigen jedoch, dass nur ein Drittel der Käufer eine diagnostizierte Zöliakie besitzt und  somit eine glutenfreie Ernährung einhalten muss. Die Gründe für den weitaus größeren Anteil an Kunden, diese meist deutlich teureren Produkte zu erwerben, sind vielfältig. Eine klinische Notwendigkeit für die glutenfreie Ernährungsform ist hierbei nicht gegeben. Häufig steckt der Gedanke einer "gesünderen" Ernährung dahinter oder aber es wird ein positiver Effekt auf die körperliche oder mentale Gesundheit beschrieben, wobei ein wissenschaftlicher Beweis hierfür klar fehlt. Nicht zuletzt der Einfluss von Prominenten, die ihre Fans zur Austestung von glutenfreien Produkten aufrufen, sowie Buchbeiträge, die dem Weizen gesundheitsgefährdende Eigenschaften zuschreiben, verhelfen den glutenfreien Produkten zu einem zusätzlichen Boom.
 
Abb. 1: Notwendigkeit einer glutenfreien Diät.
Diagramm über Notwendigkeit einer glutenfreien Diät


Symptome einer Glutenunverträglichkeit
Es gibt aber definitiv Personen, die nach Verzehr von Weizen, Roggen und Gerste, sowie die mit dem Weizen verwandten Getreide Dinkel, Emmer, Kamut oder Einkorn, über gastrointestinale Symptome wie Blähungen, Bauchschmerzen, Übelkeit und Erbrechen, Bauchkrämpfe, Durchfälle oder Verstopfung klagen. Häufig werden auch Müdigkeit und Kopfschmerzen, Muskel- und Gelenkschmerzen sowie Stimmungsschwankungen, Depressionen und Antriebslosigkeit beschrieben. Obwohl sich die klinischen Symptome stark ähneln kann eine Glutenunverträglichkeit ganz unterschiedliche Ursachen haben. Es sollte daher unbedingt zwischen einer Zöliakie, einer Weizenallergie oder einer Weizenunverträglichkeit unterschieden werden.
 
Abb. 2: Symptome einer Glutenunverträglichkeit.
Schematische Darstellung von Symptomen einer Glutenunverträglichkeit.


Zöliakie
Ca 0,4-2% der westlichen Bevölkerung leiden an einer Zöliakie (1, 2). Dieser Personenkreis besitzt eine strikte genetische Veranlagung. Unter glutenhaltiger Ernährung kommt es zu einer Schädigung der Dünndarm-Schleimhaut, so dass bestimmte Nähr- und Mineralstoffe nicht mehr aufgenommen werden können, was letztendlich zu einer Malabsorption führt. Es kommt zu den oben beschriebenen Symptomen, oft zu Gewichtsverlusten, Anämien und bei Auftreten im Kindesalter häufig auch zu einer Wachstumsverzögerung (3, 4). Die Diagnose der Zöliakie beruht unter Normaldiät auf dem Nachweis der geschädigten Darmschleimhaut in Kombination mit spezifischen Autoantikörpern der IgA-Klasse, die gegen die Transglutaminase 2 gerichtet sind (5).

Es ist bekannt, dass die Glutene des Weizens bei diesen Patienten die Zöliakie auslösen. Die Glutene sind die Klebereiweiße des Weizens und für dessen Backfähigkeit und Struktur verantwortlich. Da Gerste und Roggen von der Entwicklungsgeschichte dem Weizen relativ nahe verwandt sind, sind auch deren Glutene sehr ähnlich und dürfen somit von Zöliakiepatienten nicht verzehrt werden. Nach Einhalten einer glutenfreien Diät verbessern sich die klinischen Symptome schnell, die Antikörper gegen die Transglutaminase 2 verschwinden und es kommt zu einer Regeneration der Darmschleimhaut. Diese glutenfreie Diät muss von den Patienten lebenslang und sehr strikt eingehalten werden, da selbst kleinste Diätfehler zur klinischen Symptomatik und zur erneuten Schädigung der Schleimhaut führen.

Allergie
Eine Weizenallergie tritt bevorzugt im Kindesalter auf und wird in Europa mit einer Häufigkeit von 3-4% angegeben (6). Symptomatisch stehen Schwellungen und Juckreiz in Mund, Nase, Augen und Rachen, Ekzeme der Haut oder Atemnot  im Vordergrund, es können aber auch gastrointestinale Symptome ähnlich wie bei einer Zöliakie auftreten. Patienten mit Weizenallergie weisen eine IgE oder T-Zell vermittelte immunologische Reaktion gegen Weizenproteine, wie z.B.  dem gamma-Gliadin oder omega-5-Gliadin auf, so dass diese Patienten häufig nur auf Weizen, nicht aber Roggen und Gerste verzichten müssen (7). Bei Patienten mit Weizenallergie wird ein breites Spektrum an Schleimhautveränderungen beobachtet werden, von einer völlig normalen Schleimhaut über eine vermehrte Anzahl an Immunzellen bis hin zu einer Schädigung der Zotten.

Nicht-Zöliakie & Nicht-Weizenallergie – Glutenunverträglichkeit
Bei dieser Form der Glutenunverträglichkeit handelt  es sich um eine Ausschlussdiagnose, da bisher noch keine spezifischen Marker identifiziert wurden. Ferner sind die genauen Ursachen für die Glutenunverträglichkeit noch unbekannt und die Angaben über die Häufigkeit für diese Erkrankung schwanken stark zwischen 0,5-6% (8, 9). Die Betroffenen klagen nach der Einnahme von Weizenprodukten über ähnliche Symptome wie die Zöliakiepatienten, die sich nach Verzicht von Gluten deutlich verbessern (10). Im Gegensatz hierzu weisen diese Patienten aber keine Schädigung der Darmschleimhaut auf, lediglich ein leichter Anstieg an Immunzellen konnte gezeigt werden (11). Ferner findet man bei diesen Personen im Serum keine Zöliakie-typischen Antikörper gegen die Transglutaminase 2 und nur bei ca 50% der Personen konnten Antikörper der IgG Klasse, die gegen Glutene gerichtet sind, nachgewiesen werden. Eine strikte genetische Veranlagung wurde nicht beobachtet (12). Ob auch in diesem Falle die Glutene von Weizen, Roggen und Gerste oder andere Bestandteile des Weizens verantwortlich sind und wie streng eine glutenfreie Diät eingehalten werden muss ist unklar und momentan Gegenstand zahlreicher Forschungsprojekte.
 
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