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Medizin

Kurzdarmsydrom: Parenteralen Support schrittweise reduzieren

Kurzdarmsydrom: Parenteralen Support schrittweise reduzieren
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Das Kurzdarmsyndrom ist bei Erwachsenen mit komplexen Folgen verbunden, die die Lebensqualität massiv einschränken. Auch der dauerhafte parenterale Support belastet zusätzlich. Ein neues Glucagon-like Peptid-2 (GLP-2)-Analogon soll die Resorptionskapazität des Restdarms verbessern, um den parenteralen Support schrittweise zu reduzieren.
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Kurzdarmsyndrom – eine große Herausforderung für das interdisziplinäre Behandlungsteam

„Muss eine ausgedehnte Dünndarmresektion vorgenommen werden, kann es zur ‚abdominellen Katastrophe’ kommen – dem Kurzdarmsyndrom mit Darmversagen (KDS-DV)“, erklärte PD Dr. Martin von Websky, Bonn. Das KDS ist ein sehr seltenes und komplexes Krankheitsbild. Die Betroffenen können aufgrund der starken Reduktion der resorptiven Kapazität des Darmes ihre Protein-, Energie-, Flüssigkeits- und Mikronährstoffbilanz mit einer konventionellen Diät nicht mehr aufrechterhalten (1). Die verschiedenen Ursachen für die Darmresektion reichen von vaskulären Schädigungen über Traumata, Tumoren und entzündliche Darmerkrankungen bis hin zu Gastroschisis und nekrotisierender Enterokolitis bei Frühgeborenen (2, 3). Nach der Darmresektion komme es zunächst einige Wochen lang zur Phase der Hypersekretion mit hohen intestinalen Flüssigkeitsverlusten und Stoffwechselstörungen, beschrieb von Websky den Ablauf eines KDS. Es folge eine ca. ein bis 2 Jahre dauernde Adaptationsphase mit zunehmend verbesserten absorptiven Funktionen. Daran schließe sich eine Stabilisierungsphase, idealerweise mit Wiedererlangung der enteralen Autonomie, an (1, 4). Ein KDS werde nach der postoperativen Anatomie (Typ 1 – 3 nach Messing) (5) oder auch funktionell (nach Bedarf an parenteraler Ernährung) eingeteilt. Betrachte man das KDS nach Ätiologie (anatomisch, mukosal, neuromuskulär), zeige sich laut von Websky, dass die chirurgischen Patient:innen den größten Anteil dabei ausmachen (6).
 
 

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Er betonte, dass bei einem KDS-DV die interdisziplinäre Zusammenarbeit von Anfang an enorm wichtig sei, um dem Patient:innen eine rasche intestinale Rehabilitation zu ermöglichen und ihm wieder ein Stück Lebensqualität zurückzugeben. Chirurgisch werde beispielsweise versucht, durch Wiederanschlussoperationen die Darmanatomie zum „günstigen“ Messing Typ 3 mit einer besseren Prognose zu verändern, durch eine operative Darmverlängerung die Resorption des Restdarms zu steigern oder auch durch eine autologe Darmrekonstruktion die Darmkontinuität wiederherzustellen.

Teduglutid kann bei KDS den Bedarf an parenteralem Support verringern

Dr. Elisabeth Blüthner, Berlin, erklärte dass sich die Behandlung eines KDS sehr individuell gestalte, da die Symptomatik von Patient:in zu Patient:in stark variiere. Die Betroffenen seien in unterschiedlichem Maße auf dauerhaften parenteralen Support (PS) angewiesen. Der PS sei stark belastend und es komme oft zu Komplikationen. „Daher ist das Ziel der Behandlung, die Resorptionskapazität des Restdarms zu maximieren und so den PS-Bedarf schrittweise bis zur vollständigen Entwöhnung zu reduzieren“, so Blüthner weiter. Hierbei sei Teduglutid eine geeignete Therapieoption. Bei Teduglutid handelt es sich um ein Glucagon-like Peptid-2 (GLP-2)-Analogon, das durch den Austausch einer Aminosäure eine verlängerte Halbwertszeit gegenüber nativem GLP-2 aufweist (2). Teduglutid fördert u. a. das Wachstum der Darmschleimhaut – mit Zunahme der Darmzottenhöhe und der Darmkrypten- tiefe (7, 8) – im verbliebenen Darm. Damit kann die resorptive Kapazität des Restdarms weiter gesteigert werden (8) Blüthner demonstrierte die Effektivität einer Teduglutid-Behandlung anhand eines Patientenfalls: Die 75-jährige Patientin mit KDS aufgrund einer kompliziert verlaufenden Mesenterialischämie war auf PS an 5 Tagen/Woche angewiesen. Nach 18 Wochen unter Teduglutid benötigte sie nur noch an 3 Tagen/Woche eine parenterale Ernährung, auch das PS-Volumen verringerte sich immer weiter. „Inzwischen ist sie dauerhaft vollständig vom PS entwöhnt und hat ein Stück Lebensqualität zurückbekommen“, berichtete Blüthner.
 
 

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Wichtig sei für KDS-Patient:innen mit dauerhaftem PS vor allem die Prophylaxe von Katheterinfektionen. Hierzu empfehle sich leitlinienkonform die Verwendung von einlumig getunnelten zentralvenösen Kathetern oder Port- Systemen (Langzeit-PS) sowie die Anwendung von Taurolidin-haltigen Blocklösungen zur prä- und postinfektiösen Prophylaxe (1). „Der Katheter ist ja die Lifeline des Patienten“, erinnerte Blüthner abschließend.

Quelle: Takeda

Literatur:

(1) Lamprecht G et al. Aktuel Ernahrungsmed 2014; 39(02): e57-e71.
(2) Buchman AL. Gastroenterology 2006; 130(2): S5-S15.
(3) Leiß O. Z Gastroenterol 2005; 43(07): 661-675.
(4) Pironi L. Best Pract Res Clin Gastroenterol 2016; 30(2): 173-185.
(5) Messing B et al. Gastroenterology 1999; 117: 1043-1050.
(6) Abu-Elmagd KM et al. Ann Surg 2019; 270(4): 656-674.
(7) Tappenden KA et al. J Clin Gastroenterol 2013; 47: 602-607.
(8) Pevny S et al. Clin Nutr 2019; 38: 1745-1755.


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