Blutspende von Babyboomern soll Versorgung sichern
Lukas HoffmannWie sicher ist die Blutspende, wenn man älter als 73 Jahre ist und kann dieses Blut auch für Frühgeborene verwendet werden? Diese und weitere Fragen beantworteten Expertinnen und Experten auf einer Pressekonferenz im Vorfeld der 59. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Transfusionsmedizin und Immunhämatologie (DGTI) [1].
Weniger Nebenwirkungen bei älteren Spender:innen
Nach einem Verkehrsunfall, während der Chemotherapie oder ganz zu Beginn des Lebens als Frühchen – jeden Tag werden in Deutschland rund 15.000 Blutspenden verbraucht. Um diesen hohen Bedarf weiterhin sicherzustellen, wurde das Transfusionsgesetz geändert. Seit 2023 dürfen auch Menschen Blut spenden, die älter als 73 Jahre alt sind. Aber verträgt man es im Alter noch gut, wenn plötzlich 500 Milliliter weniger Blut im Körper zirkulieren?
„Interessant ist, dass die beobachteten Nebenwirkungen bei älteren Spendern nicht zu-, sondern eher abnehmen“, betonte Prof. Dr. med. Kristina Hölig, Präsidentin der DGTI und Transfusionsmedizinerin am Universitätsklinikum Dresden. Studienergebnisse würden zeigen, dass Nebenwirkungen der Blutspende wie Übelkeit oder Blutdruckabfälle bei Spendern zwischen 71 und 76 Jahren sogar seltener auftreten als bei jüngeren Personen. Bei älteren und jüngeren Spenderinnen kam es ähnlich selten zu Nebenwirkungen [2]. Insgesamt erlebt circa jeder 160. Person Schwindel oder eine andere Nebenwirkung nach der Blutspende [3].
Keine Spende bei Krankheit
Damit es gar nicht erst zu diesen Beschwerden kommt, prüft ein Arzt oder eine Ärztin, vor jeder Spende, ob Spender:innen gesund sind. So wird beispielsweise durch einen kleinen Pieks in den Finger oder das Ohrläppchen der Hämoglobinwert (Hb) gemessen. Ist dieser zu niedrig, darf keine Blutspende erfolgen und die Person wird gebeten, einen Hausarzt aufzusuchen (Verdacht auf Eisenmangel). Auch bei Lippenherpes ist eine Spende nicht möglich, um eine Weitergabe der Herpesviren zu verhindern.
Manche Krankheitserreger im Blut können bei der Voruntersuchung aber übersehen werden. „Eine Leberentzündung kann sehr lange ohne jedes Symptom in mir schlummern und ich merke es gar nicht“, sagte Dr. med. Ruth Offergeld, Vorsitzende des Arbeitskreises Blut und Epidemiologin am Robert Koch-Institut. Deswegen werden alle Spenden auf Infektionen, wie HIV, Hepatitis, Syphilis oder den West-Nil-Virus getestet.
Vollblutspende ist die Regel
Die Vollblutspende ist die übliche Form bei einer Blutspende. Das bedeutet, dass man etwa 500 ml seines Blutes spendet. Es besteht zu circa 55% aus Plasma, einer gelblichen Flüssigkeit, die überwiegend aus Wasser sowie Eiweißen, Salzen, Nährstoffen und Hormonen besteht. Die restlichen 45% setzen sich aus Blutzellen, also roten und weißen Blutkörperchen sowie Blutplättchen, zusammen, die im Plasma transportiert werden.
Nach der Blutspende wird das Blut in seine Bestandteile aufgeteilt. Aus dem Blutplasma lassen sich über industrielle Verfahren verschiedene Medikamente herstellen, wie zum Beispiel Immunglobuline. Um sicherzustellen, dass diese Medikamente trotz aller Kontrollen frei von Keimen sind, werden sie in chemischen und physikalischen Verfahren (der sogenannten Pathogenreduktion) noch einmal gereinigt.
Rote Blutkörperchen werden nicht immer dieser Pathogenreduktion unterzogen. Trotzdem liegt das Risiko, nach einer erhaltenen Blutspende zu erkranken, bei unter 1 zu mehreren Millionen. „Seit sehr vielen Jahren wurden in Deutschland keine relevanten Virusübertragungen durch Blutprodukte verzeichnet“, betonte Ruth Offergeld.
Wenige regelmäßige Spender:innen und erhöhter Bedarf
„Derzeit spenden nur etwa 3% der Bevölkerung regelmäßig Blut“, sagte Kristina Höllig. Durch die Alterung der Gesellschaft schrumpft die Gruppe der Menschen im klassischen Spendenalter (18 bis 65 Jahre), während der Pro-Kopf-Bedarf an Blutprodukten steigt, weil bestimmte Erkrankungen im Alter häufiger auftreten. Für die Versorgungssituation in Deutschland ist es deshalb ein gutes Signal, dass seit einigen Jahren auch Menschen ab 73 Jahren Blut spenden dürfen.
Zumal sich die Qualität ihres Blutes nicht von demjenigen jüngerer Spender:innen unterscheidet. Benötigt beispielsweise ein frühgeborener Säugling eine Blutspende, wird auf die (möglichst kurze) Lagerzeit nach der Spende geschaut und nicht auf das biologische Alter der Spenderin bzw. des Spenders, erklärte Höllig. Es dauere bei älteren Menschen zwar manchmal etwas länger, bis sie sich ihr Hämoglobinwert erholt habe und sie wieder spenden dürften. Insbesondere ältere Menschen, die als besonders erfahrene und motivierte Spender:innen gelten, könnten aber einen wichtigen Beitrag zur Deckung des steigenden Blutbedarfs leisten.
Literatur:
- (1)
Online-Pressekonferenz anlässlich der 59. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Transfusionsmedizin und Immunhämatologie e.V. (DGTI), 15. September 2026.
- (2)
Goldman M. et al. Safety of blood donation by individuals over age 70 and their contribution to the blood supply in five developed countries: a BEST Collaborative group study, Transfusion 2019 Apr;59(4):1267-1272, DOI: 10.1111/trf.15132.
- (3)
Zeiler T. et al. The safety of blood donation by elderly blood donors, Vox Sang 2011 Nov;101(4):313-9. DOI: 10.1111/j.1423-0410.2011.01492.x.