Infektiöse Reisedermatosen
Birgit Frohn Dipl. biol.Der Urlaub ist leider vorüber. Sehr schade ist auch, dass er neben schönen Erinnerungen auch Juckreiz und anhaltende Hautentzündungen hinterlässt. Mehr über typische Symptome von infektiösen Reisedermatosen, die immer häufiger zum unerwünschten Mitbringsel werden, erfahren Sie hier!
Wieder zuhause nach der Reise. Nun heißt es Koffer auspacken, Post checken, Blumen gießen, Haustiere begrüßen oder so manch anderes nach längerer Abwesenheit erledigen. Der Erholung und den Urlaubserlebnissen nachspüren gehört selbstverständlich auch dazu. Wären da nur nicht diese Hautprobleme: an mehreren Bereichen des Körpers juckt sie, mitunter stark, und ist immer wieder entzündet.
Infektiöse Hauterkrankungen kennen keine Grenzen
Obwohl hierzulande selten, nehmen Hauterkrankungen durch infektiöse Erreger bei uns zu. Denn sie gehören mittlerweile nach Durchfall und Fieber zu den dritthäufigsten Erkrankungen, die Reiserückkehrer aus Südeuropa, tropischen oder subtropischen Regionen betreffen können [1]. Dies erklärt sich zum einen durch stetig steigende Reiselust und damit einer global mobilen Bevölkerung, zum anderen durch mehr Migration. So können sich infektiöse Reisedermatosen (IRD) über alle Grenzen hinweg weltweit verbreiten. Zu den Spitzenreitern gehört die kutane Larva migrans, dicht gefolgt von der kutanen Leishmaniasis und Myiasis [1]. Diese Reisedermatosen können durchaus in einigen Fällen von alleine ausheilen. „Als harmlos dürfen sie indessen keinesfalls bagatellisiert werden“, warnt Prof. Dr. Esther von Stebut, Direktorin der Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Venerologie, Uniklinik Köln und DDG-Vorstandsmitglied. Denn sie können zu einem ausgeprägtem anhaltenden Juckreiz und persistierenden Hautentzündungen, unter anderem im Gesicht führen. Das Bewusstsein, dass die Haut durch Parasiten befallen ist, macht IRD auch psychisch sehr belastend. „Da sich die Beschwerden oftmals erst nach Wochen oder gar Monaten nach der Reiserückkehr manifestieren, kann es dauern, bis die Diagnose gestellt wird“, weiß die Kölner Dermatologin. Entsprechend verspätet ist der Therapiebeginn, was möglichen Komplikationen den Weg ebnet. Umso wichtiger ist es, die Eckdaten zu den drei häufigsten IRD zu kennen.
Kutane Larva migrans
Der Befall durch Larven von Hakenwürmern ist wie erwähnt die häufigste IRD. Diese zeigt sich zunächst durch kleine runde oder ovale Knötchen auf der Haut, den sogenannten Papeln. Von ihnen breiten sich gewundene Gänge unter der Epidermis aus, die täglich einige Millimeter länger werden – schließlich wandern die Larven. Lokal begrenzt treten Inflammationsreaktionen auf, die eine Bildung von Hautbläschen zur Folge haben können. Ein massiver Juckreiz an den befallenen Stellen ist das Leitsymptom. „Wird aufgrund dessen gekratzt, besteht das Risiko einer sekundär bakteriellen Infektion, die eine häufige Komplikation darstellt“, so Prof. von Stebut.
Die kutane Larva migrans ist am Mittelmeer, in Südamerika, Afrika, Südostasien, der Karibik und im Südosten der USA verbreitet. Sie wird über die Exkremente freilaufender Tiere, ganz besonders von Katzen und Hunden übertragen.
Zur Therapie der kutanen Larva migrans sind Anthelminthika, also Wirkstoffe zur Bekämpfung von Würmern empfohlen [2, 3]. Meistens wird Ivermectin als Tabletten oral oder als Creme lokal angewendet [2, 3]. Wichtige Maßnahmen zur Prävention sind laut Prof. von Stebut das Meiden von Stränden, an denen sich Hunde oder Katzen aufhalten. Da dies nicht so einfach zu erkennen ist, sollten bei Strandbesuchen generell Schuhe mit festen Sohlen getragen werden. So lässt sich der mögliche Kontakt mit dem Kot der Tiere besser verhindern. Denn vor allem Katzen verscharren ihre Hinterlassenschaften – so bleiben sie anders als bei Hunden unentdeckt. Barfuß zu laufen sollte entsprechend erst mit Eintritt in das Meer erfolgen. Wichtig ist es nach den Worten von Prof. von Stebut darüber hinaus, sich nicht direkt auf den möglicherweise kontaminierten Strand zu legen. „Minimum sollte ein Handtuch sein, besser sind Liegen oder Matratzen“.
Kutane Leishmaniasis
Diese IRD wird durch den Parasiten Leishmania verursacht – übertragen beim Stich von Sandmücken aus deren Speicheldrüse. Der Hauptrisikobereich liegt in tropischen Regionen. Doch auch Urlauber im gesamten Mitteleerraum, vor allem auch auf Mallorca, sind gefährdet. Nicht umsonst wird die kutane Leishmaniasis mittlerweile bei Tierärzt:innen auch als „Mittelmeerkrankheit“ bezeichnet. Denn vielfach sind Hunde davon betroffen.
Zunehmende Gefahr aus den Tropen
Die kutane Leishmaniasis (CL) hat es inzwischen auf den ersten Platz der importierten Dermatosen aus den Tropen geschafft. Die WHO schätzt die Inzidenz der jährlichen Neuerkrankungen auf 600.000 bis eine Million Fälle [4]. Die wichtigsten Verbreitungsgebiete sind in Südamerika Brasilien, Peru und Kolumbien [4]. Auf dem afrikanischen Kontinent liegen diese in Kenia, Äthiopien und Sudan sowie in Algerien [4]. Im Nahen Osten sind Syrien, Iran und Afghanistan betroffen [4].
Nach der Infektion durch den Parasiten bilden sich eitrig gefüllte Pusteln, die sich binnen Wochen vergrößern und zu Geschwüren entwickeln. Dazu kommt es laut Prof. von Stebut meistens erst Wochen bis Monate nach der Reise. „Ein Zusammenhang damit wird deshalb oft nicht erkannt.“ Die Geschwüre treten in der Regel an freiliegenden Körperbereichen wie Armen, Beinen und Gesicht auf. Wenn es zu keiner bakteriellen sekundären Infektion gekommen ist, heilen die Geschwüre bei einem intaktem Immunsystem von selbst aus und verursachen keine Beschwerden. Es kommt jedoch zur Bildung von Narben, was natürlich belastend für die Betroffenen ist – zumal wenn sie im Bereich des Gesichts liegen.
Die Hautexpertin gibt zu bedenken, dass sich eine CL über den Lymph- als auch den Blutkreislauf im gesamten Körper verteilen kann. Bei der sogenannten mukokutanen Leishmaniasis hat sich die Infektion auf den Schleimhäuten des Nasenrachenraumes sowie des Kehlkopfes und der Luftröhre manifestiert. Selten sind auch innere Organe wie Leber, Nieren, Milz und Darm sowie das Knochenmark betroffen. Eine solche viszerale Leishmaniasis, auch bekannt als Kala-Azar, kann laut Prof. von Stebut lebensbedrohlich werden. „Sowohl die mukokutane als auch die viszerale Form tritt vor allem bei immungeschwächten Personen auf“.
Die Therapie hängt von der Art der Ausprägung sowie vom Gesundheitszustand der Betroffenen ab [5]. Sie kann lokal wie auch systemisch erfolgen [5]. Um sich vor einer CL zu schützen, sollte die Kleidung abends und nachts die Arme und Beine komplett bedecken. Die Fenster sind während des Schlafens zu schließen. Prof. von Stebut empfiehlt zudem den Einsatz von engmaschigen, speziell imprägnierten Moskitonetzen. „Denn die nachtaktiven Sandmücken sind mit zwei Millimetern im Vergleich zu den Mücken in Deutschland sehr klein“. Unerlässlich ist die konsequente Anwendung von Insektenschutzmitteln – auch in Innenräumen. Die genutzten Repellentien sollten DEET oder Icaridin enthalten. Da Sandmücken in Bodennähe fliegen, können Hotelzimmer in höheren Etagen zusätzlich zur Reduktion des Infektionsrisikos beitragen.
Kutane Myiasis
Bei dieser Reisedermatose sind die Auslöser Larven verschiedener Fliegenarten. Diese werden auf Gegenständen beispielsweise auf zum Trocknen aufgehängter Kleidung abgelegt. Ein weiterer Übertragungsweg erfolgt über kleine Mücken. „Sie dienen laut Prof. von Stebut „als Carrier der Larven, da sie sich Menschen anders als die vergleichsweise großen Fliegen unbemerkt annähern können“. Mitunter siedeln sich die Fliegenlarven auch in kleinen Hautverletzungen sowie offenen Wunden an. Die geschlüpften Larven bohren sich in die Haut, was an der betroffenen Region zur Bildung eines Geschwürs führt. Es kommt zu starkem Juckreiz, Absonderungen von Sekret und in einigen Fällen auch zu Schmerzen. Vielfach lassen sich kleine weiße Abschnitte der Maden erkennen, die sichtbar aus der Haut hervorragen. Charakteristisch für eine kutane Myiasis ist weiterhin, dass die Bewegung der Larven unter der Hautoberfläche zu spüren ist.
Die kutane Myiasis ist in Afrika südlich der Sahara sowie in allen Ländern Mittel- und Südamerikas verbreitet. Darüber hinaus tritt sie weltweit in subtropischen und tropischen Zonen auf.
Zur Behandlung werden die Larven mechanisch aus der Haut entfernt. Um die Effektivität dessen zu erhöhen, empfiehlt sich das Abkleben der Eintrittspforten, die von den Parasiten als Atemlöcher benötigt werden. Sie leiden somit unter Atemnot, was sie an die Hautoberfläche treibt und ihre Entfernung erheblich erleichtert. Mitunter ist eine chirurgische Vergrößerung der Eintrittspforten unter lokaler Anästhesie erforderlich. Der Einsatz von Antibiotika kann in einigen Fällen zum Schutz vor sekundären bakteriellen Infektionen angezeigt sein. Zur Vorbeugung sind das Schlafen unter imprägnierten Moskitonetzen sowie die Anwendung von Repellentien mit DEET oder Icaridin unerlässlich. Bestehende Wunden sollten unbedingt gut mit einem Verband abgedeckt und regelmäßig gesäubert werden. Denn wie erwähnt kann das Ablegen der Larven auch in offenen Wunden erfolgen. Ein weiterer Tipp zur Prävention von Prof. von Stebut ist, Kleidung zum Trocknen nur in geschlossenen Räumen aufzuhängen. Darüber hinaus sollte laut der Dermatologin auf jeden Fall ein wirksamer Tetanusschutz vorhanden sein.
Vierfache Sicherung für Tropenreisen
Um schwerwiegende gesundheitliche Probleme bei Aufenthalten in tropischen Regionen im Vorhinein zu vermeiden, empfehlen sich vier Sicherheitsmaßnahmen. Sie beinhalten konsequente Hygiene, Insektenschutz, erforderliche Schutzimpfungen und gezielte Malariaprophylaxe. Was jeweils an Impfungen erforderlich ist, sollte rechtzeitig – mindestens zwei Monate – vor Beginn der Reise ärztlich abgeklärt werden. Abgesehen von diesen Präventionsmaßnahmen sollte beim Packen auch an Kondome gedacht werden, um sich vor sexuell übertragbaren Erkrankungen schützen zu können.
Pressemitteilung der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft (DDG) vom 04.08.2026
Literatur:
- (1)
Rongisch R. et al. Infektiöse Reisedermatosen. J Dtsch Dermatol Ges. 2020; 18 (7): 730 – 733.
- (2)
Sunderkötter C. et al. S1-Leitlinie zur Diagnostik und Therapie der kutanen Larva migrans (Creeping disease). J Dtsch Dermatol Ges. 2014; 12: 86 – 91.
- (3)
Bopp L. et al. Behandlung der kutanen Larva migrans. J Dtsch Dermatol Ges. 2025; 23 (3): 381 – 383.
- (4)
WHO: Leishmaniasis, abrufbar unter: https://www.who.int/health-topics/leishmaniasis#tab=tab_1, zuletzt abgerufen am 13.08.2026.
- (5)
Von Stebut, E. Leishmaniasis. J Dtsch Dermatol Ges. 2015; 13: 191 – 201.
- (6)
Tropeninstitut.de: Myiasis, abrufbar unter: https://tropeninstitut.de/krankheiten-a-z/myiasis, zuletzt abgerufen am 13.08.2026.