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Medizin

03. Juni 2020 Moderne Therapie des Bauchaortenaneurysmas: perkutane endovaskuläre Aneurysma-Ausschaltung

Bauchaortenaneurysmen (BAA) treten besonders häufig bei Männern im höheren Alter auf. Besonders gefährlich sind sie ab einem Durchmesser von 5,5 cm bei Männern und ab 4,5 cm bei Frauen. Um BAAs frühzeitig zu entdecken, steht seit 2017 allen Männern ab 65 Jahren einmalig eine kostenlose Ultraschalluntersuchung zu. Zur Behandlung hat sich inzwischen die perkutane endovaskuläre Aneurysma-Ausschaltung (PEVAR) etabliert. 
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PEVAR kommt praktisch ohne chirurgische Schnitte aus. „Es entsteht beim Eingriff nur ein kleines Zugangsloch von wenigen Millimetern“, erklärt Prof. Dr. med. Jörg Heckenkamp, Experte der Deutschen Gesellschaft für Gefäßchirurgie und Gefäßmedizin e.V. (DGG). Das bringt PEVAR Vorteile gegenüber EVAR, wie Studien inzwischen belegen.

Gute Wundheilung

„PEVAR ist nicht nur genauso sicher wie EVAR, die Wundheilung ist auch nachweislich besser, es gibt seltener Komplikationen“ , so der DGG-Experte. „Zudem spüren die Patienten weniger Schmerzen, sie genesen insgesamt schneller. „Die Patienten können meist wenige Stunden nach dem Eingriff wieder aufstehen und laufen“, so der Gefäßchirurg. Zum Verschließen des Lochs, das bei der PEVAR-Punktion entsteht, greifen die Chirurgen auf verschiedene Systeme zurück – auf Knoten, aber auch Pfropfen, Plomben oder Clips. „Welchen Verschluss wir wählen, ist abhängig von der Größe des Stent-Grafts, den wir einführen“, erläutert Heckenkamp. Der Operateur sollte in dieser Technik gut trainiert sein und über viel OP-Erfahrung verfügen, rät Heckenkamp.
 
Eingriff erfolgt in der Regel in örtlicher Betäubung

Ein PEVAR-Eingriff erfolgt in der Regel in örtlicher Betäubung oder rückenmarksnaher Regionalanästhesie, auf Wunsch aber auch in Allgemeinnarkose. „Das hängt von dem Zustand der Gefäße und der Einstellung des Patienten ab“, so Heckenkamp. „Bei großer Nervosität ist eine Vollnarkose vorzuziehen, weil der Patient sich sonst aus einer Unruhe heraus während der Platzierung des Stent-Grafts bewegen könnte.“ Ausschlusskriterien für PEVAR sind eine starke Verkalkung der Beckenarterien oder extremes Übergewicht. Wie alle minimalinvasiven BAA-Eingriffe zieht auch PEVAR eine lebenslange Nachsorge in Form von regelmäßigen Computertomografie- und Ultraschallkontrollen nach sich. Insgesamt werden heute 70-80% aller BAAs minimalinvasiv operiert. Der Rest der Eingriffe erfordert nach wie vor eine offene Bauchoperation. Gefäßchirurgen in zertifizierten Gefäßzentren bieten alle Methoden an und können entsprechend beraten.
 
Zertifizierte Gefäßzentren an Kliniken: https://www.gefaesschirurgie.de/patienten/zertifizierte-gefaesszentren/
Informationen zum BAA- Screening: https://www.g-ba.de/downloads/17-98-4330/2017_08_17_G-BA_Merkblatt_Versicherteninformation-Bauchaortenaneurysmen_bf.pdf, http://www.baa-screening.de/

Quelle: Deutsche Gesellschaft für Gefäßchirurgie und Gefäßmedizin e.V. (DGG)

Literatur:

S3-Leitlinie zu Screening, Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Bauchaortenaneurysmas
https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/004-014l__S3_Bauchaortenaneurysma_2018-08.pdf


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