Samstag, 20. Juli 2024
Navigation öffnen
Gesundheitspolitik

Urteil: Krankenkasse muss Medizin-Cannabis nicht zahlen

Urteil: Krankenkasse muss Medizin-Cannabis nicht zahlen
© Africa Studio - stock.adobe.com
Bei starken chronischen Schmerzen etwa können Ärztinnen und Ärzte im Einzelfall Cannabis verordnen. Ob die Krankenkasse zahlt, hängt vor allem an dieser Frage: Gibt es noch Behandlungsalternativen?

Kostenübernahme für Therapie mit medizinischem Cannabis nicht selbstverständlich

Die Krankenkasse muss eine Therapie mit medizinischem Cannabis nicht zahlen, wenn es noch andere Behandlungsmöglichkeiten gibt. Das geht aus einem Urteil des Sozialgerichts Osnabrück hervor, auf das das Portal anwaltauskunft.de hinweist (AZ: S 46 KR 160/22).

Monatliche Kosten: rund 430 Euro

Im konkreten Fall ging es um einen Mann, der von mehreren Erkrankungen betroffen ist, darunter von einem Posttraumatischen Belastungssyndrom und die Lungenkrankheit COPD. Er berichtete von Panikattacken, schweren Schlafstörungen sowie ständigen Schmerzen. Der Mann wurde sechs Wochen lang stationär in einer psychosomatischen Klinik behandelt und absolvierte außerdem zwei Reha-Maßnahmen.

Sein Arzt verordnete ihm dann auf einem Privatrezept Cannabisblüten zur Vaporisation. Dabei werden die Wirkstoffe in einem Gerät verdampft, sodass sie eingeatmet werden können. Kosten für diese Therapie: rund 430 Euro im Monat.

Krankenkasse verwies auf Alternativen wie Krankengymnastik

Der Mann beantragte die Kostenübernahme bei seiner gesetzlichen Krankenkasse. Seine Begründung: Der medizinische Cannabis habe zu spürbaren Verbesserungen seiner Beschwerden geführt, weit über die bisherigen Behandlungen hinaus.

Die Krankenkasse ließ ein Gutachten durch den Medizinischen Dienst durchführen – und lehnte dann ab. Die Argumentation der Kasse: Es gebe noch Behandlungsalternativen, diverse Schmerzmittel zum Beispiel. Und sie verwies darauf, dass die behandelnden Ärzte dem Mann unter anderem Krankengymnastik und eine intensive Traumabehandlung empfohlen hatten. Die Möglichkeiten seien damit noch nicht ausgeschöpft.
 
 

Lesen Sie mehr zu diesem Thema:

Medizinische Cannabinoide: Bessere Versorgung von schwer kranken Patient:innen

Erschienen am 14.06.2023Die DGS-Schmerzinitiative präsentiert erste Ergebnisse zur Versorgung mit medizinischen Cannabinoiden in Deutschland. → weiterlesen

Erschienen am 14.06.2023Die DGS-Schmerzinitiative präsentiert erste Ergebnisse zur Versorgung mit medizinischen Cannabinoiden in...

© Africa Studio – stock.adobe.com

Verweis auf das Betäubungsmittelgesetz

Der Fall ging vor das Sozialgericht Osnabrück, das der Krankenkasse recht gab. Das Gericht stellte zwar fest, dass bei dem Mann Erkrankungen vorlägen, die die Lebensqualität dauerhaft beeinträchtigten. Doch: Wie die Entlassungsbriefe nach den stationären Behandlungen zeigten, bestünden noch weitere Behandlungsmöglichkeiten, die noch nicht ausgeschöpft seien.
 

Quelle: dpa


Sie können folgenden Inhalt einem Kollegen empfehlen:

"Urteil: Krankenkasse muss Medizin-Cannabis nicht zahlen"

Bitte tragen Sie auch die Absenderdaten vollständig ein, damit Sie der Empfänger erkennen kann.

Die mit (*) gekennzeichneten Angaben müssen eingetragen werden!

Die Verwendung Ihrer Daten für den Newsletter können Sie jederzeit mit Wirkung für die Zukunft gegenüber der MedtriX GmbH - Geschäftsbereich rs media widersprechen ohne dass Kosten entstehen. Nutzen Sie hierfür etwaige Abmeldelinks im Newsletter oder schreiben Sie eine E-Mail an: rgb-info[at]medtrix.group.