Pflegebevollmächtigte Staffler: Pflegesystem für viele „schlicht nicht praktikabel"
Rund sechs Millionen Menschen in Deutschland sind pflegebedürftig. Viele werden zu Hause von Angehörigen versorgt. Doch die wissen oft nicht, welche Leistungen ihnen zustehen. Das soll sich ändern.
Komplexität überfordert pflegende Angehörige
Die Pflegebevollmächtigte der Bundesregierung, Katrin Staffler, spricht sich für Vereinfachungen bei staatlichen Unterstützungsleistungen für Pflegebedürftige aus. Es gebe für viele einzelne Bereiche eigene Leistungen, bis hin zu kleinen Pauschalen etwa für Pflegehilfsmittel, sagte die CSU-Politikerin dem Nachrichtenportal „web.de News". Die Komplexität dieses Systems überfordere viele Menschen: „Es ist für viele schlicht nicht praktikabel.“
Pflegereform soll drei bis vier flexible Budgets schaffen
Die Bundesregierung will das System ihren Angaben zufolge mit der Pflegereform noch in diesem Jahr vereinfachen. Statt der Vielzahl kleinteiliger Einzelleistungen solle es künftig drei oder vier flexibel nutzbare Budgets geben. „Dazu schauen wir uns gerade an, wie sich die bisherigen Leistungen sinnvoll gruppieren lassen", sagte Staffler. „Die Vorteile wären: weniger Bürokratie, weniger Anträge, und vor allem könnten Betroffene dann viel individueller entscheiden, wofür sie die Unterstützung einsetzen.“
Startbegleitung für pflegende Angehörige gefordert
Aus Sicht von Staffler müssten pflegende Angehörige vor allem zu Beginn des Pflegeprozesses besser beraten werden. Ähnlich wie junge Eltern eine Hebamme haben, bräuchten auch pflegende Angehörige eine Art Startbegleitung, so die CSU-Politikerin. „Pflegende Angehörige stehen oft völlig allein vor einer komplexen und emotional belastenden Situation. Mit einer guten Anleitung von Beginn an hätten Angehörige die nötige Starthilfe und wüssten, welche konkreten Möglichkeiten und Angebote Entlastung schaffen."
Quelle:dpa