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Medizin

15. Januar 2020 Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung bei Erwachsenen immer noch untertherapiert

Auf einem Symposium im Rahmen des DGPPN-Kongresses wurden eine Untersuchung zur Prävalenz einer aADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-/ Hyperaktivitätsstörung) bei Erwachsenen in einer Population von Unfallopfern und die Follow-up-Daten der COMPAS-Studie vorgestellt (1, 2).
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Fachinformation
Unterdiagnostiziert und deutlich untertherapiert

In der PRADA-Studie (Prevalence of ADHD in Accidentvictims) (1) wurde in 2 Unfallkliniken (BG Unfallklinik, Unfallchirurgie und MKG, Uniklinik FFM) ein Screening-Test mit Selbstbeurteilungs-Skala für Erwachsene (ADHD self-report scale; ASRS) eingesetzt und der Unfallhergang/die Unfallursachen bei den ASRS-positiv gescreenten Patienten und einer zufällig ausgewählten Stichprobe von ASRS negativen Unfall-Patienten genau erfasst. Wie Prof. Sarah Kittel-Schneider, Würzburg, ausführte, lag die Prävalenz von ADHS bei 6,18% und war 2-fach höher als in der Allgemeinbevölkerung. Die ADHS-Patienten gaben signifikant mehr innere Ablenkung und Selbstüberschätzung direkt vor dem Unfallereignis an. Nur bei 17% der ASRS-positiven Probanden war bereits eine ADHS-Diagnose bekannt. Und nur knapp ein Drittel der Patienten mit bekannter ADHS nahm eine Stimulantienmedikation ein. Wie die Rednerin ausführte, sei aADHS in Deutschland noch immer unterdiagnostiziert und deutlich untertherapiert. Aufgrund der Ergebnisse erscheint den Autoren außerdem ein allgemeines Screening auf ADHS bei unfallchirurgischen Patienten sinnvoll (1).

Anhaltender Effekt durch multimodale ADHS-Therapie

Die COMPAS-Studie (Comparision of Methylphenidate and Psychotherapy in Adult ADHD Study) (2) ist eine prospektive, randomisiert, multizentrische Studie mit erwachsenen ADHS-Patienten (18-58 Jahren) in 7 deutschen Studienzentren. Von den ursprünglich 433 randomisierten Patienten konnten 256 Patienten (59,1%) im Follow-up nach 2,5 Jahren (T5) nachuntersucht werden (131 Patientinnen: 50,2% und 125 Patienten: 49,8%). Wie Prof. Wolfgang Retz, Homburg/Saar, erläuterte, bestand ein ausgewogenes Verhältnis der nachuntersuchten Patienten aus den ursprünglichen Randomisierungsgruppen. Nach Beendigung der Kernstudie (T4; Woche 52) gab es keine weiteren Behandlungseinschränkungen, sondern eine individuelle Behandlung ohne Vorgaben. Zum Zeitpunkt T5 wurden 78 von 251 Patienten (31,1%) mit Methylphenidat (MPH) (z.B. Medikinet® adult) behandelt (2). Wie Retz ausführte, zeigen die Langzeitergebnisse der COMPAS-Studie einen anhaltenden Effekt der multimodalen ADHS-Therapie über einen Zeitraum von 1,5 Jahren nach Beendigung der einjährigen kontrollierten Behandlung hinaus. Sowohl die spezifische Gruppenpsychotherapie als auch unspezifische Einzeltherapie lieferten langfristig bessere Ergebnisse, wenn die Behandlung mit MPH statt Placebo ergänzt wurde. Die deutlichste Symptomreduktion fand sich bei den Patienten, die von Baseline an mit MPH behandelt wurden und bei Studienende (Woche 130) MPH einnahmen (2).

Bettina Baierl

Quelle: Symposium „ADHS im Erwachsenenalter: Neue Daten – neue Situation“, anlässlich des Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde e.V. (DGPPN), 28. November 2019, Berlin; Veranstalter: Medice

Literatur:

(1) Kittel-Schneider S et al. J Clin Med 2019; 8(10): 1643. Epub 8. Okt.; doi: 10.3390/jcm8101643
(2) Lam AP et al. JAMA Netw Open 2019; 2: e194980.


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