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Medizin

30. Juli 2019 Höhergradige Niereninsuffizienz: Gezielte kardiologische Untersuchungen empfohlen

Experten zufolge leidet jeder 20. Bundesbürger an einer höhergradigen Niereninsuffizienz, bei der die Nieren kaum noch in der Lage sind, den Körper zu entgiften. Gleichzeitig erkranken Nierenpatienten wesentlich häufiger am Herzen als der Bevölkerungsdurchschnitt, doch bleibt dies oft unentdeckt. Daher raten Experten der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin e.V. (DGIM) dazu, Patienten mit fortgeschrittenen chronischen Nierenerkrankungen gezielt auf zusätzliche kardiologische Erkrankungen zu untersuchen. Dies ist eine von 12 neuen „Klug entscheiden“-Empfehlungen (KEE) aus allen Bereichen der Inneren Medizin, welche die DGIM in einem Sammelband zusammengestellt hat. Zur Verbesserung der Patientenversorgung fordert die Fachgesellschaft zudem, dass Nierenpatienten zukünftig nicht mehr aus kardiologischen Studien ausgeschlossen werden.
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Fachinformation
Erhöhtes Risiko für akutes Koronarsyndrom

„Bei Patienten mit chronischer Niereninsuffizienz soll bei entsprechenden Hinweisen ein akutes Koronarsyndrom ausgeschlossen werden.“ Mit dieser neuen „Klug entscheiden“-Empfehlung will die DGIM die Aufmerksamkeit der Ärzte auf Zusammenhänge zwischen Erkrankungen der Nieren und des Herzens lenken. Denn bei nierenkranken Patienten bleiben Probleme, wie ein akutes Koronarsyndrom, etwa ein Herzinfarkt, im Krankenhaus häufiger unentdeckt als bei Patienten ohne Nierenerkrankung. Auch die Zahl der Todesfälle in Folge einer Herzerkrankung liegt bei Nierenpatienten erheblich höher. Darauf weist die Fachgesellschaft in der neuen KEE unter Berufung auf Ergebnisse US-amerikanischer Wissenschaftler hin. „Nierenerkrankte Patienten kämpfen zusätzlich oft mit weiteren Krankheiten, häufig auch am Herzen“, sagt Prof. Dr. med. Jürgen Floege, Vorsitzender der DGIM und Direktor der Klinik für Nieren- und Hochdruckkrankheiten, rheumatologische und immunologische Erkrankungen der Uniklinik der RWTH Aachen. Vor dem Hintergrund einer immer älter werdenden Bevölkerung sei es entscheidend, die Aufmerksamkeit von Ärzten und Forschung verstärkt auf multimorbide Patienten und ihre Beschwerden zu lenken.

Zusammenarbeit zwischen Kardiologie und Nephrologie

Floege fordert mehr Interdisziplinarität der internistischen Forschung: „Gerade Patienten mit stark eingeschränkter Nierenfunktion werden nahezu regelhaft aus kardiologischen Studien ausgeschlossen. Damit vernachlässigen wir in den Studien eine wichtige Hochrisiko-Gruppe von Patienten.“ Von einer verstärkten wissenschaftlichen Zusammenarbeit von Kardiologie und Nephrologie könnten jedoch viele Tausende Patienten profitieren, so der DGIM-Vorsitzende. Aus diesem Grund widmet sich der 126. Internistenkongress im April 2020 unter dem Leitthema „Herz und Niere: eine unheilige Allianz“ den Wechselwirkungen zwischen Erkrankungen der beiden Organe. Zuvor soll bereits die neue KEE die behandelnden Ärzte für die Problematik sensibilisieren.

Instrument für den Praxisalltag 

Seit 2016 gibt die DGIM die KEE für Ärzte heraus. 11 weitere Fachgesellschaften haben sich der Initiative der DGIM angeschlossen. 12 neue KEE sind im April 2019 hinzugekommen, sodass das Programm nun 149 Positiv- und Negativempfehlungen umfasst. „Mit der Initiative KEE geben wir den Ärzten der beteiligten Fachbereiche ein praktisches Instrument für den Klinik- und Praxisalltag an die Hand“, sagt Prof. Dr. med. Georg Ertl, Generalsekretär der DGIM und Internist und Kardiologe aus Würzburg. „Die Handlungsempfehlungen richten sich sowohl gegen Über- als auch Unterversorgung und sollen die Qualität und Effektivität der Patientenversorgung weiter verbessern“, so Ertl. Ärzte können in der eAkademie der DGIM Schulungen zu den KEE absolvieren und ein Zertifikat erhalten. Weitere Informationen finden Sie auf der Homepage https://www.klug-entscheiden.com.

Quelle: Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin


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