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Medizin
23. April 2020

MS: Cladribin kann oligoklonale Banden im Liquor reduzieren

Merck informierte beim Webinar NeuroLive über aktuelle Entwicklungen im Bereich Multiple Sklerose (MS). Prof. Dr. Hans-Peter Hartung, Düsseldorf, erläuterte die zunehmende Bedeutung der oligoklonalen Banden (OKB) zur Diagnose und Prognose von MS. Da sie sensitiver auf die intrathekale Antikörper-Produktion reagieren als z.B. der IgG-Index, können OKB bei primär progredienter MS (PPMS) und klinisch isoliertem Syndrom (CIS) die Abgrenzung zu anderen Erkrankungen erleichtern. OKB können bei CIS als Nachweis für eine zeitliche Dissemination genutzt werden (1).
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„Bei CIS ist der OKB-Nachweis auch von prognostischer Relevanz – und zwar für einen schweren Verlauf mit Behinderungsprogression“, erklärte Hartung. Cladribin kann bei Patienten mit chronisch-progredienter MS die OKB nachhaltig reduzieren oder stabilisieren (2, 3).  Denn Cladribin ist einer der wenigen Wirkstoffe in der MS-Therapie, der die Blut-Hirn-Schranke überwinden und so im Liquor wirken kann (4). Die Untersuchungen wurden mit einer parenteralen Gabe von Cladribin durchgeführt (2, 3). Cladribin-Tabletten sind bei hochaktiver schubförmiger Multipler Sklerose zugelassen (5).
 
Impulstherapie: 20 Tage Einnahme, 4 Jahre Wirkung

Cladribin-Tabletten werden als Impulstherapie – im Gegensatz zu einer Dauertherapie – nur während maximal 2 zehntägigen Einnahmephasen im ersten und zweiten Behandlungsjahr eingenommen, mit einem langfristigen Therapieeffekt von bis zu 4 Jahren. Die langanhaltende Wirksamkeit basiert auf der selektiven Reduktion und Rekonstitution autoreaktiver T- und B-Zellen. Dies führt zu einem nachhaltig anti-inflammatorischen Lymphozytenmuster, wobei das angeborene Immunsystem in seiner Funktion nicht beeinträchtigt wird. Die Abwehr von bakteriellen und viralen Infekten bleibt weitgehend bestehen, da Cladribin-Tabletten nur geringfügig auf Makrophagen, Neutrophile, Plasmazellen und moderat auf CD4+ als auch CD8+ T-Zellen wirken. In allen 4 Periodic Benefit Risk Evaluation Reports (PBRER) an die europäische Arzneimittelagentur (EMA), die sowohl die Sicherheit als auch den Nutzen eines Medikaments beurteilen, wurden keine neuen Sicherheitssignale festgestellt und der Nutzen von Cladribin-Tabletten wurde weiterhin positiv bewertet (6-12).
 
Impuls- und Dauertherapien bei COVID-19


Bei Infektionsgefahr können Impulstherapien verschoben werden. Der Beginn der Behandlung kann bei Cladribin-Tabletten im zweiten Jahr um bis zu 6 Monate hinausgezögert werden (5). Prof. Dr. Gereon Nelles (Köln) empfiehlt in der aktuellen Situation: „Es sollte das individuelle Infektionsrisiko abgewogen werden. Bei Risikopatienten – mit Begleiterkrankungen wie COPD oder andere, das Immunsystem schwächende Erkrankungen – kann der Therapiestart oder die erneute Gabe verschoben werden, bis bessere Daten zum Risiko einer COVID-19 Infektion oder Erkrankung bei depletierenden Immuntherapien vorliegen. Grundsätzlich kann aber auch in der aktuellen Situation eine Therapie mit Mavenclad begonnen und fortgesetzt werden.“ Wenn nötig, eigne sich z.B. Interferon beta-1a (Rebif®) als Überbrückungstherapie sehr gut: Es besitzt einen schnellen Wirkeintritt sowie eine gute Langzeit-Wirksamkeit und -Sicherheit. Die Therapie mit Rebif kann jederzeit begonnen und auch bei einer zwischenzeitlichen Infektion weitergeführt werden (13-15). Wichtig sei aber grundsätzlich, mit den Patientinnen und Patienten rechtzeitig zu besprechen, wie das Infektionsrisiko gesenkt werden kann – nicht nur in Zeiten von COVID-19.

Quelle: Merck

Literatur:

(1) Thompson et al. Lancet Neurol.2018;17(2): 162-173.
(2) Pryce & Baker Mult Scler Relat Disord.2018; 25: 131-137.
(3) Rejdak et al. Mult Scler Relat Disord.2019; 27: 117-120.
(4) Liliemark J. Clin Pharmacokinet 1997; 32: 120-131.
(5) Fachinformation MAVENCLAD®, aktueller Stand.
(6) Comi G et al. Mult Scler Relat Disord.2019; 29: 168-74.
(7) Cook S et al. Multipl Scler Rel Dis. 2019; 29: 157-167.
(8) Cook S et al. ECTRIMS 2019 (P1390).
(9) EMA/PRAC/1092/2020 Pharmacovigilance Risk Assessment Committee (PRAC) Procedure no.: EMEA/H/C/PSUSA/00010634/201907, Seiten 1-5
(10) Baker D et al. Mult Scler Rel Dis.2019; 30: 176-186.
(11) Baker D et al. Neurol Neuroimmunol Neuroinflamm.2017; 4(4): e360.
(12) Sorensen PS et al. ACTRIMS 2018 (P084).
(13) Fachinformation Rebif®, aktueller Stand.
(14) De Stefano N, et al. J Neurol Sci. 2012; 312: 97-101.
(15) Kappos L, et al. J Neurol Neurosurg Psychiatry. 2015; 86: 1202-1207.


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