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Medizin

08. September 2015 Naloxegol erleichtert die Therapie der Opioid-induzierten Obstipation

Die Mehrzahl der Patienten mit Opioid-induzierter Obstipation sprechen unzureichend auf Laxanzien an. Für sie steht mit dem oralen, peripher wirksamen Opioidrezeptor-Antagonisten Naloxegol eine neue kausale Therapie-Option zur Verfügung. Sie ist frei mit Opioiden kombinierbar und ermöglicht so eine flexible Schmerztherapie.

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Bis zu 81% der mit Opioiden behandelten Schmerzpatienten leiden unter einer OIC (Opioid-Induced Constipation), berichtete PD Dr. Michael Überall, Nürnberg. Die oft sehr störende Nebenwirkung tritt auf, weil Opioide auch an die intestinalen µ-Rezeptoren binden. Die Darmträgheit manifestiert sich bei allen Darreichungsformen (Tabletten, Pflaster etc.) und hält  während der gesamten Therapiedauer an, was die Effizienz der Analgesie erheblich gefährdet. In einer Befragung berichteten 30% der Patienten, sie hätten zur Erleichterung des Stuhlgangs bereits die Opioid-Dosis verringert oder die Anwendung ganz abgebrochen. (1) 

Mit Naloxegol wurde erstmals ein oral applizierbarer und  peripher wirkender Opioid-Antagonist (PAMORA, Peripherally Acting Mu Opioid Receptor Antagonist) zugelassen, berichtete Dr. Viola Andresen, Hamburg. Das unter dem Handelsnamen Moventig® eingeführte Medikament steht als Filmtablette in den Dosierungen 12,5 und 25 mg zur Verfügung und muss nur einmal täglich eingenommen werden. Es ist indiziert bei erwachsenen mit OIC-Patienten, die auf die symptomatische Behandlung Lanxanzien unzureichend angesprochen haben.

Naloxegol ist eine Weiterentwicklung des Opioid-Antagonisten Naloxon. Es hemmt die Bindung von Opioid-Molekülen an die µ-Rezeptoren im Darm und wirkt so kausal der Entstehung einer Obstipation entgegen. Gleichzeitig verhindert die chemische Struktur des Moleküls, dass der PAMORA in relevanter Menge die Blut-Hirn-Schranke überwindet, d.h. Naloxegol beeinträchtig den  analgetischen Effekt des eingesetzten Opioids nicht.  

Die rasch einsetzende Wirkung von Naloxegol wurden in zwei placebokontrollierten Doppelblindstudien (KODIAC 4  und 5) nachgewiesen (2). Mit dem PAMORA behandelte Patienten hatten am ersten Tag Stuhlgang (im Median nach 7,6 Stunden), signifikant früher als in der Placebogruppe (41 Stunden). Passagere gastrointestinale Nebenwirkungen kamen vor allem durch das Lösen der Verstopfung zustande. Studien über 24 bzw. 52 Wochen (KODIAC-7 und -8) bestätigen die gute Verträglichkeit (3, 4). Mit Naloxegol ist es erstmals möglich, einen oralen Opioid-Antagonisten mit verschiedenen Opioiden - unabhängig von Dosierung und Darreichungsform - frei zu kombinieren, betonte Dr. Andresen. 

Literaturhinweise:
(1) Coyne KS et al., Clinocoecon Outcomes Res 2014; 269-281
(2) Chey WD et al., N Engl J Med 2014; 19: 370: 2387-2396
(3) Moventig Fachinformationen Stand Dezember 2014
(4) Webster L et al., Aliment Pharmacol Ther 2014; 40: 771-779

Dr. med. Dorothea Ranft, Mainz (dra)

Quelle: Launch-Pressekonferenz, Astra Zeneca, 25. 8. 2015


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