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Medizin

02. Juli 2020 Periphere neuropathische Schmerzen: Deutliche Schmerzreduktion unter kutanem Capsaicin-Pflaster

Über ihre praktischen Erfahrungen mit dem kutanen Capsaicin-Pflaster Qutenza® (179 mg) in der Praxis sprach Grünenthal mit 3 Experten (1). Das
Pflaster besitzt eine breite Zulassung zur Behandlung aller peripheren neuropathischen Schmerzsyndrome (1). Dank der topischen Applikation gelangt der Wirkstoff direkt an den Ort des Schmerzes. Periphere neuropathische Schmerzen und auch deren Symptome, wie Taubheit, Brennen oder Kribbeln können so für im Mittel 5 Monate reduziert werden (2).
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Chronische neuropathische Schmerzen sind in der klinischen Praxis häufig und beeinträchtigen die Lebensqualität der Betroffenen erheblich. Sie sind medikamentös oft schwer zu behandeln, weil ein Teil der Patienten nicht ausreichend auf die Therapie anspricht oder darunter nicht tolerierbare Nebenwirkungen entwickelt (3). Eine topisch applizierbare Therapieoption wie das Capsaicin-Pflaster (179 mg), die gezielt lokal wirkt und nur wenige, überwiegend lokale und selbstlimitierende Nebenwirkungen hervorruft, kann daher einen wichtigen Beitrag zur besseren Versorgung der Patienten leisten und zu einer Erhöhung der Lebensqualität beitragen.

Überschaubares Nebenwirkungsprofil (4)

Das Capsaicin-Pflaster kann zur Behandlung von peripheren neuropathischen Schmerzen bei Erwachsenen als Monotherapie oder in Kombination mit anderen Analgetika eingesetzt werden (1). „Aus meiner Sicht ist das Pflaster in vielen Fällen genauso gut wirksam wie eine systemische Therapie mit Pregabalin“, betonte Prof. Dr. Christian Maihöfner, Chefarzt der Neurologischen Klinik am Klinikum Fürth. In der offenen, randomisierten ELEVATE-Studie war gezeigt worden, dass die Wirkung des kutanen Capsaicin-Pflasters deutlich schneller eintritt als die von systemischem Pregabalin (7,5 versus 36 Tage) (4). „Außerdem wurden bei Patienten des Capsaicin-Arms meist nur lokale Nebenwirkungen an der Applikationsstelle wie Erythem, Brennen oder Schmerzen beobachtet. Studienteilnehmer, die mit Pregabalin behandelt wurden, litten dagegen eher unter systemischen Nebenwirkungen wie Übelkeit, Schwindel oder Müdigkeit“ (4), sagte Maihöfner.

Ein weiterer Vorteil der lokalen Applikation besteht laut Maihöfner in dem geringeren Risiko für Arzneimittelinteraktionen. Und schließlich: „Während systemische Therapien in der Regel täglich eingenommen werden müssen, wirkt das Capsaicin-Pflaster über mindestens 3 Monate oder auch länger, sodass die Patienten entsprechende Pausen zwischen den Anwendungen haben“, so der Neurologe (1). In Zeiten von COVID-19 könne dies sogar ein Vorteil sein, da die Patienten nach einer Applikation entsprechend lange von der Wirkung profitieren.

Früher Therapiestart zahlt sich aus (5)

Dass sich ein möglichst früher Therapiebeginn (< 6 Monate nach Symptombeginn) mit dem Capsaicin-Pflaster lohnen kann, hat die nicht-interventionelle QUEPP (QUTENZA – Safety and Effectiveness in Peripheral neuropathic Pain)-Studie gezeigt (5). Zwar profitierten auch Patienten mit lange bestehenden neuropathischen Schmerzen, allerdings in geringerem Ausmaß als Patienten, deren Schmerzen erst vor kürzerer Zeit begonnen hatten. „50% der Patienten erreichten eine mindestens 30-%ige Schmerzlinderung, und ein Drittel waren sogar Super-Responder, die eine permanente Schmerzreduktion über 12 Monate erfuhren“, informierte Maihöfner (5).

Für die Praxis relevant sei die Beobachtung, dass sich neben den Schmerzen auch Schmerzcharakteristika wie Kribbeln, Taubheit, Brennen, Allodynie und Hyperalgesie bessern (6). „Bei Mehrfachapplikationen beobachten wir außerdem häufig, dass das Areal kleiner wird“, ergänzte der Neurologe. QUEPP habe darüber hinaus die gute Verträglichkeit des Capsaicin-Pflasters belegt (2, 6).

Eine Toleranzentwicklung tritt auch meist unter wiederholter Anwendung des Capsaicin-Pflasters nicht ein. „Das ist nicht zuletzt deshalb wichtig, weil es Patienten gibt, die auf die erste Anwendung nicht ansprechen. Wenn das Pflaster beim ersten Mal nicht wirkt, sollte man es auf jeden Fall ein zweites Mal probieren. Nicht selten sprechen Pateinten erst ab der zweiten Anwendung an“, riet Maihöfner.

Capsaicin in den Leitlinien

Um einer Schmerzchronifizierung entgegenzuwirken, müssen Schmerzen so früh wie möglich behandelt werden. In der S2k-Leitlinie „Diagnose und nicht interventionelle Therapie neuropathischer Schmerzen“ der Deutschen Gesellschaft für Neurologie e.V. (DGN) wird seit September 2019 auch ein früherer Einsatz der topischen Therapie mit dem Capsaicin-Pflaster empfohlen. Neue Studiendaten haben dazu geführt, dass sich die Evidenz für das Capsaicin-Pflaster deutlich verbessert hat. Die Behandlungsoption wird in der Leitlinie als Therapie der zweiten Wahl genannt. Bei lokalisierten neuropathischen Schmerzen kann sogar ein primärer Einsatz in Erwägung gezogen werden (3).

Deutliche Schmerzlinderung nach nur einer Anwendung

Bei Dr. Lilit Flöther, Anästhesistin und Schmerztherapeutin aus Halle/Saale, kommt das Capsaicin-Pflaster häufig bei Patienten mit Chemotherapie-induzierter Polyneuropathie (CIPN) zum Einsatz: „Hier kann oft schon eine einmalige Pflasterapplikation helfen, Schmerzen zu lindern und die Schmerzempfindlichkeit herabzusetzen“. Möglicherweise wird durch die Therapie auch die Nervenregeneration im Sinn einer Krankheitsmodifikation gefördert (7). Im konkreten Fall einer mastektomierten Patientin mit CIPN wurde unter der Therapie mit dem Capsaicin-Pflaster bereits nach der ersten Behandlung eine Reduktion der Schmerzintensität um 50% und der neuropathischen Beschwerden wie Dysästhesie und Allodynie um etwa 40% erreicht. „In der Folge besserten sich die Lebensqualität und die psychoemotionale Stabilität der Patientin erheblich, und sie konnte wieder ins Berufsleben zurückkehren“, berichtete Flöther. Zu dem Gewinn an Lebensqualität hätten der durch die Schmerzlinderung verbesserte Nachtschlaf und die bessere Beweglichkeit beigetragen.

„Viele Patienten mit einer CIPN freuen sich nach der Behandlung mit dem Capsaicin-Pflaster darüber, wieder normale Schuhe tragen und eine Kaffeetasse halten zu können, was lange Zeit nicht möglich war. „Daraus lässt sich schließen, dass periphere neuropathische Schmerzen bei Tumorpatienten mit dem Capsaicin-Pflaster sehr gut zu behandeln sind“, konstatierte die Schmerzspezialistin.

Einfache Handhabung, praktische Tipps

Über sehr gute Erfahrungen mit kutanem Capsaicin berichtete auch Dr. Marc Seibolt, Chefarzt Algesiologikum Tagesklinik für Schmerzmedizin, München: „Wir setzen das Capsaicin-Pflaster vor allem bei Patienten mit Post-Zoster-Neuralgie, CIPN und diabetischer Polyneuropathie ein. Eine Schmerzreduktion von bis zu 50% ist bei manchen Patienten möglich“. Bei der Post-Zoster-Neuralgie gehe oft auch die mechanische Hyperalgesie und die Allodynie so weit zurück, dass die Patienten angeben, mit den verbleibenden Symptomen gut leben zu können, sagte Seibolt. Und Patienten mit diabetischer Neuropathie seien über die Linderung der Brennschmerzen sehr froh und würden über eine Verbesserung ihres
Nachtschlafs berichten (8). Die Therapie sei wirksam und gut verträglich, mögliche Nebenwirkungen würden von den Patienten in der Regel gut toleriert, medizinische Nachteile sehe er keine. „Aus meiner Sicht ist das Capsaicin-Pflaster einfach zu handhaben, zu erklären und zu rezeptieren“, so Seibolt. Er riet dazu, zum eigenen Schutz möglichst immer mit doppelten Nitrilhandschuhen zu arbeiten und Stretchpflaster einzusetzen, damit die Pflasterflächen beim Patienten wirklich dicht anliegen. „Damit kann man guten Zug aufbauen. Wenn wir an den Unterschenkeln kleben oder an den Fußsohlen, nehmen wir auch Frischhaltefolie: Eine Rolle Frischhaltefolie kann man schön eng wickeln – das funktioniert gut“, so Seibolt abschließend.

Die Informationen wurden im Rahmen von Interviews gewonnen und geben die
persönliche Meinung der Experten wider.

Quelle: Grünenthal

Literatur:

(1) Fachinformation Qutenza®. Stand: März 2019 GRÜNENTHAL
(2) Maihöfner C, Heskamp M, Curr Med Res Opin 2013; 29: 673–683
(3) https://www.dgn.org/images/red_leitlinien/LL_2019/PDFs_Download/030114_LL_Neuropathische_
Schmerzen_2019.pdf. Letzter Aufruf: 9. Juni 2020
(4) Haanpää M et al., Eur J Pain 2016; 20: 316–323
(5) Maihöfner C, Heskamp M, Eur J Pain 2014; 18(5): 671-679
(6) Cruccu G et al., Eur J Pain 2018; 22: 700–706
(7) Anand P et al., J Pain Res 2019; 12: 2039–2052
(8) Simpson DM et al., J Pain 2017; 18: 42–53


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