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Medizin

28. Oktober 2019 Reisediarrhoe: Effektive Selbstmedikation mit Rifamycin in neuer Galenik möglich

Reisedurchfall zählt mit Sonnenbrand und Mückenstichen zu den 3 häufigsten gesundheitlichen Beeinträchtigungen eines erlebnisreichen (Auslands-)Urlaubs. Hauptursache sind mit bis zu 80% bakterielle Infektionen, meist mit E. coli und als Mischinfektionen etwa mit Shigellen oder Salmonellen. Bei nicht-invasiven mittelschweren bis schweren Formen ohne Dysenterie – also ohne Fieber oder Blut im Stuhl – ist das kaum resorbierte Breitspektrums-Antibiotikum Rifamycin ebenso wirksam wie das Fluorchinolon Ciprofloxacin bei deutlich geringerer Resistenzinduktion.
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Fachinformation
Keine effektive Prophylaxe möglich

Auch bei Beachtung des „Mantras der Tropenmedizin: koch es, schäl es oder vergiss es“ läßt sich, gerade bei Urlauben in tropischen Reisedestinationen, ein Reisedurchfall oft nicht vermeiden, betonte der Reise- und Tropenmediziner Prof. Tomas Jelinek, Berlin. Zudem schmälert das den Reisegenuss deutlich. Vorbeugende Chemoprophylaxe oder Impfungen bieten ebenfalls keine vollständigen Schutz. „Wir haben also kein effektives Präventionskonzept bei Reisedurchfall“, so sein Resümee.

Selbstmedikation vor Ort meist sinnvoll

In vielen Situationen ist daher nach Ansicht des Reisemediziners Prof. em, Robert Steffen, Zürich, eine Selbstmedikation am Urlaubsort sinnvoll und möglich. Nach einer aktuellen internationalen Konsensus-Leitlinie zur Reisediarrhoe (1) reicht bei leichten Verläufen mit wenigen ungeformten Stühlen und ohne schwere Begleitsymptome die Einnahme von Loperamid oder Racecadotril verbunden mit Flüssigkeits- und Elektrolytsubstitution aus. Bei mittelschweren und schweren Diarrhoen ohne Dysenterie, aber mit quälenden Symptomen und zunehmender Beeinträchtigung der geplanten Aktivitäten, werden systemisch wirkende Antibiotika, vor allem Azithromycin-Einzeldosen, oder die minimal resorbierten Antibiotika Rifaximin oder Rifamycin über 3 Tage empfohlen. Lediglich bei extrem beeinträchtigenden Durchfall und Dysenterie (meist unter 10% der Fälle) ist eine systemische Antibiose vorzugsweise mit Azithromycin (500-1.000) notwendig.

Unter Rifamycin Kolonisationsrisiko für E.coli-Bakterien sehr niedrig

Ab dem 1.12.2019 ist nun eine neue galenische Zubereitung (MMX®-Technologie) von Rifamycin (Relafalk®) verfügbar, bei der das orale Antibiotikum pH-abhängig und verzögert selektiv im terminalen Ileum freigesetzt wird. Sie war (in einer Dosierung von 2 x 400 mg/Tag, über 3 Tage) bei akuter Reisediarrhoe, mit sehr guter Sicherheit und Verträglichkeit, hinsichtlich des primären Endpunkts – der Zeit bis zum letzten ungeformten Stuhl (TLUS) – deutlich effektiver als Placebo (2)  und in einer weiteren randomisierten kontrollierten Phase-III-Vergleichsstudie (3) der Behandlung mit Ciprofloxacin (1.000 mg/Tag über 3 Tage) ebenbürtig. Klar für das Rifamycin-Präparat spricht nach Steffens Einschätzung zudem, dass das Risiko einer Kolonisation mit multiresistenten E.coli-Bakterien (ESBL-E, extended spectrum ß-lactamase-producing E. coli) nach Therapie signifikant und deutlich niedriger war als unter Ciprofloxacin. Hält eine Diarrhoe jedoch nach der Rückkehr an, ist gemäß der aktuellen DGVS-Leitlinie (4) eine rasche und mikrobiologische Abklärung notwendig. Dies gilt vor allem bei Fieber nach Rückkehr aus Malariagebieten, wie der Infektiologe Prof. Thomas Weinke, Potsdam, ergänzte.

Dr. Andreas Häckel

Quelle: Launch-Pressegespräch „Relafalk®: innovative Galenik ermöglicht gezielte Therapie der Reisediarrhoe“, 25. 10. 2019, Frankfurt am Main; Veranstalter: Dr. Falk Pharma

Literatur:

(1) Riddle MS et al., J Travel Medicine 2017, Vol 24, Suppl 1, S57-S74, doi: 10.1093/jtm/tax026
(2) DuPont HL et al., J Travel Medicine 2014, 21 (6): 369-376.
(3) Steffen R et al., J Travel Medicine 2018, 1-1, doi: 10.1093/jtm/tay116
(4) Hagel S et al., S2k-LeitlinieGastroint. Infektionen, Z Gastroenterol 2015; 53: 1-42.


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