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Medizin

20. März 2020 Statement: Aktuelle Lage Deutschlands im Kampf gegen Corona

Die bayerischen Universitätskliniken haben als Krankenhäuser der höchsten Versorgungsstufe bei der Bekämpfung des neuartigen COVID19-Virus eine herausragende Bedeutung. Am heutigen Freitag gaben Prof. Dr. med. Ulrike Protzner, Direktorin des Instituts für Virologie an der TUM und am Helmholtz Zentrum München, und Prof. Dr. med. Matthias Frosch, Vorstand des Instituts für Hygiene und Mikrobiologie an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg, ein Statement zur aktuellen Lage im Kampf gegen das Coronavirus ab.
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Infektionsketten nicht mehr rekonstruierbar

Protzner bezog sich hauptsächlich auf die epidemiologische Entwicklung. Am Beispiel Chinas, das innerhalb von 6 Wochen „die Lage in den Griff bekommen hat, kann man sehen, dass eine konsequente Umsetzung der Maßnahmen zielführend ist“, so Protzner. Deutschland liege derzeit weltweit auf Platz 5 im Ranking der aufgetretenen Fälle. Damit sei es nicht mehr möglich, Infektionsketten nachzuvollziehen. Erst in frühestens einer Woche werde absehbar, ob die Infektionen eingedämmt werden könnten.

Breit angelegte Testung nicht zielführend

Die Mortalitätsrate sei – besonders im Vergleich zu China und Italien – in Deutschland gering. Protzner führt diesen Umstand auf das gut funktionierende deutsche Gesundheitssystem zurück. Trotzdem sei es weiterhin „extrem wichtig, die ergriffenen Maßnahmen weiterhin umzusetzen“, mahnte Protzner. Eine flächendeckende Testung auf das Virus sei jedoch nicht sinnvoll: Die Gefahr einer falsch negativen Testung sei zu hoch, zudem seien auch die Testgläschen eine wertvolle Ressource, die es zu schonen gelte.

Virologische Forschung nun besonders wichtig

Besonders wichtig sei es, die Forschung im Bereich der Virologie nicht auf Eis zu legen: Protzner appellierte an die Politik, bei einer gegebenen Verschärfung der Maßnahmen schnelle und unbürokratische Lösungen zu finden.
Abschließend meinte Protzner: „Angst ist ein schlechter Ratgeber. Wir sind in Deutschland gut vorbereitet. Wir haben getan, was man tun kann. Aber wir müssen vor allem auch an unsere älteren und geschwächten Mitmenschen denken“.

Angehende Ärzte in die Versorgung einbinden

Prof. Dr. med. Matthias Frosch, Vorstand des Instituts für Hygiene und Mikrobiologie an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg, plädierte ebenfalls für eine Stärkung der Forschung: Das Staatsexamen der angehenden jungen Ärzte sollte nach seinem Dafürhalten ausgesetzt werden. „Wir brauchen diese jungen Ärzte in der Versorgung. Die theoretische Prüfung kann auch zu einem späteren Zeitpunkt abgelegt werden.“

Psychischen Druck nicht vernachlässigen

Frosch warnte zudem vor eindimensionalen Sichtweisen. „Wir kümmern uns nur um Corona. Wir wissen aber nicht, welche Auswirkungen – vor allem auch psychische – diese bislang nie dagewesene Ausnahmesituation auf die Menschen haben wird.“ Er appellierte an die Politik, dies bei weiteren Maßnahmen zu berücksichtigen.

SM

Quelle: Pressekonferenz „Leistungen der bayerischen Universitätskliniken im Kampf gegen Corona: Zahlen, Fakten, Einblicke“, München, 20.03.2020


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