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Medizin

Darmkrebsmonat März: Vorsorge greift zu spät

Darmkrebsmonat März: Vorsorge greift zu spät
© Juan Gärtner - stock.adobe.com
Nach Zahlen des Robert Koch-Instituts sind im Jahr 2018 mehr als 60.000 Menschen in Deutschland an Darmkrebs erkrankt. Die meisten Darmkrebs-Neuerkrankungen werden dabei nach dem 50. Lebensjahr festgestellt. Allerdings gibt es 2 wichtige Tatsachen, die wenig Beachtung finden: Jeder zehnte Darmkrebsfall wird vor dem 50. Geburtstag diagnostiziert, und mehr als jeder zehnte Deutsche hat eine familiäre Belastung für Darmkrebs.

Darmkrebs bei Menschen unter 50 Jahren meist zu spät diagnostiziert

So gibt es Menschen, bei denen Darmkrebs schon zwischen dem 20. und 50. Lebensjahr auftritt. Diese Menschen fallen aus dem Vorsorgeraster heraus – mit oft tödlichen Folgen. Denn bei ihnen wird der Darmkerbs häufig erst diagnostiziert, wenn er bereits Beschwerden verursacht oder sich Metastasen in anderen Organen gebildet haben. Zum Darmkrebsmonat März fordert die Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten e.V. (DGVS), die Vorsorge bei familiär bedingtem Darmkrebs zu verbessern.
 
 

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Darmkrebsvorsorge muss bei Menschen mit familiärer Vorbelastung deutlich früher betrieben werden

Darmkrebs-Inzidenz ist in Deutschland rückläufig

Jahr für Jahr erkranken weniger Menschen in Deutschland an Darmkrebs. Eine erfreuliche Entwicklung, die dem Darmkrebsexperten Prof.Dr. med. Frank Kolligs zufolge vor allem an der bereits guten Vorsorgestruktur in Deutschland liegt. „Für gesetzlich Versicherte bietet unser Gesundheitssystem bereits gute Vorsorgeleistungen ab dem 50. Lebensjahr an. Mit diesen Angeboten zur Früherkennung können wir Krebsvorstufen und Darmkrebs in frühen Stadien rechtzeitig finden und entfernen“, so der Chefarzt der Inneren Medizin und Gastroenterologie am Helios Klinikum Berlin-Buch.

Familiäre Vorbelastung kann zu Darmkrebs lange vor dem 50. Lebensjahr führen

Menschen, die aufgrund von familiärer Vorbelastung ein erhöhtes Darmkrebsrisiko haben, kommen diese Vorsorgestrukturen allerdings nicht zugute. „Bei familiär bedingtem Darmkrebs erkranken Betroffene häufig schon vor dem 50. Lebensjahr. Daher muss bei dieser Risikogruppe deutlich früher mit Vorsorgeuntersuchungen begonnen werden“, fordert Kolligs.

Darmkrebsvorsorge 10 Jahre vor dem Erkrankungsalter des Verwandten beginnen

Tritt bei einem Familienmitglied Darmkrebs vor dessen 50. Geburtstag auf, muss auch an eine genetische Belastung gedacht werden. Wichtig sei es laut Kolligs, dass Angehörige jung an Darmkrebs Erkrankter frühzeitiger als von den Kassen regulär empfohlen mit der Darmkrebsvorsorge beginnen. „Es gilt die Faustregel, dass man 10 Jahre vor dem Alter der Diagnosestellung des Angehörigen mit der Darmkrebsvorsorge beginnen sollte. Ein Beispiel: Hat mein Vater mit 50 Jahren die Diagnose Darmkrebs erhalten, sollte ich als Sohn ab dem 40. Geburtstag mit der Darmkrebsvorsorge beginnen. So ist es möglich, Krebsvorstufen rechtzeitig zu erkennen und Darmkrebs zu bekämpfen, bevor er ein größeres Problem wird“, erklärt Kolligs.
 

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Risikofaktoren für Darmkrebs: Fleisch- und Alkoholkonsum, Rauchen, Bewegungsarmut und Übergewicht

Neben einer familiären Belastung sind insbesondere ein hoher Fleisch- und Alkoholkonsum, Rauchen, Bewegungsarmut und Übergewicht als Risikofaktoren für Darmkrebs bekannt. Bei etwa 16% (2) der Erkrankten tritt Darmkrebs gehäuft innerhalb einer Familie auf. Expert:innen halten hier Kombinationen von Mutationen auf zahlreichen Genen für eine Ursache. Eine genetische Analyse ist aber nur sinnvoll, wenn der Verdacht auf das Vorliegen von erblichem Darmkrebs besteht, hier wird dann gezielt nach entsprechenden genetischen Veränderungen gesucht.

DGVS fordert mehr Aufklärung zur Darmkrebsvorsorge

„Die Darmspiegelung ist daher die einzige zuverlässige Diagnosemöglichkeit bei familiärem Darmkrebs. Beinahe 20% aller Darmkrebspatient:innen fallen durch unser Vorsorgeraster. Es ist dringend notwendig, dass Politik und Krankenkassen in Bezug auf familiären Darmkrebs mehr Aufklärungsarbeit leisten“, sagt auch Professor Dr. med. Heiner Wedemeyer, Mediensprecher der DGVS und Direktor der Klinik für Gastroenterologie, Hepatologie und Endokrinologie der Medizinischen Hochschule Hannover.

Quelle: DGVS

Literatur:

(1) Robert Koch Institut Krebsregisterdaten
(2) Deutsches Konsortium familiärer Darmkrebs



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